Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

292

Steinbock - Steinbrück

Steinbock, eine Unterabteilung der Gattung Ziege. Die zu ihr gehörigen Tiere leben meistens in rauhen Schneegebirgen und zeichnen sich durch gewaltige, mit mehr oder weniger starken Wülsten versehene, auf dem Querschnitte quadratische, gebogene, nicht zusammengedrückte Hörner vor den eigentlichen Ziegen aus.

Die bekannteste Art ist der Alpensteinbock (Capra ibex L., s. Tafel: Ziegen I, Fig. 2). Die Hörner sind schwach gebogen, vierkantig, etwas sichelförmig gekrümmt; von der Basis an auseinander gehend, nähern sie sich wieder mit den Spitzen. Jedes Jahresglied, vom zweiten an gerechnet, ist vorn mit zwei stark hervortretenden Querwülsten besetzt, die in der Mitte der Hornlänge am stärksten sind und gegen die Spitze zu immer schwächer werden. Man hat Steinbockhörner, die bis 1 m lang sind und bis 16 kg wiegen. Die Hörner der Steingeiß sind um ein Bedeutendes kürzer und schmächtiger und von der Seite etwas zusammengedrückt. Der Alpensteinbock hat keinen Bart, sondern nur etwas verlängerte Kinn- und Kehlhaare. Die Behaarung des Körpers ist rauh, dicht, im Winter mit einer sehr starken Grundwolle. Die Färbung ist im Sommer rötlichgrau, im Winter fahlgrau; über den Rücken verläuft ein hellbrauner Längsstreifen. Die Füße sind plump, können aber eine fast unglaubliche Sprungfähigkeit entwickeln. In frühern Jahrhunderten war der S. in den Centralalpen ziemlich häufig, gegenwärtig ist er daselbst fast ganz verschwunden und kommt nur noch in versprengten einzelnen Exemplaren oder schwachen Rudeln vor; in größerer Anzahl findet er sich, dank der Fürsorge des Königs Victor Emanuel II. von Italien, noch in der Grajischen Alpenkette in den Gebirgsstöcken der Thäler Cogne, Savaranche, Grisanche (am Pic de Grivola, Gombe de Lila, Granval, La Rossa, Point de l'Oeuil), wo nach ungefährer Schätzung 4-500 Stück Steinwild leben. Ein ausgewachsener S. hat ungefähr 1,3 m Leibeslänge, 0,80 bis 0,85 m Höhe und erreicht ein Gewicht von 80 bis 110 kg. Das Fleisch des Steinwildes ist schmackhaft. Man findet den S. häufig als Wappentier schweiz. Adelsgeschlechter.

In Europa kommt noch eine Steinbockart in den Gebirgen Westspaniens von den Pyrenäen bis zur Sierra Redonda, mit schraubenförmig gewundenen Hörnern und einem ziemlich starken Barte (Capra hispanica Schimper), eine andere auf der Insel Kreta sowie auf mehrern andern Inseln des Mittelländischen Meers (auch in den Gebirgen Kleinasiens und Persiens) vor, mit stark gebogenen, sichelförmigen Hörnern und einem starken Barte (Capra Beden Forskål). Von außereuropäischen S. sind zu erwähnen der kaukasische mit schraubenförmig gewundenen Hörnern und kurzem Barte (Capra caucasica Güldenstädt) und der sibirische mit stark gebogenen, sichelförmigen Hörnern und langem Barte (Capra sibirica Pallas). Die S. zeugen mit der Hausziege fruchtbare Bastarde.

Steinbock (Capricornus), das zehnte Zeichen des Tierkreises (s. d.), von 270 bis 300° Länge reichend und mit ^[img] bezeichnet. Das Sternbild S. gehört dem südl. Himmel an; es enthält einen Doppelstern, α, den ein scharfes Auge als solchen erkennen kann, dessen beide Komponenten aber wiederum teleskopische Doppelsterne bilden. (S. die Sternkarte des südlichen Himmels, beim Artikel Sternkarten.)

Steinbockhorn, Berg, s. Dent Blanche.

Steinbrand, Pflanzenkrankheit, s. Brand (des Getreides).

Steinbrech, Pflanzengattung, s. Saxifraga.

Steinbrech-Blutströpfchen, Schmetterling, s. Bärspinner.

Steinbrecher, Brechmaschine oder Backenquetsche, eine Maschine zum groben Zerkleinern fester und spröder Materialien (Erz, Basalt, Kalkstein, Quarz, Kohle u. s. w.), in welcher die Arbeitsstücke zwischen zwei geneigt zu einander gestellten, gerippten und durch einen geeigneten Mechanismus in rasche Schwingung versetzten Stahl- oder Hartgußplatten (Brechbacken) zermalmt oder zerquetscht werden. Nach der ursprünglichen, auch jetzt noch viel verbreiteten Konstruktion des Amerikaners Blake, welche die nachstehende Figur veranschaulicht, ist der eine Backen, a, an dem Maschinengestell befestigt, während der andere, b, an einer horizontalen Achse c hängende durch ein Kurbel- und Kniehebelgetriebe d, e bewegt wird, so daß bei der gegenseitigen Näherung der beiden Backen zwischen demselben liegende Werkstücke zermalmt werden und die Teilstücke das Brechmaul an der untern engsten Stelle verlassen. Der gegenseitige Abstand der untern Backenkanten, der durch Verstellung des den Kniehebel e stützenden Keiles f verändert werden kann, bestimmt also die Maximalgröße der Teilstücke.

^[Abb.]

Steinbruchs-Berufsgenossenschaft für das Gebiet des Deutschen Reichs. Sitz ist Berlin, Sitz der 10 Sektionen: Nürnberg, Karlsruhe, Mainz, Köln a. Rh., Hagen i. Westf., Halle a. S., Dresden-Altstadt, Breslau, Hannover und Berlin. Ende 1895 bestanden 15 830 Betriebe mit 228 000 versicherten Personen, deren anzurechnende Jahreslöhne 81 876 327 M. betrugen. Die Jahreseinnahmen beliefen sich auf 2 199 779 M., die Ausgaben auf 1 774 753 M., der Reservefonds (Ende 1895) auf 4 929 304 M. Entschädigt wurden (1895) 1354 Unfälle (5,94 auf 1000 versicherte Personen), darunter 171 Unfälle mit tödlichem Ausgang, 18 mit völliger Erwerbsunfähigkeit. Die Summe der gezahlten Entschädigungen, einschließlich der Renten für Unfälle aus frühern Jahren, belief sich 1895 auf 1 324 233 M. (S. Berufsgenossenschaft.)

Steinbrück, Eduard, Maler, geb. 3. Mai 1803 in Magdeburg, widmete sich anfangs dem kaufmännischen Beruf, ging aber 1829 nach Düsseldorf, wo sich sein künstlerisches Talent bald entfaltete. Mit Vorliebe schuf er Darstellungen aus dem romantischen Märchen und der Kinderidylle. Die besten von seinen Bildern, die durch Lithographien