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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Spanische Kreide; Spanische Kresse; Spanische Kunst

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Spanische Kreide - Spanische Kunst

narium), zu dessen Herstellung die grob gestoßenen Käfer mit Wachs, Terpentin und Öl verarbeitet werden und welches, messerrückendick auf Leinwand gestrichen und mit Heftpflaster auf der Haut befestigt, binnen 6 -12 Stunden eine Blase zieht; milder und langsamer wirkt das immerwährende Kantharidenpflaster (Emplastrum Cantharidum perpetuum), das durch Einmengen von 4 Teilen gepulverten S. F. und 1 Teil Euphorbiumpulver in einer Schmelze aus 14 Teilen Kolophonium, 10 Teilen gelbem Wachs, 7 Teilen Terpentin und 4 Teilen Talg bereitet wird. Ein feineres ist das Drouotsche Pflaster (Emplastrum vesicans Drouoti), das man durch Aufstreichen eines Auszugs der Käfer und der Seidelbastrinde mit Essigäther auf Englisches Pflaster bereitet. Gebräuchlich sind außerdem die Kantharidentinktur (ein alkoholischer Auszug), die Kantharidensalbe und das Kantharidenkollodium; die Pflaster, das Kollodium und die Tinktur werden angewendet, um Blasen zu ziehen, die Salbe, um lange Eiterung zu unterhalten. Die Tinktur benutzt man auch in stark verdünntem Zustande zur Beförderung des Haarwuchses. Innerlich wirken die Kanthariden sehr kräftig auf den Harn- und Geschlechtsapparat und können selbst Nierenentzündung bewirken; auch das Pflaster kann bei Personen mit zarter Haut ähnlich wirken wie nach innerlichem Gebrauche. Mißbräuchlicherweise werden die S. F. auch als Aphrodisiakum benutzt (s. Aphrodisiaka).

Spanische Kreide, s. Speckstein.

Spanische Kresse, Pflanzengattung, s. Tropaeolum.

Spanische Kunst. In der Kunst des mittelalterlichen Spaniens stehen die Erzeugnisse zweier dem Ursprung und Charakter nach verschiedenen Civilisationen, die der mohammed. Eroberer (s. Arabische Kunst, Islamitische Kunst) und die der christl. Reiche nebeneinander. Die Kunst der letztern ist durchaus abhängig von der der übrigen abendländ. Völker: Franzosen, Italiener, Niederländer und Deutschen. Die Einwirkung erfolgte durch Einwanderung und Berufung, Import der Werte, Studien der Spanier im Auslande und Nachahmung; nur ausnahmsweise, vornehmlich im 17. Jahrh., treten eigenartig nationale Schulen uns entgegen. (Hierzu die Tafeln: Spanische Kunst I-III. - Taf. I: Bildnerei. Taf. II. Baukunst. Taf. III. Malerei.)

I. Baukunst. Der von den Arabern ausgebildete Stil wurde in den eroberten Provinzen von christl. Mauren fortgeübt (Mudejarstil); er kommt an vielen Kirchen Andalusiens vor, an toledanischen Glockentürmen, am Sonnenthor und in den zwei ehemaligen Synagogen daselbst. Sein Hauptdenkmal ist der von Pedro de Grasana erneuerte Alcazar von Sevilla. Mit got. Bestandteilen gemischt, erscheint er in dem reichen Konziliensaal zu Alcala. Von westgot. Kirchen ist noch San Juan in Banos erhalten (von Receswinth). Die ältesten Bauten der christl. Reiche finden sich in Asturien (bei Oviedo zwei Kirchen von Ramiro I.), Leon und Catalonien. Ein Hauptwerk des romanischen Stils ist die der Kirche St. Sernin zu Toulouse nachgebildete Kathedrale von Santiago de Compostela (1078); später folgen die gewaltigen Bauten von Salamanca, Tarragona, Zamora. Die Anfänge des gotischen Stils brachten die Cistercienser; der nordfranz. Kathedralstil hielt seinen Einzug mit den beiden Kathedralen von Burgos (1221) und von Toledo (1227; s. Taf. II, Fig. 1). Erstere erhielt jedoch ihre jetzige malerische Gestalt mit den durchbrochenen Turmhelmen erst im 15. Jahrh. durch Hans von Köln (s. Taf. II, Fig. 3). Dem mittlern Stil gehört an die Kirche zu Leon (seit 1250). Die dem Flächenraum nach umfangreichste Kirche ist die von Sevilla (seit 1403). Eigentümliche Verhältnisse haben die Kirchen von Catalonien und Mallorca, sehr weit und kühn gewölbte Mittelschiffe: Palma, Barcelona (seit 1298), Manresa und besonders Gerona, wo die Abseiten durch Kapellen ersetzt sind; dort sind auch zwei stattliche Handelsbörsen (Palma und Valencia). In den Prachtbauten aus der Zeit Isabellas I. ist in der Ornamentik ein orient. Hauch erkennbar: Façaden von San Pablo und San Gregorio zu Valladolid, die Kirche zu Villena, San Juan de los Reyes zu Toledo. Noch im 16. Jahrh. wurden im Spitzbogenstil die Dome von Salamanca und Segovia (s. Taf. II, Fig. 4) unternommen. Der ital. Renaissancestil (Platereskenstil, s. d.) fand um die Wende des 15. Jahrh. zuerst als prächtiges Dekorationsmittel Eingang. Das Kolleg von Sta. Cruz zu Valladolid (1492) und das Hospital desselben Namens zu Toledo (1507) von Enrique de Egas sind die frühesten Werke. Es folgte das Rathaus zu Sevilla (s. Taf. II, Fig. 7), der Alcazar zu Toledo, das Kolleg von San Ildefonso und der Palast des Kardinals zu Alcala. Salamanca, die alte Universitätsstadt, nimmt den ersten Platz ein in Palästen und Kollegien dieses Stils; ein Juwel ist die Façade der Universität (s. Taf. II, Fig. 6). Der genialste Architekt Spaniens, ebenso kühn in Erfindung und Konstruktion wie malerisch phantasievoll in Ornamentik, war Diego de Siloe, der Erbauer der Kathedralen von Granada und Malaga; ihm schloß sich an Valdelvira, der die von Jaen begann. Unter Philipp II. wandte sich die Baukunst einem strengen, kahlen, der Ornamentik abgeneigten Stil zu, dessen weltberühmtes Denkmal der 1563-84 erbaute Escorial (s. d. und Taf. II, Fig. 8) ist. Die Kathedrale von Valladolid blieb unvollendet. Der Barockstil fiel in die Zeit des Niedergangs des Staates; seine schönsten Werke sind unter andern die Kathedrale zu Saragossa (s. Taf. II, Fig. 5), das Rathaus zu Salamanca (s. Taf. II, Fig. 9) und die Façaden der Kathedralen von Santiago und Murcia. Um die Mitte des 18. Jahrh. erstand der mächtige, im Renaissancestil aufgeführte königl. Palast zu Madrid (s. Taf. II, Fig. 2). Die in wüste Überladung ausartende Ornamentik knüpft sich an den Namen des Churriguera (s. Churrigueresk).

II. Bildnerei. Die span. Skulptur im Mittelalter läuft in ihren Stilwandlungen ebenfalls der der nördl. Länder parallel; denn das Land empfing von dort mit den Architekten auch die Bildhauer, so daß der Anteil von Fremden und Einheimischen in dem reichen Denkmälerschatz schwer zu sondern ist. Die seit dem 9. Jahrh. sichtbaren Versuche in der Bildnerei sind noch halbbarbarisch; Aufschwung im Schaffen kam erst in der Spätzeit des 12. Jahrh., das Goldene Thor von Santiago (1188) ist das erste große Werk. Die Kathedrale von Tarragona besitzt Proben fast aller Stilformen von der altchristl. Zeit bis in die Barockzeit; die Kathedrale von Burgos ist reich an Arbeiten got. Stils, auf sie folgen Toledo und Leon. In Catalonien und Valencia bemerkt man neben dem franz. Einfluß den der lombard. und Pisaner Schule. (S. Taf. I, Fig. 1.) Seit dem 15. Jahrh. trat das niederländ. und niederdeutsche Element auf den Schauplatz.