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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Steel Yard; Steele; Steen; Steenbergen; Steendysser; Steenkerke; Steenstr; Steenstrup; Steenwijk

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Steele (Sir Richard) - Steenwijk

wird. Östlich von S., von diesem durch den Ruhrbruchmühlenbach getrennt, liegen die sog. märkischen Gemeinden (Königssteele, Horst, Freisenbruch).

Steele (spr. stihl), Sir Richard, engl. Essayist, geb. 12. März 1671 zu Dublin, besuchte die Charterhouseschule in London, wo er mit Addison Freundschaft schloß. 1692 ging er nach Oxford und trat nach einigen Jahren als Freiwilliger in die Leibgarde. In einem Anflug von Reue über seine ausschweifende Lebensweise schrieb er einen Aufsatz u. d. T. "The christian hero". 1702 trat er mit Erfolg als Lustspieldichter auf mit "The funeral; or, grief à la mode"; 1703 folgte "The lying lover" und 1705 "The tender husband". Erst 1722 betrat er noch einmal die Bühne mit dem besten seiner Stücke, "The conscious lovers". 1709 begann er die Herausgabe des "Tatler", eine Zeitschrift, die Skizzen, Erzählungen, moralische Betrachtungen u. dgl. brachte. Der "Tatler", der 1711 aufhörte, fand ungemeinen Beifall; noch mehr der "Spectator", der, mit Addison herausgegeben, zu acht Bänden anwuchs. Auf diesen folgte 1713 der nur wenige Monate erscheinende "Guardian". Für alle drei Zeitschriften lieferte S. 510, Addison 369 Aufsätze, die sich, abgesehen von ihrem sonstigen Wert, durch Reinheit, Eleganz und Korrektheit der Schreibart empfahlen und als Muster galten. 1714 erschienen fast gleichzeitig zwei Zeitschriften: "The Lover" und die rein politische gegen das Toryblatt "The Examiner" Swifts gerichtete "The Englishman", die jedoch nur kurze Zeit bestanden. 1710 erhielt S. eine Anstellung beim Stempelamte, die er auch unter den Tories bis 1713 behielt. Von da an gehörte er zur Opposition. Er ließ sich auch ins Parlament wählen, das ihn aber als Verfasser aufrührerischer Schriften ausstieß. Unter Georg I. wurde er Oberstallmeister zu Hamptoncourt und trat wieder ins Parlament. Zugleich wurde er zum Ritter geschlagen und 1717 als Kommissar zur Übernahme der eingezogenen Güter nach Schottland gesandt. S. zerfiel aber bald wieder mit dem Ministerium, selbst mit seinem Freunde Addison und zog sich nach seinem Land gute Llangunnor bei Caermarthen zurück, wo er 1. Sept. 1729 starb. Sein zuerst 1787 herausgegebener Briefwechsel stellt seinen Charakter in ein vorteilhaftes Licht. Eine eingehende Charakteristik S.s giebt Thackeray in seinen "Lectures on the English houmorists" (Lond. 1851). - Vgl. Montgomery, Life of S. (Edinb. 1869); Hartmann, S. als Dramatiker (Königsb. 1880); Aitken, Life of R. S. (2 Bde., Lond. 1889).

Steel Yard (engl.), s. Stahlhof.

Steen, Jan, Holland. Maler, geb. um 1626 zu Leiden, gest. daselbst im Febr. 1679, war der Sohn eines Bierbrauers, wurde Schüler Adriaen van Ostades und später J. van Goyens. Eine Zeit lang gab er die Malerei auf, errichtete eine Bierbrauerei in Delft und später eine Schankwirtschaft in Leiden. Die Scenen, welche er hier sah, gab er mit großer Kunst und schärfstem Humor auf der Leinwand wieder. Keiner seiner Zeitgenossen hat ihn an Unbefangenheit des Ausdrucks und Schärfe der Beobachtung übertroffen. Zu seinen bekanntesten Gemälden gehören: Das Austernfest (die Familie des Meisters darstellend), Das Bohnenkönigsfest (Galerie zu Cassel), Der Heiratskontrakt (Museum in Braunschweig; s. Tafel: Niederländische Kunst VI, Fig. 5), Krankes Mädchen und Arzt (Amsterdam, Gemäldegalerie), Hochzeit zu Kana (Brüssel, Palais Arenberg, und Dresdener Galerie), Schlägerei zwischen Kartenspielern in einer Schenke (Münchener Pinakothek), Das Bild des menschlichen Lebens vom Kinde bis zum Greise. Seine Zeichnungen sind selten; ein Sackpfeifer und das Dorffest mit Kegelspiel gehören zu den vorzüglichsten. Auch ätzte S. einige Blätter, die äußerst selten sind.

Sein Sohn Dirk S. machte sich als Bildhauer einen Namen; sein Selbstporträt findet sich in verschiedenen Sammlungen. - Neuere Biographen nehmen noch einen Jan S. an, der zu Alkmaar ähnliche Stoffe malte, aber später lebte, und dessen Werke denen des berühmten Jan S. nicht gleichkommen. - Vgl. Van Westrheene, J. S., étude sur l'art en Hollande (Haag 1856); Rosenberg, Terborch und Jan S. (Bielef. 1897).

Steenbergen, Stadt in der niederländ. Provinz Nordbrabant, durch das Vliet mit der Krammer, der Fortsetzung des Hollandsch-Diep, und durch Dampftrambahn mit Breda verbunden, hat 7016 E. und Krappindustrie.

Steendysser (dän., "Steintische"), soviel wie Dolmen (s. d.).

Steenkerke, belg. Dorf in der Provinz Hennegau, an der Senne, bekannt durch den Sieg der Franzosen unter dem Marschall von Luxemburg über das 75 000 Mann starke span.-holländ.-deutsche Heer Wilhelms III. von England, 3. Aug. 1692.

Steenstr., hinter lat. Tiernamen Abkürzung für Johannes Iapetus Smith Steenstrup.

Steenstrup, Johannes Iapetus Smith, dän. Naturforscher, geb. 8. März 1813 zu Vang in Norwegen, war Lektor der Mineralogie in Sorö bis 1845, dann Professor der Zoologie und Direktor des Zoologischen Museums in Kopenhagen, wurde 1867 Staatsrat und privatisierte seit 1885. Er starb 20. Juni 1897 zu Kopenhagen. S. bereiste verschiedentlich Island. Von seinen zahlreichen Werken und Abhandlungen, namentlich aus dem Gebiete der Zoologie und Urgeschichte, sind hervorzuheben seine Arbeit "Über den Generationswechsel" (deutsch von Lorenzen, Kopenh. 1842), seine Untersuchungen über die sog. Kjökkenmöddinger (ebd. 1886), die archäol. Untersuchung über die nordischen Brakteaten: "Yak-Lungta bracteaterne" (ebd. 1892), und über die prähistor. Fauna und Flora Dänemarks.

Sein Sohn Johannes, Historiker, geb. 5. Dez. 1844 m Sorö, ist seit 1877 Professor der nordischen Geschichte und Altertumskunde an der Kopenhagener Universität. Von seinen Arbeiten sind hervorzuheben: "Studier over Kong Valdemars Jordebog" (Kopenh. 1873), das vortreffliche Werk "Normannerne" (4 Bde., ebd. 1876-82), "Historieskrivningen i Danmark i det 19. Aarhundrede" (ebd. 1889) und die bahnbrechenden Untersuchungen über die dän. Volkslieder "Vore Folkeviser fra Middelalderen" (ebd. 1891).

Steenwijk (spr. -weik), Stadt in der niederländ. Provinz Oberyssel, an der Bahnlinie Meppel-Leeuwarden, hat 5445 E., die hauptsächlich vom Landbau leben. Der Ort, früher eine bedeutende Festung, ist bekannt durch die von Johann van den Corput geleitete Verteidigung gegen die span. Truppen 1581. Es gelang den Spaniern 1582, sich der Stadt zu bemächtigen; doch schon 1592 ward sie von Moritz von Oranien ihnen entrissen. Der nahe Ort Steenwijkerwold hat 6085 E.

Steenwijk (spr. -weik), Hendrik van, der Ältere, niederländ. Maler, geb. um 1550 zu Steenwijk, war ein Schüler seines in der Malerei und