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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spannungsirresein - Spargel

Die dritte Art von Gewebespannungen ist auch ziemlich häufig. Hauptsächlich tritt sie an Früchten mit Verbreitungseinrichtungen auf. (S. Aussaat.)

Die Gewebespannungen spielen eine äußerst wichtige Rolle in allen Entwicklungsstadien der Pflanzen: bei allen heliotropischen und geotropischen Krümmungen, bei allen Zuwachsbewegungen, beim Keimen der Samen, bei den Reizbewegungen, wie z. B. bei den Bewegungen der reizbaren Blätter der Mimose (s. d.), treten Gewebespannungen oft in ganz beträchtlicher Stärke auf. Die Gewebespannungen ermöglichen ferner das Vordringen der Wurzeln im Boden, ja selbst das Auseinandersprengen von festen Gesteinsmassen infolge des Dickenwachstums der in kleine Risse eingedrungenen Wurzeln.

Die Spannungen, die bei der Quellung und dem Wachstum der einzelnen Zellmembranen oder der Stärkekörner auftreten, gehören nicht hierher, da von einer Gewebespannnng bei einer einzelnen Zellmembran oder bei einem Stärkekorn nicht die Rede sein kann. (S. Imbibition und Wachstum.)

Spannungsirresein, s. Katatonie.

Spannungsmesser, s. Meßinstrumente, elektrotechnische.

Spannungsregulator, Regulator zur Konstanterhaltung der Klemmenspannnng einer Dynamomaschine. (S. Regulatoren, elektrotechnische.)

Spannungsreihe, s. Galvanismus; elektrochemische S., s. Elektrochemische Theorie.

Spannungswecker, s. Meßinstrumente, elektrotechnische.

Spannweite, Spannung, bei einem Bogen, einer Brücke, einem Träger u. s. w. die Länge der überbrückten (überspannten) Öffnung, gemessen zwischen den Mitten der die Öffnung begrenzenden Stützen (Widerlager).

Spannwerke, s. Gesperre.

Spansau, s. Schweine.

Spanten, die Rippen des Schiffskörpers innerhalb der Planken (s. d.) oder Außenhautplatten. Sie werden auf den Kiel (s. d.) aufgesetzt, bestehen bei hölzernen Schiffen aus gekrümmten zusammengesetzten Balken, Wrangen genannt, deren Form dem Spantenriß (s. Schiffbaukunst) entspricht. Die S. des Hecks heißen Kantspanten, das letzte Spant wird Randsomholz genannt. Bei Kriegsschiffen werden die Zwischenräume der S. unter der Wasserlinie mit Füllholzern ausgefüllt und deren Fugen durch Kalfatern (s. d.) gedichtet. Bei eisernen Schiffen sind die S. aus je zwei (Zförmig liegenden) Winkeleisen gebildet; außer den Querspanten (senkrecht zum Kiel) sind hier häufig, um dem Schiffskörper größere Steifigkeit gegen Durchbiegen zu geben, Längsspanten (parallel dem Kiel) angebracht. Ebenfalls ein Längsspant ist der Panzerträger, auf dem die untersten Panzerplatten etwa bis 2 m unter der Wasserlinie ruhen. Nullspant ist das die größte Fläche einschließende Spant; dieser Fläche ist der Widerstand des Wassers bei der Vorwärtsbewegung des Schiffs proportional. Bei Panzerschiffen und alten hölzernen Segelschiffen ist das Nullspant Uförmig, bei Klippern, Avisos und solchen Dampfern, die große Geschwindigkeit erzielen sollen, halbkreis- bis Vförmig. Erstere Art von Schiffen nennt man vollgebaut, letztere scharfgebaut.

Spantenriß, s. Schiffbaukunst.

Sparassis crispa, Ziegenbart, Pilzart, s. Olavaria.

Sparbecken, s. Schleuse.

Sparbutter, s. Kunstbutter.

Spardorf, Vergnügungsort bei Erlangen (s. d.).

Spareimer, s. Feuerlöscher.

Spargel (Asparagus officinalis L.), eine Gemüsepflanze aus der Gattung Asparagus (s. d.), deren junge Sprossen (Stangen, Pfeifen) eine wohlschmeckende, leicht verdauliche, wegen ihres reichen Stickstoffgehalts nahrhafte, durch das in ihnen enthaltene Asparagin heilkräftige Speise abgeben (s. Tafel: Gemüse IV, Fig. 10). Aus ihm sind in langjähriger Kultur mehrere Varietäten hervorgegangen, der Erfurter Riesenspargel, der S. von Argenteuil, der amerik. Kolossal, der gelbe Burgunder u. a. Man zieht ihn aus Samen, den man in Furchen sät, die 15 cm voneinander entfernt und 3 cm tief sind. Zum guten Gedeihen verlangt der S. einen lockern, leichten bis mittelschweren Boden, der im Herbst vorher 50-60 cm tief rigolt und im Frühjahr unmittelbar vor der Pflanzung möglichst reichlich mit etwas verrottetem Dünger gedüngt worden ist. Man wendet entweder die ein- oder zweireihige Pflanzung auf 1 m breiten Beeten oder die vereinfachte Lhéraultsche Kulturmethode an. Bei letzterer kommen die Pflanzen in Reihen von 1,20 m Weite und in den Reihen in einer Entfernung von 0,90 bis 1 m zu stehen. An den vorher mit Stäbchen bezeichneten Pflanzstellen werden 20 cm tiefe und 30 cm weite Pflanzlöcher gemacht, inmitten welcher die Pflanzen auf einen kleinen Hügel gesetzt und mit Kompost bedeckt werden. Hierbei ist darauf zu achten, daß die Wurzeln nach allen Seiten gleichmäßig ausgebreitet werden. Zur Anlage benutzt man nur einjährige Pflanzen, die jedoch gesund, kräftig und unbeschädigt sein sollen. Im ersten Jahre werden die Pflanzen nnr 6-8 cm hoch mit Boden bedeckt. Die jungen Triebe werden an Stäbe angebunden und im übrigen die Pflanzen durch Lockern und Reinhalten der Beete gepflegt. Im Herbst, nach dem Abschneiden der Stengel, wird die Pflanzung mit kurzem verrottetem Dünger bedeckt (Kopfdüngung), welcher im folgenden Frühjahr mit untergegraben wird. Die Behandlung der Pflanzen im zweiten Jahre ist ähnlich wie im ersten Jahre, ohne daß die Pflanzen etwa weiter erheblich mit Erde bedeckt werden. Im Herbst wird jedesmal eine entsprechend reiche Kopfdüngung angewendet. Im dritten Frühjahr nach der Pflanzung beginnt die Ernte des S. (Mai bis Juni). Zum Stechen des S. bedient man sich eines Spargelmessers (s. Tafel: Gartengeräte, Fig. 13). Es werden nun 30 cm hohe Hügel oder zusammenhängende Erdbänke über den Pflanzen aufgeworfen, in denen die jungen Stengel emporwachsen können. Nachdem diese Erhöhungen im Herbst wieder auseinander gezogen worden sind, bekommen die Pflanzen reichlich Kopfdüngung. Für die Anlage auf zweireihigen erhöhten Beeten, die in Gegenden mit schweren und nahrhaften Bodenarten, besonders in Braunschweig, einem der Hauptsitze des Spargelbaues, angewendet wird, teilt man 1 m breite, durch 50 cm breite Wege getrennte Beete ab, setzt die Pflanzen auf diese in zwei Reihen in 50-60 cm voneinander entfernte, 20-30 cm tiefe Pflanzlöcher und erhöht im dritten Jahre die Beete durch Auswerfen des Bodens aus den Wegen. Für die einreihige Beetkultur, die besonders bei Berlin und andern Gegenden mit leichtem Sandboden betrieben wird, wirft man 1 m voneinander entfernte, 20-30 cm tiefe Gräben aus, in die die Pflanzen auf 50-60 cm Entfernung zu stehen kommen. Die Erde aus den