Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stadel; Staden in Hessen; Stadera; Stadion; Stadium

226

Stadel - Stadium

größern Kompositionen, unter denen sich Sinfonien, Ouvertüren und Schauspielmusiken befinden, sind nur einige Psalmen gedruckt. Bekannter sind seine Lieder, von denen "Auf den Bergen die Burgen" volkstümlich geworden ist. Mit von Liliencron gab S. eine Sammlung von "Liedern und Sprüchen aus der letzten Zeit des Minnesangs" (Wenn. 1854) heraus; auch durch die Bearbeitung Händelscher und Bachscher Sonaten hat er sich verdient gemacht.

Stadel, metallurgische Einrichtung zum Rösten von Eisen- und Kupfererzen (s. Eisenerzeugung I, A); auch süddeutsch für Scheune.

Staden in Hessen, Stadt im Kreis Friedberg der hess. Provinz Oberhessen, an der Nidda, hat (1895) 382 E., Postagentur, Fernsprechverbindung, evang. Kirche, Schloß, Mineralquelle und Weinbau.

Stadera, griech. Gewicht, s. Oka.

Stadion (grch.), s. Stadium.

Stadion, uraltes Geschlecht, aus Graubünden stammend, wo sich noch die Trümmer der Stammburg Stadion ob Küblis finden. In Schwaben baute es das neue Schloß Stategun (ursprünglicher Name des Geschlechts) bei Munderkingen an der Donau. Walther und Ludwig von Stategun werden zur Zeit des letzten Hohenstaufen erwähnt. - Durch Walther von S. dachten die Habsburger das Glarnerland zu unterwerfen; doch Walther fiel 1388 in dem Kampfe bei Näfels und mit ihm blieben fast alle seine Ritter. Walthers Sohn oder Enkel, Eitel, hatte zwei Söhne, Konrad und Ludwig, von denen Ludwig die schwäb. (jüngere, 1693 erloschene) Linie des Hauses S. begründete, während Konrad der Stifter der ältern Linie wurde. Christoph von S., Bischof zu Augsburg (geb. 1478), ein edler Eiferer für die Reformation der Kirche, unermüdet im Bestreben der Versöhnung und Wiedervereinigung, war der Vertraute Karls V. und Ferdinands I., stand auch mit Erasmus und Melanchthon in Verkehr und starb 15. April 1543 auf dem Reichstag zu Nürnberg. Er wendete seinem Bruder Johann das Erbtruchsessenamt des Stifts Augsburg zu.

Des letztern Sohn war Johann Kaspar von S. (geb. 1567, gest. 1641), Hochmeister des Deutschen Ordens (seit 1627), österr. Hofkriegsratspräsident und Feldzeugmeister, der sich 1634 in der Schlacht bei Nördlingen auszeichnete. - Sein Enkel, der Kurmainzer Geheimrat und Kanzler Johann Philipp von S. (geb. 1652, gest. 1741), die Seele aller Reichsgeschäfte und noch im hohen Alter Botschafter bei der Wahl Karls VI. und Gesandter des Rheinischen Kreises beim Utrechter und Badener Friedenskongreß, wurde 1686 zum Freiherrn, 1705 zum Reichsgrafen erhoben und 1708 wegen der von den Grafen von Sinzendorf erkauften Herrschaft Thannhausen in das schwäb. Grafenkollegium eingeführt. - Seine beiden Söhne gründeten zwei Linien; Friedrich (geb. 1691, gest. 1768 als Geheimrat und Mainzer Konferenzminister) die Fridericianische, aus welcher die Grafen Johann Philipp und Friedrich Lothar (s. den folgenden Artikel) hervorgingen, und in der seit 1890 Graf Georg von S., geb. 1. Nov. 1844, das Haupt des Hauses ist; Graf Philipp von S. (geb. 1720, gest. 1785) die Philippinische Linie, deren jetziges Haupt, Graf Friedrich von S., geb. 13. Dez. 1817, erblicher Reichsrat der Krone Bayern ist.

Stadion, Johann Philipp Karl Joseph, Graf von, österr. Staatsmann, geb. 18. Juni 1763, wurde, nachdem er in Göttingen studiert hatte, 1787 kaiserl. Gesandter in Stockholm, 1790 in London. Durch eine Maßregel des Ministers Thugut verletzt, nahm er seine Entlassung und lebte 1794-1801 als Privatmann. Nach Thuguts Rücktritt wurde er zum Gesandten in Berlin ernannt, wo er viel dazu beitrug, die Spannung zwischen Österreich und Preußen zu heben. Als Botschafter in Petersburg seit 1804 schloß er die dritte Koalition gegen Frankreich und folgte dann dem Kaiser Alexander zur Armee. Nach dem Preßburger Frieden (26. Dez. 1805) erhielt er an Cobenzls Stelle das Ministerium des Auswärtigen. In dieser Stellung suchte er das Volksbewußtsein zu heben und eine freiere Richtung zur Geltung zu bringen. Der unglückliche Ausgang des Kampfes 1809, der auf sein Anraten unternommen worden war, nötigte ihn, seine Stellung dem Grafen Metternich zu überlassen. S. lebte nun einige Zeit in Prag und dann auf seinen böhm. Gütern, bis er 1813 wieder in den Staatsdienst berufen und nach dem Frieden als Finanzminister mit der Aufgabe der Herstellung der Finanzen betraut wurde. Er war bemüht, durch angemessene Institutionen dem Handelsverkehr eine belebtere Geldcirkulation zuzuwenden und den Staatskredit zu stärken, indem die Nationalbank und ein Tilgungsfonds errichtet, die Ausgaben beschränkt und die Steuerverfassung nach bessern Grundsätzen geregelt wurde. S. starb in der Nacht zum 15. Mai 1824 zu Baden bei Wien.

Sein älterer Bruder Friedrich Lothar, Graf von S., geb. 6. April 1761, wandte sich dem geistlichen Stande zu und wurde Domkapitular in Mainz und Würzburg, war auch einige Zeit Verweser der Erfurter Statthalterei, Kurator der würzburgischen Hochschule und 1798 würzburgischer Gesandter bei dem Kongreß zu Rastatt. Nach der Säkularisation trat er in österr. Staatsdienst und wurde zunächst kurböhm. Reichstagsgesandter zu Regensburg. Nach dem Preßburger Frieden (1805) erhielt er den Auftrag, die diplomat. Verhältnisse zwischen Osterreich und Bayern wiederherzustellen. Beim Ausbruch des Krieges 1809 wurde er als Generalintendant zum Hauptheer des Erzherzogs Karl berufen. Er zog sich nach dem Friedensschluß auf seine Güter in Böhmen zurück und starb 9. Dez. 1811 zu Chodenschloß. Seine "Berichte über die Beziehungen zwischen Österreich und Bayern 1807-9" gab Wertheimer (Wien 1881) heraus. Seinen Charakter veranschaulichen treffend die von Joh. von Müller herausgegebenen "Briefe zweier Domherren" (Franks. 1787).

Stadium (grch. Stadion), bei den Griechen die Rennbahn, in welcher die Wettläufe und die sonstigen gymnastischen Wettkämpfe bei den öffentlichen Festspielen (s. Agon) veranstaltet wurden. Man wählte zur Anlage einer solchen gern eine natürliche Einsenkung zwischen zwei Hügeln, deren die Langseiten der Bahn umschließende Abhänge mit Steinsitzen bedeckt wurden. Das obere (hintere) Ende der Bahn wurde durch halbkreisförmige Sitzreihen, auf denen die Kampfrichter und sonstige vornehme Personen saßen, das vordere durch Mauern, zwischen denen der Eingang sich öffnete, abgeschlossen. Wo keine dafür geeigneten Anhöhen vorhanden waren, ruhten die Sitze auf künstlich aufgeschütteten Erdwällen oder Mauerwerk. Es gab auch S. mit Sitzreihen nur an einer Langseite. Manche derartige Anlagen waren sehr kostbar und kunstreich. So war das S. in Messene an drei Seiten von Säulenhallen umgeben; die S. zu Athen und Delphi und