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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schüttmohn - Schützen (militärisch)
daß sich ihre untern Teile vereinigen, so geben auf
diese Weise manchmal große Fläcken wertvollen
Thalgeländes der Kultur verloren, sie werden, wie
der Ausdruck in den deutschen Alpen heißt, ver-
muhrt. Das Niedergehen von E. oder die Ver-
muhrung gehört zu den größten wirtschaftlichen
Katastrophen der Gebirgsländer, die besonders dort
däusig sind, wo eine sinnlose Waldverwüstung ge-
regelten Wasserablauf unmöglich gemacht hat, so
z. B. in Südfrankreich, in manchen Gegenden von
Esthland und an andern Orten. (S. auch Äschenkegel.)
Schüttmohtt, s.I^Mvsr.
Schüttorf, Stadt im Kreis Graffchaft Venthcim
des preuß. Neg.-Vez. Osnabrück, an der Vechte und
der Linie Rhcine-Oldenzaal der Holland. Eisen-
bahngesellschaft, hat (1890) 3371 E., darunter 588
Katholiken und 21 Isracliten, Post, Telcgrapb,
reform. und kath. Kirche, Ruine des alten fürstl.
Bcntheimschen Schlosses Altena, höhere Bürger-
schule; Maschinenfabrik, Baumwollspiunerei, 5 We-
bereien, 5 Färbereien, Gerberei, Kunstbuttcr-,
Li^ueur- und Safsianlcderfabrik, Cementziegelfabrik,
Danipfziegcleien, Dampfmahl- und Sägemühlen.
S. wurde 1294 Stadt und besaß 1600 -20 eine
Universität und Gymnasium.
Schüttuug, in der Vierbrauerei, s. Vier und
Bierbrauerei (Bd. 2, S. 995 d).
Schutz, in der kaufmännischen Sprache soviel
wie Honorierung, z. B. Annahme, Zahlung eines
Wechsels u. s. w. Insbesondere nimmt man eine
Wechselunterschrift durch Ehrenannahme (s. d.) oder
Ehrenzahlung in S.
Schütz, latinisiert Sagittarius, Heinrich, Ton-
dichter, geb. 8. Okt. 1585 zu Köstritz an der Elster,
kam 1591 mit seinen Eltern nach Weißenfels, wurde
Sängerknabe in der Kapelle des Landgrafen Moritz
von Hessen-Cassel und empfing seine Bildung im
(^olio^inin ^laui'itianuni. Seit 1607 studierte er die
Rechte in Marburg, ging aber auf Veranlassung
des Landgrafen Moritz 1609 nach Venedig, wo er
Giovanni Gabrielis Unterweisung in der Musik bis
zu dessen Tode (1612) genoß. Darauf kebrte er nach
Casscl zurück und erhielt in der dortigen Kapelle eine
Anstellung als Organist. 1614 ward er zur Taufe
des Herzogs August, nachherigen Administrators
des Erzstifts Magdeburg, nach Dresden gerufen, um
bei dieser Feier musikalisch thätig zu sein. 161? er-
nannte ihn der Kurfürst von Sachsen zu seinem
Kapelldirektor. S. reformierte die Dresdener Kapelle
vollständig und hob sie zu einer damals bewunder-
ten Höhe. Die Unterbrechungen seiner Wirksamkeit,
welche der Dreißigjährige Krieg veranlaßte, benutzte
er zu Reisen nach Italien, Kopenhagen und Vraun-
schweig. Er starb 6. Nov. 1672 zu Dresden. In E.
erreichte die prot. Musik des 17. Jahrh, ihren Höbe-
punkt. Für die tiefsten Gedanken fand der Meister
den einfachsten Ausdruck und blieb in den schwierig-
sten künstlerischen Kombinationen und in den kühn-
sten Gebilden seiner gewaltigen Phantasie immer
anschaulich und verständlich. Von den allgemein be-
wunderten Kompositionen S.' wurden zu seinen Leb-
zeiten in Stimmausgaben gedruckt: Madrigale, Psal-
men, Motetten, geistliche Lieder (u. d. T. "3)mi)1i0-
ni^L 8k"'Ä6"), das Oratorium "Die Auferstehung
des Herrn" u. s. w. Ungedruckt blieb die Oper
"D^lno", die nach Ninuccinis gleichnamigem Gedicht
von Opitz bearbeitet war und 1627 zu Torgau bei der
Vermählung des Landgrafen von Hessen mit der
Schwester des Kurfürsten von Sachsen aufgeführt
wurde und überhaupt als die erste in Deutschland
zur Aufführung gebrachte Oper zu betrachten ist.
Sie scheint verloren zu seiu. Das Verdienst, den
lange vergessenen Meister der Praxis wieder zu-
geführt zu baben, gebührt Karl Niedel. Eine Ge-
samtausgabe von S.' Werken veranstaltete PH.
Spitta (16 Bde., Lpz. 1885-94). - Vgl. Spitta,
Musikgeschichtliche Aufsätze (Berl. 1891).
Schütz, Henriette, s. Händel-Schütz.
Schutzbegleitung, soviel wie Convoi (s. d.).
Schutzblende, s. Ialonsie (Bd. 9, S. 814a).
Schutzbrief, vom Staatsoberhaupt urkund-
lich erteilte Zusicherung eines besondern Schutzes.
Solche S. erhielten früher z. V. Angeklagte, wenn
sie sich aus Furcht vor der Rache des Verletzten oder
seiner Angehörigen dem Gericht nicht stellen wollten,
sowie Zahlungsunfähige, welche die Nechtswohl-
tbat der Güterabtretnng erlangt hatten, um ohne
Behelligung durch Wechselgläubiger bei der Ord-
nung ihres Kreditwesens mitzuwirken. Auch ganzen
Klassen der Bevölkerung, welche nicht volle Berech-
tigung genossen, wie den Juden oder in der Türkei
allen Nichtmohammedanern, wurden S. ausgestellt.
(S. Geleit und Sauvegarde.) In neuester Zeit
wurde das Institut der S. in anderer Weise wieder
praktisch, nämlich für die Erwerbung von Kolonien'.
Schutzbrille, s. Brille (Bd. 3, S. 539 d).
Schutzbürger, s. Pfahlbürger. ^s. Weberei.
Schütze, im Wasserbau, s. Wehr. S. am Webstuhl,
Schütze (loxoteZMculHtoi' Oiiv., s. Tafel: Fi sch e
V, Fig. 5), ein zu den Schuppenflossern (s. d.) ge-
böriger, ziemlich hoher, seitlich zusammengedrückter
Fisch von etwa 20 cm Länge, von silberiger Farbe
mit fünf undeutlichen braunen Rückeubinden. Er
findet sich vom Golf von Bengalen bis nach Nord-
australien im Meere in der Nähe des Ufers und
spritzt auf Insekten, die auf Pflanzen unmittelbar
am Wasser sitzen, mit großer Sicherheit einige
Tropfen Wasser, worauf dieselben herabfallen und
von ihm gefressen werden.
Schütze (-^), das 9. Zeichen des Tierkreises von
210 bis 270" Länge. - S. oder 8liFitwriu8 ist
auch ein südl. Sternbild, das einen vierfachen und
einen dreifachen Stern enthält, außerdem drei ver-
änderliche Sterne, von denen der eine, II, eine nahe
siebentägige Periode besitzt. Bemerkenswert sind
mehrere glänzende Sternhaufen und ein merkwür-
diger vielfacher Nebel in diesem Sternbild.
Schützen, in der deutschen Armee soviel wie
Jäger (s. d.). Die namentlich in der ersten Hälfte
des 19. Jahrh, gebräuchliche Formierung besonderer
Schützenrcgimenter, Bataillone und Compagnien
ist in der preuß. Armee nicht mehr üblich; nur
das Gardesckützenbataillon hat sich unter diesem
Namen erhalten. In wachsen besteht ein Schützen-
regiment Nr. 103 (s. Füsiliere). Die S. haben aus-
gewählten Ersatz.
S. werden ferner die in der zerstreuten Ordnung
kämpfenden Mannschaften der Infanterie genannt.
Je nach der dünnern oder dichtern Entwicklung
der S. unterscheidet man Schützenlinien und
Schützenschwärme. Wegen der schwierigen Be-
wegung und Leitung derselben bleibt man so lange
als möglich geschlossen und entwickelt erst S.
(schwärmen) beim Übergang zum Gefecht, oder
wenn das feindliche Feuer dazu zwingt. Die Be-
wegungen der S. geschehen stets ohne Tritt, aus-
nahmsweise auf kurze Strecken (über heftig beschos-
senes Gelände) im Lauf. Das Vorgehen der S. kann