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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schwan (Sternbild) - Schwanenorden

schwimmen und auf ihren Wanderungen in bedeutender Höhe mit ausdauernder Geschwindigkeit, fliegen. Das Weibchen legt 4‒8 Eier, die weißlich oder schmutziggrün sind und von ihm allein in 5‒6 Wochen erbrütet werden. Die Arten der nördl. Erdhälfte sind weiß, der südamerikanische S. oder Schwarzhalsschwan (s. d.) am Kopf und Halse sammetschwarz, der australische (Cygnus atratus Vieill.) fast durchaus kohlschwarz mit rotem Schnabel. Alle Arten sind jetzt in den zoolog. Gärten eingebürgert, werden dort mit Gerste und Garneelenschrot gefüttert und halten Sommer und Winter im Freien aus. Ihre Preise schwanken zwischen 50 M. für das Paar Höckerschwäne, 120 M. für das Paar Singschwäne, 200 M. für das Paar schwarze S., bis zu 400 M. für das Paar schwarzhalsige S. Unter den weißen, sämtlich im hohen Norden nistenden Arten zeichnet sich der Höckerschwan (Cygnus olor Vieill., s. Tafel: Schwimmvögel Ⅲ, Fig. 4) durch den orangeroten, an der Wurzel mit einem schwarzen Höcker besetzten Schnabel aus. Da er unter allen S. die graziöseste Haltung hat, so wird er häufig aus Teichen gehalten. Seine dem Tone einer schlechten Trompete ähnliche Stimme läßt er im Fluge niemals, im Schwimmen selten, am ehesten noch im Kampfe mit Nebenbuhlern vernehmen, so daß man ihn auch den stummen S. genannt hat. Er ist übrigens oft bösartig und zeigt niemals Zutraulichkeit und Anhänglichkeit dem Menschen gegenüber. Der Singschwan oder gelbnasige S. (Cygnus musicus Fab.) hat einen schwarzen, an der Wurzel mit gelber Wachshaut bekleideten Schnabel ohne Höcker und eine in der Ferne angenehme, glockenähnlich tönende Stimme. Ihm sehr ähnlich ist der Zwergschwan oder schwarznasige S. (Cynus minor Pall.), der um ein Drittel kleiner ist und nur 18 Steuerfedern hat. Beide letzte Arten zeichnen sich durch eine eigentümliche, zwischen den Platten des Brustbeins herabsteigende starke Krümmung der Luftröhre aus, die sie zu einer ungemein starken, während ihrer Wanderungen ertönenden Stimme befähigt. Was man von den schmerzlichen Melodien des S. bei dem Vorgefühl des Todes (dem Schwanengesang) erzählt hat, gehört in das Bereich der Fabel. – Über den S. in der Mythologie und Sage s. Schwanjungfrauen.

Wo die S. gemein sind, wie im Norden Europas, wird die Jagd derselben als einträglich betrieben; denn die Dunen, sowohl ausgerupft und als Bettfedern verwendet, als auch auf der abgestreiften Haut sitzend und als Pelzwerk gebraucht, sind hoch geschätzt. Die Schwingfedern dienen zum Schreiben. Das Fleisch erwachsener S. ist nicht genießbar.

Schwan, ausgedehntes Sternbild des nördl. Himmels. Mehrere Sterne darin sind interessante Doppelsterne; bemerkenswert ist auch der Veränderliche χ, dessen Lichtschwankungen, bereits von Kirch 1686 erkannt, zwischen der 4. und 13. Größe vor sich gehen; die Periode beträgt 406 Tage. Außerdem kennt man in diesem Sternbild zwei neue Sterne, der eine 1600 von Janson und etwas später von Kepler beobachtet; er verschwand 1621, erschien 1655 und nach abermaligem Verschwinden 1665 wieder; jetzt ist er 6. Größe. Der zweite wurde von Schmidt in Athen 1876 als Stern 3. Größe gefunden, die Lichtabnahme erfolgte hier sehr rasch. Die Milchstraße hat im S. außerordentlichen Glanz.

Schwandorf, Stadt im Bezirksamt Burglengenfeld des bayr. Reg.-Bez. Oberpfalz, an der Naab und den Linien München-Regensburg-Hof und Nürnberg-Furth im Wald der Bayr. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Amberg), hat (1890) 4436 E., darunter 138 Evangelische, Post, Telegraph, kath. und evang. Kirche, eine Wallfahrtskirche (Kreuzberg), Elektricitätswerk; Fabrikation von Thonwaren, Pechsiederei und Kunstmühle.

Schwanebeck, Stadt im Kreis Oschersleben des preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, an der Nebenlinie Nienhagen-Jerxheim der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 3291 E., darunter 173 Katholiken, Post, Telegraph; Zuckerfabrik, Gips- und Kalksteinbrüche, Gips-und Kalkbrennereien, Ziegeleien, Brauerei und Brennerei. Südwestlich der Huywald.

Schwanenblume, Pflanzenart, s. Butomus.

Schwanenfluß, Swan-River, Fluß an der südl. Westküste Australiens, entsteht aus zwei Armen, dem meist trocknen Salzfluß und dem Avon, durch- bricht die Darlingkette, geht bei Perth vorüber und mündet bei Freemantle in den Indischen Ocean. Dampfer verkehren von Perth bis zur Mündung, die durch eine Barre verschlossen ist. Er hat der 1829 gegründeten engl. Kolonie den Namen Schwanenflußkolonie gegeben, die, seitdem erweitert, jetzt Westaustralien (s. d.) genannt wird.

Schwanengans, s. Gans.

Schwanengesang, s. Schwan.

Schwanenhals, Werkzeug, s. Drainierung; als Fangeisen s. Berliner Eisen.

Schwanenhalshacke, s. Gartengeräte (Bd. 7, S. 555 a).

Schwanenjungfrauen, soviel wie Schwanjungfrauen (s. d.).

Schwanenmuschel, s. Malermuscheln.

Schwanenorden, der älteste Orden des preuß. Hauses, wurde in Anknüpfung an die Sage vom Schwanritter (s. Schwanjungfrauen) 29. Sept. 1440 von dem Kurfürsten Friedrich Ⅱ. von Brandenburg gestiftet und erhielt 15. Aug. 1443 eine Erweiterung seiner Statuten. Der Orden hatte den Zweck, gegen die Entsittlichung des Adels in der Mark und anderwärts zu wirken, dessen Rauf- und Fehdelust zu zügeln und ihn wieder an Gottesfurcht und Ehrbarkeit zu gewöhnen. Außerdem erlaubte das Ordensstatut den Frauen die Mitgliedschaft, daher lag auch in dem Mariendienst der Schwerpunkt der vorgeschriebenen religiösen Handlungen, und dies gab Veranlassung zu dem Namen «Orden Unserer lieben Frauen zum Schwan». Der kirchliche Versammlungsort der Mitglieder des sich rasch über Nord- und Süddeutschland verbreitenden Ordens war das Gotteshaus auf dem Harlungerberge bei Altbrandenburg. Als Ordensabzeichen galt das Bild der Gottesmutter an goldener Kette, darunter der Schwan als Symbol der Reinheit des Herzens, umgeben von einer weißen Schärpe, die unten verschlungen in zwei Fransen herabhing. 1459 stiftete der Markgraf Albrecht Achilles für die Ordensglieder des Thüringer Waldes eine zweite Ordenskirche in der Georgskapelle der St. Gumbertuskirche seiner Residenz zu Ansbach. Da man aber nicht verstand, die Statuten der neuern Zeitrichtung anzupassen, so verfiel der Orden mit der Reformation. 1843 faßte König Friedrich Wilhelm Ⅳ. den Plan seiner Wiederbelebung, indem er dem Orden eine praktische Richtung geben wollte. Es blieben indes die erlassenen Anordnungen unausgeführt. – Vgl. Stillfried-Rattonitz, Der S. (Halle 1845); Hänle, Urkunden und Nachweise zur Geschichte des S. (Ansbach 1876); Stillfried und Hänle, Das Buch vom S. (Berl. 1881).