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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schwanenritter - Schwängerungsklage
Schwanenritter, soviel wie Schwanritter,
s. Schwanjungfrauen.
Schwangerschaft (6i^viäi<H8), derZustand des
geschlechtsreifen Weibes, der mit der Empfängnis
oder der Befruchtung (s. d.) beginnt und mit der
Ausstoßung der ausgebildeten Frucht durch die Ge-
burt (s. d.) endet. Bei jeder Menstruation (s. d.) des
Weibes wird aus einen: der Eierstöcke ein Eichen
(mitunter auch mehr als eins) ausgestoßen, das
durch die Muttertrompeten in die Gebärmutterhöhle
gelangt, aus deren bis zur Blutung aufgelockerter
Schleimhaut es mehrere Tage bis Wochen hasten
bleibt. Trifft es hier oder schon innerhalb der Mut-
tertrompetcn mit männlichem Samen (s. d.) zu-
sammen, so findet die Befruchtung statt, das Eicken
wächst in der Schleimhaut scst und entwickelt sich
nun allmählich weiter; es beginnt die S. Da sich
der Tag der fruchtbaren Empfängnis nur in den
seltensten Fällen genau bestimmen läßt, so wird der
Beginn der S. in der Regel von der letzten Men-
struation ab gerechnet. Bei richtiger Verechnuug
dauert die S. in runden Zahlen 280 Tage oder
10 Mondmonate oder 9 Sonnenmonate. Ob ein
Kind länger getragen wird (Spätgeburt), ist scbr
zweifelhaft; wohl aber wird das Kiud oft vor voll-
endeter Entwicklung geboren, man spricht dann von
einer Fehlgeburt (s. d.) oder Frühgeburt (s. d.).
Mit der Befruchtung des Eichens treten nicht
bloß in der Gebärmutter, sondern im ganzen mütter-
lichen Organismus wesentliche Veränderungen
ein. Die Gebärmutter schließt sich und wächst, der
Entwicklung der Frucht entsprechend; während sie
im nichtschwangern Zustand eine Länge von 6 bis
8 ein und eine Breite von 4 bis 5) cm besitzt, beträgt
ihre Länge am Ende der S. 20-27 c^m, ihre Breite
15-20 cm; ihr Gewicht hat sich dann nahezu um
das Dreißigfachc vermehrt. Bald hat sie nicht mehr
im Kleinen Becken, in dem sie in unbefruchtetem Zu-
stande liegt, Platz und steigt nun in das Große
Becken empor; im vierten Monat ist sie als härt-
liche Kugel über dein Schambein zu suhlen, im sie-
benten reicht sie bis über den Nabel, im neunten bis
an die Herzgrube heran. Über die allmähliche Ent-
wicklung der Frucht s. Embryo. Gleichzeitig mit der
Empfängnis hört die Neubildung der Eichen und
mit ihr die Menstruation auf, und nur in seltenen
Fällen finden noch in der ersten Zeit der S. Blu-
tungen aus der Gebärmutter statt. Bei manchen
Frauen stellen sich mannigfache Vefchwerden ein.
Der Appetit verliert sich oder richtet sich aus außer-
gewöhnliche Speisen (Gelüste der Schwangern).
Manchmal treten Übelkeit und Erbrechen, in andern
Fällen Zahnschmerzen aus; die Haut (namentlich
des Gesichts) wird fleckig; die Füße schwellen an
und nicht selten bilden sich Krampfadern aus. Die
Muttcrfcheide und die äußern Genitalien zeigen
während der S. eine Schwellung und vermehrte Ab-
sonderung; auch die Brüste schwellen an, werden
empfindlicher und lassen am Ende der S. bei Druck
oder von selbst eine milchige Flüssigkeit austreten.
Alle diese Erscheinungen, die man als Schwan-
gerschastszeichen zusammenfaßt, geben jedoch
keine Sicherheit für die Annahme der S.; den
einzig sichern Anhalt gewährt nur das Wabrneh-
men "der Lebenszeichen der Frucht und von diesem
wieder allein sicher die Herztöne, die man von der
18. bis 20. Woche an beim Auflegen des Ohrs auf
die Gcbärmuttcrgegend deutlich wahrnimmt. Den
Tag der Niederkunft, zu defsen schnellerer Berech-
nung sog. Schwangerschaftskalender aufge-
stellt worden sind, findet man annähernd, wenn
man vom Tage des Eintritts der letzten Menstrua-
tion drei ganze Kalendermonate zurückrcchnet und
dann sieben Tage hinzuzählt; ist der Termin der
letzten Menstruation nicht bekannt, so nimmt man
den Zeitpunkt der ersten Kindsbewegungen, deren
erstes Auftreten meist in die 18. bis 20. Wocke fällt,
zu Hilfe und rechnet von ihm ab noch 20-^22
Wochen bis zur Niederkunft. Das Verhalten der
Schwangern muß sich auf eine genügende Ernäh-
rung und Abhaltung von Schädlichkeiten richten',
die Kost soll daher gut nährend und leicht verdaulich
sein; von Schädlichkeiten sind namentlich enge Klei-
dung, insbesondere der Gebrauch der Scknürleiber,
anstrengende körperliche und geistige Arbeiten sowie
weite Reisen zu vermeiden. Tägliche, aber mäßige
Leibesbewcgung im Freien ist jeder hoffenden Frau
dringend anzuempfehlen; dagegen müfscn alle stär-
kern und heftigern Bewegungen des Körpers, wie
Springen, Tanzen, Reiten, Fabrcn auf holperigen
Wegen, das Heben schwerer Gegenstände u.dgl.
unterbleiben, weil sie gar leicht Anlaß zur vorzeiti-
gen Unterbrechung der S. geben. Während der
zweiten Hälfte der S. erweist sich das Tragen einer
zweckmäßig gearbeiteten Leibbinde von Vorteil. Er-
hitzende, stark gewürzte und schwer verdauliche Spei-
sen und Getränke sind durchaus zu vermeiden; der
Stuhlgang muß durch Klystiere oder milde Abführ-
mittel (Magnesia, Ricinusöl, Kurellasches Vrust-
pulver) gehörig reguliert werden. Wöchentlich ein-
bis zweimal ein mäßig warmes Bad (von -5- 24 bis
26" K.) zu nehmen, ist einer gesunden Schwangern
zu empfehlen; dagegen wirken beiße Voll- und Fuß-
bäder unbedingt schädlich. Eine besondere Aufmerk-
samkeit erheischt die Pflege der Brüste und besonders
der Brustwarzeu. (S. Brüste.)
Als ciue Eigentümlichkeit der Schwangern gilt
die leichte Empfänglichkeit derfelben für gewisse Er-
krankungen, z. V. für die fog. akuten Hautaus-
schläge. Fieberhafte und andere schwere Krankheiten
werden von den Schwangern nicht so leicht über-
standen als von andern Personen, und in vielen
Fällen tritt dabei die Geburt ein. Dagegen ist be-
merkenswert, daß die Tuberkulose während der S.
nur geringfügige Symptome zeigt, dagegen als-
bald nach der Geburt mit aller Heftigkeit aufzutreten
pflegt. Als eine besondere Form der S. ist zu-
näckst die mit mehr als einer Frucht zu erwähnen.
Zwillingsschwangerschaften sind nicht eben häusig,
noch seltener Drillingsschwangerschaften; auch kom-
nien Geburten von mehr als drei Kindern vor.
(S. Zwillinge.) Auch kann das Eichen außerhalb
der Gebärmutter (im Eileiter, im Eierstock, in der
Leibeshöhle) befruchtet werden und sich entwickeln.
(^). Bauchschwangerschaft.) Entartet die Frucht in
der Gebärmutter krankhaft, so entwickelt sich kein
Kind, sondern eine Mole (s. d.). Über Mißbildungen
während der S. und das sog. Versehen der Schwan-
gern s. Mißbildungen.
Vgl. von Ammon, Die ersten Mutterpflichtcn und
die erste Kindespflcge (34. Aufl. von Winkel, Lpz.
1894); Vurckhardt, Das Buch der jungen Frau
(3. Aufl., ebd. 1894); Vaginsky, Das Leben des
Weibes (3. Aufl., Stuttg. 1885); Faber, Hygieine
der S. (Berl. 1890); Eisenberg, Hygieine der S.
(Wien 1892).
Schwängerungsklage, diejenige Klage, welche
nach einer Mehrzahl der Rechte der außerehelich