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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stauden - Stauffenberg

auch in Mauerwerk (Staumauer) ausgeführt und erreichen dann Höhen bis nahezu 100 m. Bei Erddämmen pflegte man früher zur Erhöhung der Wasserdichtigkeit inmitten des Dammes einen aus Thon und Steinen festgestampften Kern (Puddelkern) als senkrechte Wand hochzuführen (s. umstehende Fig. 1), während man neuerdings eine solche wasserdichte Schicht auf die vom Wasser getroffene Seite legt und sie mit einer in Mörtel verlegten Steinpackung bedeckt (Fig. 2). Höhere S. werden, obgleich die Kosten erheblich wachsen, in Stein ausgeführt. Den S. selbst oder auch die ganze Stauanlage bezeichnet man auch als Thalsperre (s. d.). Die Anlage von S. unterliegt der behördlichen Genehmigung (s. Wasserrecht).

Stauden, s. Perennierend.

Staudenbohne, s. Gartenbohne.

Staudenmaier, Franz Anton, kath. Theolog, geb. 11. Sept. 1800 zu Donzdorf in Württemberg, studierte in Tübingen, trat 1826 in das Priesterseminar zu Rottenburg, erhielt 1827 die Priesterweihe, wurde 1828 Repetent im Wilhelmsstift zu Tübingen, 1830 ord. Professor an der kath.-theol. Fakultät zu Gießen, 1837 in Freiburg i. Br., wo er 1843 auch zum Domkapitular ernannt wurde und 19. Jan. 1856 starb. S.s Streben galt der spekulativen Konstruktion des kath. Lehrsystems. Er schrieb: "Johannes Scotus Erigena und die Wissenschaften seiner Zeit" (Tl. 1, Frankf. 1834), "Encyklopädie der theol. Wissenschaften" (Mainz 1834), "Der Geist der göttlichen Offenbarung oder Wissenschaft der Geschichtsprincipien des Christentums" (Gieß. 1837; 7. Aufl., 2 Bde., 1866), "Die Philosophie des Christentums oder Metaphysik der Heiligen Schrift" (ebd. 1840), "Darstellung und Kritik des Hegelschen Systems" (Mainz 1844), "Die christl. Dogmatik" (4 Bde., Freib. i. Br. 1844-52), "Das Wesen der kath. Kirche" (2. Aufl., ebd. 1845), "Zum religiösen Frieden der Zukunft" (3 Bde., ebd. 1846-51; die beiden ersten Teile auch u. d. T. "Der Protestantismus in seinem Wesen und seiner Entwicklung").

Staudenpappel, s. Lavatera.

Staudenroggen, s. Roggen.

Staudigl, Joseph, Bassist, geb. 14. April 1807 in Wöllersdorf bei Wiener-Neustadt, wurde 1828 Chorist an der Hofoper in Wien und 1831 als Hofkapellsänger angestellt. Seitdem gehörte er der Hofoper bis 1854 an, ausgenommen die Zeit von 1845 bis 1848, während welcher er Regisseur am Theater an der Wien war. 1856 verfiel er in Wahnsinn und starb 28. März 1861. S. glänzte auch im Vortrag des Liedes und im Oratorium.

Staudt, Karl Georg Christian von, Mathematiker, geb. 23. Jan. 1798 zu Rothenburg a. d. Tauber, gest. 1. Juni 1867 zu Erlangen, wo er seit 1835 ord. Professor war. Er begann als Schüler von Gauß mit zahlentheoretischen Untersuchungen (Bernoullische Zahlen, Kreisteilung). In seiner "Geometrie der Lage" (Nürnb. 1847) vollzog er die Loslösung dieses Gebietes von allen metrischen Hilfsmitteln und entwickelte eine ganz neue Auffassung der imaginären Elemente in der Geometrie; auch finden sich hier die Ausgangspunkte für die graphische Statik.

Stauen, seemännischer Ausdruck für die richtige Lagerung der Schiffsladung, Ausrüstungsgegenstände u.s.w. (S. Ladung, seerechtlich.) Um gut zu segeln, muß das Schiff eine bestimmte Lage im Wasser einnehmen, die durch richtige Verteilung der Gewichte, nach einem vom Baumeister gegebenen Stauplan, erzielt wird. Liegt z. B. ein Schiff vorn zu tief, so ist es "luvgierig" (s. Gieren): liegt es hinten zu tief, so ist es "leegierig". Außerdem werden durch die Stauung die Stabilitätsverhältnisse bedingt. (S. Metacentrum.)

S. heißt auch die Zurückhaltung fließender Gewässer durch Schleusen, Dämme u. s. w.

Stauer, Leute, die das Stauen (s. d.) besorgen. (S. auch Stauer, Bd. 17.)

Stauerbaase, s. Stauer (Bd. 17).

Stauf, bayr. Marktflecken, s. Donaustauf.

Staufen, Großer, Berg, s. Merkur.

Staufen, Hoher, Berg, s. Hohenstaufen (Berg).

Staufen. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis Freiburg, hat (1895) 18 092 E. in 26 Gemeinden. - 2) Amtsstadt im Amtsbezirk S., am Flüßchen Neumagen und am Eingang des bad. Münsterthals, an der Nebenbahn Krozingen-Sulzburg, Sitz des Bezirksamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Freiburg), überragt von dem mit Wein bepflanzten Schloßberg (377 m) mit der Burgruine "Staufen", hat (1895) 1838 E., darunter 191 Evangelische, Post, Telegraph, kath. Kirche (1487) mit schönem got. Chor, spätgot. Rathaus, 1546 erbaut und 1890 renoviert, neues Amtsgericht, Bürgerschule, Wasserleitung, Spital, Bezirkssparkasse, Gewerbe- und Vorschußverein; drei Tuchfabriken, Gerbereien, Brauereien, Kunstmühlen, Fruchtmärkte, Weinbau und Weinhandel. Östlich der Stadt, auf dem Höhenzuge des Münsterthals, die Johannes-Eremitage (428 m), Reste des alten Schlosses Hartberg (680 m) und die Ruine der Regelsburg (774 m). - S., als Dorf 770, als Stadt 1341 zuerst erwähnt, war bis 1602 im Besitz der Freiherren von Staufen und gehörte nach deren Aussterben bis 1806 zu den vorderösterr. Landen. 1690 wurde S. von den Franzosen zerstört; am 24. Sept. 1848 fand hier ein Gefecht statt zwischen bad. Truppen und Freischärlern, in dem letztere unterlagen.

Staufenberg. 1) Stadt im Kreis Gießen der Hess. Provinz Oberhessen, hat (1895) 619 E., Post, Telegraph und eine Schloßruine. - 2) Schloß bei Durbach (s. d.).

Staufenberg, Ritter Peter von S., der Held eines an die Melusinensage erinnernden Märchens, das um 1300 von Egenolt in Reimpaaren behandelt wurde (hg. von Schröder, Zwei altdeutsche Rittermären, Berl. 1894). Die Sage klingt noch in Fouqués "Undine" nach.

Staufer, s. Hohenstaufen (Fürstengeschlecht).

Stauffen, Hoher, s. Hohenstaufen (Berg).

Stauffenberg, Franz Aug., Freiherr Schenk von, Parlamentarier, geb. 3. Aug. 1834 in Würzburg, studierte daselbst und in Heidelberg die Rechtswissenschaft, wurde 1863 Staatsanwalt in Augsburg, verließ aber 1866 den Staatsdienst und lebte seitdem auf seinen Gütern Geißlingen bei Balingen (in Württemberg) und Rißtissen (in Oberschwaben), während des Winters in München. S. war seit 1868 Mitglied des Zollparlaments, 1871-93 Mitglied des Reichstags. Als hervorragendes Mitglied der nationalliberalen Partei war er seit 1876 erster Vicepräsident des Reichstags. 1879 legte er mit Forckenbeck das Präsidium nieder, trat im folgenden Jahre aus der nationalliberalen Partei aus und schloß sich der Liberalen Vereinigung, 1884 mit dieser der deutschfreisinnigen Partei an. In den letzten Jahren zog sich S. zum Teil aus Kränklichkeit, zum Teil aus Unbehagen über die scharfe Zu-^[folgende Seite]