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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sisyrinchium - Sitten
hatte, bekannt. Diese bestand darin, daß er ein
ungeheures Felscnstück auf den Gipfel eines steilen
Berges wälzen mußte, von dem es aber immer
wieder hinabrollte. Daher der Ausdruck Sisyphos -
arbeit von vergeblichen Mühen.
3i8^inoklnin HW., Grasäugelchen,!
Pflanzengattung aus der Familie der Iridaceen,
(s. d.) mit etwa 50 Arten, sämtlich im tropischen und
subtropischen Amerika, kleine Zwiebelgewächse mit ,
schwertförmigen schmalen Blättern und kleinen, aber ^
lebhaft gefärbten Blüten. Der deutsche Name be- !
zieht sich vorzugsweise auf die gemeine Art, 8. an- !
c6Z)8 _lv., mit linien-schwertförmigen, fast grasarti-
gen Blättern und zwei bis vier schön blauen Blu-
men auf dem zweischneidigen, fast blattlosen Schaft.
8. LLrmuäiana ^>. ist in allen Teilen etwas größer
und der zweischneidige, ästige, beblätterte Stengel ^
oft vierblumig; Blumen violettblau, im Grunde
gelb. Außerdem kultiviert man noch 3. Ai^ndi-
Üoruin Dolti/l. aus Mexiko, eine zierliche Pflanze
von dem Ansehen einer Iri3 Xipliinin ^., mit violett-
blauen Blumen, 8. Ltriatuin F^tt/i. aus Chile, der
vorigen Art ähnlich, aber mit etwas unregelmäßigen
Blumen von schönstem Gelb, und einige andere.
Die Mehrzahl dieser lieblichen Blumen ist in Deutsch-
land fast hart, muh aber im Winter sorgfältig
gegen starke Kälte und Nüsse geschützt, besser aber
bei -^ 1 bis 7° 0. im Glashause überwintert werden.
Nur 8. llncspZ erweist sich unter einer leichten Laub-
decke gegen die Kälte jeden Grades unempfindlich. !
Sita, der 244. Planetoid. !
5i tkonisses, Pki1080pku8 lna.l1313803
(lat.), "wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein
Philosoph geblieben", d. h. wäre deine Thorheit ^
nicht an den Tag gekommen, sprichwörtliche Redens-
art, welche aus einer Erzählung in Voethius' "Trö- z
stung der Philosophie" (2, i?) sich erklärt; die erste ^
Quelle ist aber wohl die Bibel (Hiob 13, 5 und
Sprüche Salomonis 17, 23).
Sitang, Sitaung, Fluß inBirma, s. Sittang.
3ita.ri3, s. Bienenküfer.
Sitges, Hafenstadt im Bezirk Villanueva y
Geltru der span. Provinz Barcelona in Catalonien,
am Südwestfuß der Morella (595 m) und am Mittel- !
meer sowie an der Eisenbahn Barcelona-Roda!
(-Tarragona), hat (1887) 3270 E. und baut den Mal- !
vasier von S., einen würzigen, süßen Weißwein. ^
Sitis (lat.), der Durst (s. d.).
Sitka oder Neu-Archangel, Hauptstadt des
amerik. Territoriums Alaska (s. d.), liegt an der
Westküste der zum Alexander-Archipel gehörigen!
Insel Baranow, am Sitka- oder Norfolksund, und !
hat gegen 300 E., die sich zur Zeit des Fischfangs
bis zu 3000 vermehren, ein Zollamt und Missions- ^
anstalt. Das Klima ist ungesund. S., 1799 ge- j
gründet, war früher Hauptstadt der russ. Besitzungen ^
in Amerika. 1880 wurde in der Nähe eine ergiebige
goldführende Quarz ad er entdeckt.
5itopki1u8, s. Kornwurm.
Sitophöbie (grch.), Nahrungsverweigerung,
kommt bei Geistestranken häufig vor und erfordert
oft die künstliche Ernährung vermittelst der Schlund-
sonde. (S. Ernährung, Bd. 6, S. 297 a.)
3it pro rationo voluntas (lat.), s. Hoc
V0I0, 310 ^judoo U. s. w.
Sitsch (kleinruss.), Sjetsch (s^c, großruss.),
eigentlich der Verhau, hieß das befestigte Lager der
saporogischen Kosaken. (S. Saporoger.)
Sitsekai, Indianerstamm, s. Vlackfeet.
Sitta., s. Spechtmeise. Miche.
5itt3.ov, Papageien, s.Araras und Keilschwanz-
5itt2.oina.o, s. Sittiche.
Sittang, Sitang oder Sitaung, Fluß in
der Division Tenasserim in Birma, entspringt in
Oberbirma, 209 km oberhalb der Stadt Tungu,
fließt südwärts durch die Distrikte Tungu und
Echwe-gjin und mündet oberhalb des Golfs von
Martaban. Bemerkenswert ist die ungeheure Menge
Grand, welche er dem Meere zuführt, und die
reißende Flutwoge, die vom Meere her in ibm
herauf steigt; Schiffahrt ist daher kaum möglich.
Der Abstand von Quelle und Mündung beträgt
580 km. Von den Anwohnern wird er zuweilen
Palaun,Pa un g-laungoderTungufluß genannt.
Sittard, Stadt in der niederlünd. Provinz Lim-
bürg, an der Bahnlinie Mastricht-Venlo, am Geleen-
bache, mit 5678 E., hat eine schöne St. Peterskirche
(13. Jahrh.); Gerberei, Brauerei und Handel mit
landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Sittard, Joseph, Musikschriftsteller, geb. 4. Juni
1846 in Aachen, war 1868-72 Schüler des Kon-
servatoriums in Stuttgart, wurde 1873 Lehrer an
dieser Anstalt und ist seit 1885 Musikrcferent und
Redacteur des litterar. Teils am "Hamburgischen
Correspondenten". Von S.s Schriften seien ge-
nannt: "Kompendium der Geschickte der Kirchen-
musik" (1. Bd., Stuttg. 1881), "Zur Einführung
in die Ästhetik und Geschichte der Musik" (ebd.
1885), "Jongleurs und Menestrels" (Lpz. 1885),
"Studien und Charakteristiken" (3 Bde., Hamb.
1889), "Zur Geschichte der Musik und des Theaters
am württemb. Hofe von 1458 bis 1793" (2 Bde.,
Stuttg. 1890 -91), "Geschichte des Musik- und
Konzertwesens in Hamburg" (Altona 1890).
Sitte, im weitesten Sinne eine jede Art und
Weise des Thuns und Lassens, die innerhalb einer
menschlichen Gemeinschaft (besonders eines Volks
oder Voltsstammes) so zur festen Gewohnheit ge-
worden ist, daß jede Abweichung davon allgemeiner
Mißbilligung ausgesetzt ist. In verengter und ver-
tiefter Bedeutung heißt S. die Regelung des ganzen
menschlichen Verhaltens nach den eigenen innern
Gesetzen des Handelns, gemäß welchen sie als gut
oder böse, seinsollcnd oder nichtseinsollend be-
urteilt werden. Gewöhnlich gebraucht man für diese
engere Bedeutung den Ausdruck Sittlichkeit.
Das Gesetz des Handelns selbst heißt Sitteng esetz;
die dem Sittengesctz gemäße Handlungsweise sitt-
lich oder sittlich gut; die gedachte rein geistige
Gemeinschaft Aller, die dem Sittengesetz unter-
worfen sind, das Sittenreich oder die Sitten-
welt; die Lehre von den Gesetzen des Sittlichguten
Sittenlehre oder Ethik (s. d.).
Sitten, frz. Sion. 1) Bezirk im schweiz. Kanton
Wallis, bat 128,3 ykm und (1888) 9995 E., darun-
ter 327 Evangelische, in 7 Gemeinden. - 2) S.,
das 86äunum der Römer, Hauptstadt des Kantons
Wallis und des Bezirks S., an der Sionne, die in
einem gemauerten Bett durch die Stadt fließt und
unweit in die Rhone mündet, in 521 ni Höhe, an
der Linie Lausanne-Vrig der Iura-Simplonbahn,
hat (1888) 5513 E., darunter 321 Evangelische, Post
und Telegraph. In der eigentlichen Stadt, welche
mit ihren engen Straßen und massigen Patricier-
Häusern einen romantisch-mittelalterlichen Charakter
bewahrt hat, liegen die got. Kathedrale (15. Jahrh.)
mit roman. Turme (9. Jahrh.), sowie die zierliche
St. Theodulkirche und das altertümliche Rathaus,