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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Steinpappe - Steinschneidekunst

steinschnitt oder die Lithotomie (lithotomia oder cystotomia), wobei man von außen her mit dem Messer die Harnblase öffnet, um die Steine auszuziehen. Die Häufigkeit der Steinkrankheit erzeugte die Idee dieser Operation schon im hohen Altertum, und bei den alten Ägyptern gab es eine Klasse Menschen, welche die Ausführung dieser Operation zu einem besondern Gewerbe machten. Die Araber wie die Ärzte des Mittelalters überhaupt scheinen sie wieder den besonders darauf eingeübten Steinschneidern überlassen zu haben, bis im 16. und 17. Jahrh. durch Pierre Franco, Frère Jacques, Chefelden und Frère Cosme Methode und Technik der Operation wesentlich verbessert wurden. Einer der Hauptunterschiede zwischen den verschiedenen Methoden liegt in dem Orte des Einschnitts in die Harnblase, der sowohl von der vordern Fläche des Unterleibes (hoher Steinschnitt) als auch von dem untersten Teile desselben, dem Mittelfleische aus (Seitensteinschnitt), oder endlich durch den Mastdarm gemacht werden kann.

Gegenwärtig wird vorzugsweise der hohe Steinschnitt mit bestem Erfolg ausgeführt. Eine andere Methode ist ferner die von Civiale in Paris seit 1823 geübte Lithotritie, Lithotripsie oder Lithothlibie, die Steinzertrümmerung, bei der der Stein in der Blase mit einem durch die Harnröhre eingeführten katheterförmigen Instrument gefaßt und durch Schraubendruck zermalmt wird. Das Instrument (Steinbrecher, Lithotriptor) ist so eingerichtet, daß die Blase selbst bei dieser Operation nicht verletzt wird. Die Bruchstücke des Steins werden durch Ausspülung der Harnblase mit lauwarmem sterilisiertem Wasser entfernt. - Vgl. Thompson, Die Krankheiten der Harnwege (deutsch, Münch. 1889); ders., Lithotomie und Lithotripsie (deutsch, Cass. 1883).

Steinpappe, soviel wie Dachpappe (s. d.); auch eine Art Papiermaché (s. d.).

Steinpicker, Fisch, s. Tangmaus (Bd. 17).

Steinpilz, auch Herrenpilz oder Edelpilz, Boletus edŭlis L. (s. Tafel: Pilze I. Eßbare Pilze, Fig. 8), ein sich vor verwandten giftigen oder verdächtigen Arten durch den auffallend dicken, weißen, dichtfaserigen Stiel und die graugrünlichen Röhren der untern Hutseite auszeichnender Pilz. Der Hut ist anfangs fast halbkugelig, später konvex, nicht viel breiter, bisweilen sogar schmäler als der Stiel und oberseits mattlederbraun. Der S. hat angenehmen Geruch und das rohe, nicht milchende Fleisch milden Geschmack. Er wird gekocht, gebraten und gebacken sowie auch in Essig gelegt gegessen und wächst in ganz Mittel- und Nordeuropa in lichten Laub- und Nadelwäldern auf mit Moos, Heidekraut oder Gras überzogenen Stellen, wo er sich vom Frühling bis zum Herbst, besonders aber von Mitte Juli bis September, zumal bei feuchter Witterung, in großer Menge findet.

Steinpitzger, Fisch, s. Schmerlen.

Steinpleis, Dorf in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Zwickau, an der Pleiße, hat (1895) 3212 E., darunter 37 Katholiken, Postagentur, Fernsprechverbindung, evang. Kirche; Vigognespinnerei, Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen und Kunstwolle sowie bedeutende Färberei. Zu S. gehören die Rittergüter Ober-, Nieder-Steinpleis und Weißenbrunn.

Steinpocken, s. Pocken.

Steinradenberg, s. Balve.

Steinrötel, Vogel, s. Drossel.

Steinsalz, das natürliche Chlornatrium (s. d.), krystallisiert im regulären System, namentlich in Würfeln mit ausgezeichneter kubischer Spaltbarkeit, ist jedoch meist derb, selten von blätteriger, stängeliger, faseriger oder körniger Struktur, durchsichtig und farblos, seltener weiß, rot, gelb, grün oder blau. Die Härte des S. ist 2, das spec. Gewicht 2,1 bis 2,2; es ist von allen Körpern am meisten diatherman; 1 Teil S. löst sich in etwa 2,8 Teilen Wasser und zwar in warmem nicht besser als in kaltem. Das S. ist in der Natur weit verbreitet und zum Teil in riesigen Lagerstätten angehäuft, so in Staßfurt, Aschersleben (s. Schmidtmannshall), Leopoldshall, Erfurt, Sperenberg, Rappenau (Baden), im südl. Bayern, in Württemberg, Lothringen, zu Wieliczka und Bochnia in Galizien, im Salzkammergut, zu Hall in Tirol u. a. (S. auch Bergbau.) Das S. wird gesprengt und teils in Stücken, teils gemahlen als Fabrik-, Krystall- und Tafelsalz benutzt. Es kommt, nachdem es mit Wermutkrautpulver und Eisenoxyd, auch Holzkohlenpulver gemischt worden, als Viehsalz in den Handel. Die größten Mengen werden in der Industrie zur Soda- und Seifenfabrikation und zur Gerberei verwendet. Zur Denaturation dienen Thran und Kienruß, auch Eisenoxyd. Über Ausbeute von S. in einzelnen Ländern s. den Abschnitt Bergbau, Salinen- und Hüttenwesen bei den Artikeln: Deutschland (und Deutsches Reich), Österreichisch-Ungarische Monarchie, Frankreich, Großbritannien und Irland.

Steinsame, Pflanzengattung, s. Lithospermum.

Steinsänger, soviel wie Steinschmätzer, s. Schmätzer.

Steinsarg, s. Sarkophag.

Steinsberg, ein Gipfel des Eulengebirges (s.d.).

Steinschleiferei, die Bearbeitung der Bau-, Ornament- und Edelsteine mit härtern Schleif- und Poliermitteln, nachdem sie durch Sägen und Spalten in die gewünschte Form gebracht worden sind. Die Gilde der Schleifer teilt sich in Steinschneider, welche die minder wertvollen weichern Steine schneiden, erhaben oder vertieft bearbeiten und polieren, und in die eigentlichen Edelsteinschleifer. Letztere arbeiten mit feinern Instrumenten, härterm Material und verstehen kunstgerechte Schliffformen herzustellen. An gewissen Orten wird die S. fabriksmäßig betrieben, so die von Diamanten besonders in Amsterdam, von andern Edelsteinen im franz. Jura, von Halbedelsteinen und Achaten in Oberstein und Waldkirch, von Pyrop in Turnau (Böhmen), von Malachit in Katharinenburg. (S. auch Edelsteinschleiferei.)

Steinschloß, Feuersteinschloß, s. Handfeuerwaffen.

Steinschmätzer, s. Schmätzer.

Steinschneidekunst, Glyptik, Gemmoglyptik, die Fertigkeit, aus Edelsteinen oder Halbedelsteinen, Muscheln, Glas u. a. in erhabener oder vertiefter Arbeit Kunstwerke, meist kleinen Maßstabes, hervorzubringen. An Schönheit und Vollkommenheit der Zeichnung wie der Ausführung stellt sich die S. der großen Skulptur würdig zur Seite. Ihre Aufgabe erstreckt sich sowohl auf die Anfertigung von geschnittenen Steinen (Gemmen, s. d., Kameen u. dgl.) als auch auf die Verzierung von Gefäßen aus dem angeführten Stoff mit geschnittenen Bildwerken; beide Behandlungsweisen fielen in der Blütezeit der S. im klassischen Altertum wie in der Renaissance meist zusammen, ebenso waren Technik und Künstler dieselben. Die S. wurde bereits in den ältesten Zeiten geübt; so vorzugsweise von den