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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schweiz

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Schweiz (Ältere Geschichte bis 1798)

S. (2 Bde., Frauenfeld 1892); Das schweiz. Schulwesen, herausgegeben anläßlich der Weltausstellung in Chicago (1893); Bericht über Handel und Industrie der S. 1893. Erstattet vom Vorort des schweiz. Handels- und Industrievereins (Zür. 1894). - Staatsrecht und Verfassung: Snell, Handbuch des schweiz. Staatsrechts (2 Bde., mit Nachträgen, Zür. 1839-48); VBluntschli, Geschichte des schweiz. Bundesrechts, Bd. 1 (2. Aufl., Stuttg. 1875); J. Meyer, Geschichte des schweiz. Bundesrechts (2 Bde. u. Supplement, Winterth. 1875-81); Blumer-Morel, Handbuch des schweiz. Bundesstaatsrechts (2. Aufl., Schaffh. 1877; 3. Aufl., Bd. 1, Bas. 1891; 2. Aufl., Bd. 2 u. 3, 1880 fg.); Dubs, Das öffentliche Recht der schweiz. Eidgenossenschaft (2 Bde., Zür. 1877); Curti, Geschichte der schweiz. Volksgesetzgebung (2. Aufl., Lpz. und Zür. 1885); von Orelli, Das Staatsrecht der schweiz. Eidgenossenschaft (Freib. i. Br. 1885); Huber, System und Geschichte des schweiz. Privatrechts (4 Bde., Bas. 1886-93); Schollenberger, Vergleichende Darstellung aus dem öffentlichen Rechte der schweiz. Kantone (3 Tle., Zür. 1888-91); Eichmann, Sammlung der schweiz. Handelsverträge und der Konventionaltarife aller Länder (Bern 1889); Adams, The Suiss Confederation (Lond. 1889; französisch von Loumyer, Bas. 1890); P. Wolf, Die schweiz. Bundesgesetzgebung (2 Bde., Bas. 1889-91); Strickler, Schweiz. Verfassungsbüchlein (Bern 1890); Pfenninger, Das Strafrecht der S. (Berl. 1890); Georg Schanz, Die Steuern der S. (5 Bde., Stuttg. 1890); Stooß, Die schweiz. Strafgesetzbücher (Bas. 1890); ders., Grundzüge des schweiz. Strafrechts (ebd. 1893); von Muyden, La Suisse sous le pacte de 1815 (2 Bde., Lausanne 1890-92); Hilty, Die Bundesverfassungen der schweiz. Eidgenossenschaft (Festschrift, Bern 1891); von Ah, Bundesbriefe der schweiz. Eidgenossenschaft (Einsiedeln 1891); Schweizer, Geschichte der schweiz. Neutralität (Frauenf. 1895); von Salis, Schweiz. Bundesrecht (4 Bde., Bern 1891-93). - Karten: Topogr. Karte der S. (Dufourkarte, 1865 unter Leitung des Generals Dufour (s. d.) vollendet, 1:100000, 25 Blätter, 1846-65); Topogr. Atlas der S. (Siegfried-Atlas) im Maßstab der Originalaufnahme (Hochgebirge 1:50000, Hochebene und Jura 1:25000); Karte der S., nach der Dufourkarte reduziert (1:250000, 4 Blätter, 1871-75); Karten von Keller (8 Blätter, 1:200000, 1889); Ziegler (4 Blätter, 1:380000) und Leuzinger (1:400000, 1882, jährlich in neuer Auflage); Studer und Escher von der Linth, Geolog. Karte der S. (1:380000, 1874; neue Ausg. 1893); Reliefkarten von Leuzinger (1:530000, Winterth. 1884), Simon (Basel), Bürgi (Basel), E. Beck (Bern), Imfeld (Reliefkarte der Centralschweiz, Zürich) und Schöll (St. Gallen). Die besten Karten der S. sind die Dufourkarte und der Siegfried-Atlas in 546 Blättern (von dem bis Ende 1894: 44 Lieferungen zu 526 Blättern erschienen sind).

Ältere Geschichte bis 1798. Obwohl das jetzige Gebiet der S., wie die Höhlenfunde von Thäingen und Schweizersbild (Schaffhausen) und an andern Orten sowie die seit 1853 in vielen Schweizerseen entdeckten Pfahlbauten beweisen, schon sehr früh besiedelt war, beginnt doch die eigentliche Geschichte des Landes erst mit der Zeit, in der die Helvetier (s. d.) mit den Römern in Berührung kamen und von diesen 58 v. Chr. durch den Sieg Cäsars bei Bibracte unterworfen wurden. Nachdem im J. 57 auch die kleinen kelt. Stämme des Wallis und 15 die der Rhätier unterworfen waren, gehörte der mittlere nördl. und westl. Teil der jetzigen S. zu Gallien, der östliche zu Rhätien. Hauptstadt des Landes, das im Westen bald röm. Kultur annahm, war die Stadt Aventicum (s. Avenches). Mit der zweiten Hälfte des 3. Jahrh. begannen die Einfälle der Alamannen, die 264 n. Chr. Aventicum zerstörten und von 406 an nach Vernichtung der röm. Herrschaft sich bleibend im nordöstl. Teile des Landes ansiedelten. Ihnen folgten die Burgunder, die 443 durch Vertrag von den Römern die Provinz Sapaudia (Savoyen) erhielten und sich nach und nach über die Westschweiz verbreiteten, auch röm. Sprache und Sitten annahmen. Die Alamannen wurden 496, die Burgunder 534 von den Franken unterworfen, denen 536 auch Rhätien zufiel, dagegen kamen die ital. Thäler der S., in denen sich nach 569 Langobarden angesiedelt hatten, erst 774 an das Fränkische Reich. Unter der Herrschaft der Franken blühte das oft verheerte Land wieder empor. Neue Städte wurden gegründet, andere, wie Zürich und Lausanne, neu aufgebaut; es entwickelte sich ein mächtiges Kirchentum mit Bistümern und zahlreichen Klöstern, die als Kern neuer Ansiedelungen dienten. Unter den schwachen Nachfolgern Karls d. Gr. zerfiel jedoch das fränk. Helvetien wieder in seine Teile. Während Rhätien und der ganze Nordosten bei dem Herzogtum Alamannien verblieben, das seit 920 einen Bestandteil des Deutschen Reichs bildete, machte 888 der Graf Rudolf, ein Welfe, die burgundische S. zu dem selbständigen Königreich Hochburgund. (S. Burgund, Bd. 3, S. 766.) Von 1032 an war das Schicksal der S. mit dem des Deutschen Reichs eng verknüpft. Durch Verleihung kam Schwaben an die auch in Burgund begüterten Grafen von Rheinfelden, später (1090) an deren Erben, die Zähringer. Diese mußten indes 1098 auf das Herzogtum Schwaben verzichten und sich mit der Reichsvogtei Zürich begnügen. Später wurden sie (1127) Rektoren von Burgund und begründeten zum Schutz gegen den widerspenstigen Adel Städte, wie Freiburg im Üchtland (um 1177) und Bern (1191). Nach dem Aussterben der Zähringer (1218) ging das Rektorat ein; die Städte Bern, Solothurn, Zürich und andere wurden reichsfrei, die Eigengüter der Zähringer aber fielen an die Kyburger. Schon längst hatten sich eine Reihe kleinerer weltlicher Herrschaften (unter den Grafen von Savoyen, Genf, Greyerz, Neuenburg, Lenzburg, Habsburg, Rapperswil, Toggenburg u. a.) und geistlicher Territorien (wie der Bischöfe von Genf, Sitten, Lausanne, Basel, Constanz, Chur; der Äbte von St. Gallen, Einsiedeln, Muri u. a.) herausgebildet.

Ende des 13. Jahrh. hatte in der Westschweiz das Haus Savoyen durch die Eroberung der Waadt und des Unterwallis die Vorherrschaft erlangt; in der Mittel- und Ostschweiz gewann das Haus Habsburg überwiegenden Einfluß und suchte diesen besonders nach der Erhebung Rudolfs von Habsburg zum Deutschen König (1273) zu verstärken. Nach dessen Tod schlossen die Bergländer Uri und Schwyz in Erneuerung eines ältern Bündnisses aus der Zeit der ersten Erhebung gegen Habsburg (1245-50) unter sich und mit dem benachbarten Unterwalden einen «ewigen Bund» zur Behauptung ihrer Rechte und Freiheiten. Auch Albrecht I. weigerte sich, wie sein Vater Rudolf I., die Freibriefe der Waldstätte anzuerkennen, seine Ermordung 1308