Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

773
Sebacinsäure - Sebastin
Werk "I^ocnpietiZZiiui rerum N3.tur3.lium tiisg^uri
Qccui-atii ä68criptio" (4 Bde., mit 450 Kupfertafeln
in Folio, Amsterd. 1734-05).
Sebacmsäure, eine zweibasische Säure der
Oralsäurereihe von der Zusammensetzung (^H^^
^c00U(cll.2)"-c0()ii, die bei der trocknen De-
stillation der Oleinsäure, bei der Oxydation der
Stearinsäure und des Walrats sowie beim Schmel-
zen von Ricinusölsüure mit Kalihydrat entsteht.
Sie krystallisiert in glänzenden Blüttchen, die bei
127° schmelzen.
S^bnVdus, der Heilige, einer der Schutzpatrone
Nürnbergs (neben dem heil. Lorenz), von unbekann-
ter Herkunft, studierte nach der Legende in Paris,
vermählte sich dort mit der Tochter des Königs
Dagobert III., trennte sich aber schon am folgen-
den Tage von ihr, um sich einem beschaulichen
Leben zu widmen, pilgerte nach Rom, kehrte dann
wieder nach Deutschland zurück, trieb hier, nament-
lich in Bayern, Mission und lebte zuletzt in einem
Walde dci Nürnberg als Einsiedler. Er starb 801
(nach andern 901 oder 1070). Er hatte befohlen,
seinen Leichnam auf einen mit Ochsen bespannten
Wagen zu legen und ihn da zu begraben, wo diese
freiwillig stehen bleiben würden. Dies geschah an
der Pcterskapelle zu Nürnberg, die hierauf zur Se-
balduskirche erweitert wurde; in derselben be-
findet sich das prächtige Grabdenkmal des S., von
Peter Bischer und dessen Söhnen 1508-19 an-
gefertigt. (S. Tafel: Deutsche Kunst IV, Fig. 1,
Bd. 4, S. 1004.) 1425 wurde S. von Martin V.
heilig gesprochen: Gedächtnistag ist der 19. Aug.
Sebaste, der griech. Name von Samaria (s. d.).
Nach dem Hafen Sebastos hieß auch Cäsarea Pa-
lästina (s. d.) S.
Sebastian, San, span. Stadt, s. San Sebastian.
Sebastian, Heiliger und Märtyrer der kath.
Kirche, geboren zu Narbonne in Gallien, warder
Legende nach unter Diocletianus Hauptmann in der
Pratorianergaroe. Vom Hofe aufgefordert, seinen
christl. Glauben zu verlassen, blieb er standhaft und
wurde den mauritanischen Bogenschützen übergeben,
die ihn an einen Baum banden und mit angeblich
1000 Pfeilschüssen durchbohrten. Eine Christin,
Irene, die den Körper des Nachts aufsuchte, um ihn
zu bestatten, fand S. noch lebend und rettete ihn.
Bald darauf wurde S. wieder ergriffen, zu Tode
gestäupt und sein Körper in eine Kloake gestürzt
(287 oder 288). Eine Christin, Lucina, zog ihn
hervor und begrub ihn zu den Fühen der Apostel
Petrus und Paulus. S. ist der Patron der Schützen-
gesellschaften; sein Gedächtnistag ist der 20. Jan.
Sebastian, König von Portugal (1557-78), der
nachgcborene Sohn des Infanten Iobann und Jo-
hannas, einer Tochter Kaiser Karls V., geb. 1554,
ward 1557 Nachfolger seines Großvaters Johann III.
(s. d.). Die Negierung führte bis zu seiner Voll-
jährigkeit sein Grohoheim, der Kardinal Heinrich.
Von Mulci-Mehemmed, der von seinem Oheim, dem
regierenden ScherifMulei-Malek von Marokko, aus
dem Lande verjagt war, zu Hilfe gerufen, fegelte S.
24. Juni 1578 nach Tanger ab. Bei Kassr el-Kebir
wurde er 4. Aug. 1578 von der überlegenen Heeres-
macht des Scherifs geschlagen; S. selbst fiel, ohne
daß man seinen Leichnam auffand. Zunächst führte
Kardinal Heinrich, den S. zum Reichsverweser be-
stellt hatte, die Regierung und ward nach einiger
Zeit zum König ausgerufen; doch er starb schon
31. Jan. 1580, und mit ihm erlosch die alte portug.
Dynastie. Philipp II. von Spanien, dessen Mutter
Isabella eine Schwester von S.s Großvater Jo-
hann III. gewesen war, bemächtigte sich darauf der
Herrschaft über Portugal. Die Folge der Ungewiß-
heit über den Tod des Königs S. war, daß später
vier Abenteurer auftraten, die sich für S. ausgaben.
Der vierte in der Reihe, der 20 Jahre nach der
Katastrophe in Venedig erfchien, gab vor, daß er auf
dem Schlachtfelds unter den Toten und Verwundeten
sich verborgen habe und, um Portugals Ruhe nicht
zu stören, zunächst in der Berberei geblieben sei, dann
in Sicilien als Einsiedler gelebt habe. Der Senat
von Venedig wies ihn aus. In Florenz wurde er
gefangen genommen und an den fpan. Vicckönig
von Neapel ausgeliefert; er soll dann in Castilien
im Gefängnis hingerichtet fein. - Vgl. Machado,
NsinoriaL parH a kiätorig. cis kortu^Hi HU6 com-
preNLndem 0 Foverno äel r6^ Don ßcdaZtiuo
(4 Bde., Lissab. 1736-51); Schüfer, Geschichte von
Portugal, Bd. 3 u. 4 (Gotha 1854); d'Antas, 1.63
lliux Don 36da8ti6ii (Par. 1805).
Sebastiäni, Francois Horace Bastien, Graf,
franz. Marschall und D'iplomat, geb. 11. Nov. 1775
in La Porta bei Vastia (Corsica), trat 1792 in die
franz. Armee, wurde 1799 Oberst und half Vona-
parte bei Durchführung des Staatsstreichs vom
18. Vrumaire (9. Nov. 1799). In dem Französisch-
Österreichischen Kriege von 1805 that er sich mehr-
fach, besonders bei Austerlitz, hervor und wurde in-
folgedessen Divisionsgeneral. Seit Mai 1806 übte
S. als Gesandter in Konstantinopel großen Einfluß
aus und wußte den Sultan Selim III. für Frank-
reich zu gewinnen. 1807 kämpfte S. in Spanien,
1812 in Rußland, wobei er auf dem Rückzug das
sog. Heilige Bataillon (s. d.) befehligte. 1813 nahm
er an den Schlachten an der Katzbach, bei Leipzig
und bei Hanau teil, 1814 befehligte er die Kavallerie
der Garde. Nach der Abdankung Napoleons 1814
huldigte S. Ludwig XVIII., ging aber während der
Hundert Tage wieder zu Napoleon über, organisierte
l die Nationalgarde zu Amiens und wurde in die
l Kammer gewählt. Nach der Schlacht bei Waterloo
! begab er sich nach England, kehrte 1816 nach Frank-
! reich zurück und übernahm nach der Iulirevolution
11. Aug. 1830 das Ministerium der Marine, das
er 17. Nov. 1830 mit dem der auswärtigen An-
gelegenheiten vertauschte. 1834 legte er dies Amt
nieder, ging als Gesandter nach Neapel, war dann
1835-40 Gesandter in London, worauf er zum Mar-
schall von Frankreich erhoben und wieder in die Depu-
tiertenkammer gewählt wurde. S. starb 21. Juli 1851
zu Paris. Ungeheures Aussehen machte die Ermor-
dung seiner einzigen Tochter (18. Aug. 1847) durch
ihren Gatten, den Herzog von Praslin (s. d.).
Sebastiansberg (im Volksmunde Pasberg
! und Vastelberg), königl. Vcrgstadt in der österr.
' Bezirkshauptmannschaft Komotau in Böhmen, am
Kamme des Erzgebirges, an "der Linie Krima-Neu-
dorf-Reitzenhain der Vuschtiehrader Eisenbahn, Sitz
eines Bezirksgerichts (53,4i ykiu, 5831 deutsche E.),
hat (1890) 2142 deutsche E., Kriegerdenkmal (1879),
sehenswerte Pfarrkirche; Spitzenklöppelei, Torfstreu -
und Torfmullfabrikation, mächtiges Torfmoor, Acker-
bau, Gänse- und Schweinezucht.
Sebasttn, ein von Veckman 1872 in Schweden
erfundenes Sprengmittel, welches zu den Dyna-
miten (s. d.), speciell zu den Abeliten (s. d.) gehört;
in der Hauptsache eine Mischung aus Nitroglycerin
und nitrierten Sägespänen, der noch mehrere andere