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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Steeple chase; Steerthamen; Steeten; Stefan; Stefaniesee; Steffani; Steffeck; Steffenhagen; Steffens

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Steeple chase - Steffens

Baukunst sehr unterrichteten Vaters und des Hans Fredeman, genannt de Vries. Wegen der Kriegsunruhen ging er 1579 nach Frankfurt a. M. und starb daselbst um 1603. Er malte Architekturstücke und besonders innere Ansichten got. Kirchen mit vorzüglicher Kenntnis des Helldunkels. Seine oft durch Fackel- oder Kerzenlicht beleuchteten Gebäude sind fleißig, mit leichtem Pinsel gemalt und oft durch Figuren von Jan Brueghel und andern berühmten Meistern geziert.

Sein Sohn und Schüler Hendrik S., der Jüngere, geb. 1580, zeichnete sich in gleichen Darstellungen aus und übertraf nicht selten seinen Vater. Durch seinen Freund Ant. van Dyck, zu dessen Gemälden er sehr oft die architektonischen und perspektivischen Hintergründe malte, bewogen, ging er 1629 nach England, wo er sein Glück machte. Er starb nach 1649 in London. Gemälde von ihm befinden sich in Wien, Dresden, Madrid.

Steeple chase (engl., spr. stihpl tschehs), Kirchturmrennen, s. Hindernisrennen.

Steerthamen (niederdeutsch), s. Netzfischerei.

Steeten, auch Steeden, Dorf im Oberlahnkreis des preuß. Reg.-Bez. Wiesbaden, rechts von der Lahn, an der Nebenlinie Dehrn-Heckholzhausen der Kerkerbachbahn, hat (1895) 652 E., darunter 22 Katholiken, Kalkbrennerei und eine Dolomithöhle.

Stefan, Joseph, Physiker, geb. 24. März 1835 zu St. Peter bei Klagenfurt in Kärnten, bezog 1853 die Universität Wien und habilitierte sich 1858 als Privatdocent der mathem. Physik. 1863 wurde er zum ord. Professor der Physik, 1866 zum Direktor des physik. Instituts der Wiener Universität ernannt; 1865 wurde er zum wirklichen Mitgliede der Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt und 1875-85 war er Sekretär der mathem.-naturwissenschaftlichen Klasse derselben. Er starb 7. Jan. 1893 zu Wien. Seine teils mathematischen, teils experimentellen Arbeiten sind meist in den "Sitzungsberichten" der Wiener Akademie erschienen. Hervorzuheben sind die Untersuchungen über die Interferenz und Doppelbrechung des Lichts, über die Diffusion und die Wärmeleitung der Gase, über die Verdampfung und ihren Zusammenhang mit der Diffusion, über die Auflösung, über die Theorie der Eisbildung, über das Gesetz der Abhängigkeit der Wärmestrahlung von der Temperatur, über die Gesetze der elektrodynamischen Erscheinungen und der Induktion, über thermomagnetische Motoren, über elektrische Schwingungen. - Vgl. Obermayer, Zur Erinnerung an Jos. S. (Wien 1893).

Stefaniesee, Basso Ebor ("Weißes Wasser"), See im äquatorialen Ostafrika, südlich von Abessinien (zwischen 4. und 5.° nördl. Br. und 37° östl. L. von Greenwich), 558 m ü. d. M., ist 930 qkm groß, 22-24 km breit, 80 km lang, bittersalzig, wird von drei Seiten von Bergen umschlossen und erhält von Norden den Galana Amara als Zufluß. Teleki und Höhnel (s. d.) entdeckten ihn im Frühjahr 1888.

Steffani, Agostino, ital. Tonsetzer und Staatsmann, geb. 1655 zu Castelfranco im Venetianischen, wurde in München erzogen, komponierte schon früh Kirchenwerke und Opern, letztere namentlich für Hannover, wo er seit 1688 Kapellmeister war und die Musik in große Blüte brachte. Seine ital. Opern, die am Hofe zu Herrenhausen im Garten mit vieler Pracht zur Aufführung kamen, wurden ins Deutsche übersetzt und in den J. 1690-1700 auf dem Operntheater in Hamburg gegeben. Seine Hauptwerke sind aber Kammerduette zu ital. Texten, von welchen über hundert erhalten sind, in denen er die größte Kunst des Tonsatzes mit einer gesangreichen und tief ausdruckvollen Melodie vereinigt hat. S. gehörte selbst zu den besten Sängern damaliger Zeit. Seine Kammerduette sind das höchste Muster ihrer Gattung. Vom Kurfürsten von der Pfalz zum Geheimrat, vom Papst zum Bischof von Spiga ernannt, widmete sich S. später öffentlich nur noch staatswissenschaftlichen und geistlichen Geschäften, ohne sich jedoch der Musik zu entfremden. Er starb 1730 zu Frankfurt a. M. Die 1710 in London gestiftete berühmte Konzertgesellschaft Academy of ancient music wählte ihn, in Rücksicht auf seine Verdienste und seine große musikalische Autorität, zu ihrem lebenslänglichen Präsidenten. Seine Kompositionen sind in der Bibliothek der Königin von England in schönen Handschriften erhalten, aber es ist wenig davon gedruckt. Eine kleine Schrift: "Quanta certezza habbia da suoi principii la musica" (Hannov. 1694), die er zur Verteidigung der Musik schrieb, wurde von Werckmeister übersetzt (Quedlinb. 1700). - Val. Chrysanders Werk über G. F. Händel (3 Bde., Lpz. 1858-63).

Steffeck, Karl, Maler, geb. 4. April 1818 zu Berlin, wo er an der Akademie unter Krüger und Begas seine Ausbildung erhielt. In Paris setzte er 1839 seine Studien unter Delaroche und Horace Vernet fort und verweilte 1840-42 in Italien. Nach Berlin zurückgekehrt, bethätigte er sich im Genre-, im historischen und im Bildnisfache, insbesondere aber in Sportbildern, so daß er lange Zeit als der erste Pferdemaler Berlins galt. Die Berliner Nationalgalerie besitzt sein erstes Historienbild: Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg im Kampfe mit den Nürnbergern 1450 (1848). Zwei Jahrzehnte vergingen dann mit Genre-, Sport- und Tiermalerei. So: Die spielenden Hunde (1850; Berliner Nationalgalerie), Arbeitspferde (1852), Hallali (1862). Der Deutsch-Österreichische Krieg veranlaßte dann wieder ein histor. Bild: König Wilhelm auf dem Schlachtfelde von Königgrätz (1867; königl. Schloß in Berlin), welchem aber abermals Pferde- und andere Tierstücke folgten: Pferdekoppel (1870), Wochenvisite (1872), Wettrennen (1874), Reitende Zigeunerknaben (1876), Mutterstute mit Fohlen (1877; Nationalgalerie zu Berlin), Flüchtige Rehe (1883). Die Ausmalung des Berliner Zeughauses ließ S. wieder als Historienmaler sich bethätigen; so führte er 1884 dort das Wandgemälde aus: Übergabe des Briefes Napoleons III. durch General Reille an König Wilhelm bei Sedan. Auch das Bildnis pflegte S. mit Erfolg: Kaiser Wilhelm und Kaiser Friedrich, Feldmarschall Manteuffel und der Physiker Neumann in Königsberg (1886; Nationalgalerie in Berlin); außerdem ist hervorzuheben: Königin Luise mit ihren Söhnen im Park von Hohenzieritz (1886; Museum in Breslau). Seit 1880 wirkte S. als Direktor der Akademie zu Königsberg und starb 11. Juli 1890.

Steffenhagen, Emil Julius Hugo, Rechtshistoriker, s. Bd. 17.

Steffens, Henrich, Philosoph, Naturforscher und Dichter, geb. 2. Mar 1773 zu Stavanger in Norwegen, kam mit seinen Eltern 1787 nach Kopenhagen. 1790 bezog er die Universität und studierte anfangs Theologie, später Naturwissenschaften. 1796 ging er nach Kiel. Hier hielt er Vorlesungen über Naturgeschichte und gab zugleich Privatunter-^[folgende Seite]