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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stephan

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Stephan (König von England) - Stephan (Heinrich von)

S. V. (VI.) (885-891), ein Römer, hatte ohne die Bestätigung Kaiser Karls des Dicken die Weihe erhalten, wußte sich aber zu behaupten, auch als Karl ihn deshalb absetzen wollte. In dem Kampfe der Herzöge Guido von Spoleto und Berengar I. (s. d.) von Friaul um die ital. Krone begünstigte und krönte er Guido.

S. VI. (VII.) (896-897) ließ den Leichnam seines Vorgängers Formosus ausgraben und in den Tiber werfen, wurde dann aber von seinen Gegnern gefangen genommen und im Kerker erdrosselt.

S. VII. (VIII.) (929-931), ein Römer, stand unter dem Weiberregiment der Theodora und Marozia.

S. VIII. (IX.) (939-942), ein Verwandter Kaiser Ottos I., war ohne Bedeutung.

S. IX. (X.) (1057-58), vorher Friedrich, ein Bruder des Herzogs Gottfried von Lothringen, war Bischof von Lüttich, dann Mönch in Monte-Cassino und Kardinal, stand ganz unter dem Einfluß Hildebrands (des spätern Gregor VII.) und ließ die Römer schwören, die Papstwahl, falls er während Hildebrands Aufenthalt in Deutschland sterben sollte, bis zu dessen Rückkehr aufzuschieben. In seine Zeit fällt die große Trennung der griech. Kirche von der römischen. (S. Griechische Kirche.) - Vgl. J. Wattendorf, Papst S. IX. (X.) (Paderb. 1883)-. U. Robert, Un pape belge; histoire du pape Étienne X (Brüss. 1892).

Stephan von Blois, König von England (1135-54), war durch seine Mutter ein Enkel Wilhelms des Eroberers und behauptete nach dem Tode König Heinrichs I. (1135) gegenüber dessen zur Erbin bestimmten und Geoffrey von Anjou vermählten Tochter Mathilde (s. d.) die Herrschaft. Eine Erhebung der Barone, die von den Schotten unterstützt wurde, unterdrückte er und erfocht in der "Standartenschlacht" bei North-Allerton (1138) einen glänzenden Sieg. Aber für die Dauer zeigte er nicht die Herrschertüchtigkeit seiner Vorgänger, vor allem ließ er eine neue Machterhebung der großen Barone geschehen; unter ihnen bildete sich eine starke Partei für Mathildens Ansprüche. Jahrelang verwüsteten seit 1140 Bürgerkriege das Land, bis zwischen S. und Mathildens Sohn Heinrich der Vertrag von Wallingford zu stande kam (1153), nach dem S. die Krone behielt, aber Heinrich zum Nachfolger erkor. S. starb schon 25. Okt. 1154.

Stephan, Franz Victor, Erzherzog von Österreich, Sohn des Erzherzogs Joseph, geb. 14. Sept. 1817, wurde 1843 Civilgouverneur von Böhmen, 1847 Palatin von Ungarn. Nach Ausbruch der Revolution legte er 24. Sept. 1848 seine Stelle nieder und lebte seitdem auf seinen Gütern in Nassau. Er starb 19. Febr. 1867 in Mentone. - Vgl. Erzherzog S. Victor von Österreich (Wiesb. 1868); Briefe des Erzherzogs S. an Wilhelm Haidinger. 1850-66 (Wien 1897).

Stephan Bathory, König von Polen, s. Bathory.

Stephan Duschan, Zar von Serbien, geb. um 1308, gelangte unter seinem Vater König S. Urosch III. 1321 als Mitregent zur Regierung, zeichnete sich durch Tapferkeit in Kriegen gegen Bosnien und Bulgarien aus, verwaltete die Zeta mit der Residenz in Skutari und wurde 1331 von einer Adelspartei, die seinen Vater erdrosseln ließ, als alleiniger König auf den Thron erhoben. Anfangs verlor er die Küste zwischen Ragusa und Narenta an die Bosnier, wobei er Stagno 1333 an Ragusa verkaufte. Seit 1342 benutzte er die Wirren im Byzantinischen Reiche, unterstützte zuerst den Kaiser Johannes VI. Kantakuzenos, später den Kaiser Johannes V. Paläologos und eroberte Südmacedonien (außer Thessalonich) und Albanien, 1348 auch Epirus und Thessalien. Am Ostertag 1346 ließ er sich in Skopje zum "Kaiser (Zar) der Serben und Griechen" krönen, nachdem er das serb. Erzbistum zum Patriarchat erhoben hatte. Ein Zug gegen Bosnien 1350 war vergeblich, dagegen behauptete er Belgrad gegen die Ungarn. Mit Venedig und Bulgarien stand er in guten Beziehungen, und zur innern Organisation seines Reichs erließ er 1349 ein Gesetzbuch (hg. von Novaković, Belgrad 1870; Zigel, Petersb. 1872; Florinskij, Kiew 1888). Zar S. starb 20. Dez. 1355.

Stephan, Name von fünf Königen von Ungarn aus dem Geschlecht Arpáds (s. d.):

S. I., der Heilige (997-1038), der erste König von Ungarn, der Sohn des Herzogs Geisa, wurde 995 angeblich von Adalbert, dem Bischof von Prag, getauft. In demselben Jahre vermählte er sich mit der bayr. Herzogstochter Gisela, in deren Begleitung zahlreiche Deutsche nach Ungarn kamen. S. besiegte mit Hilfe dieser seine heidn. Widersacher und stiftete mehrere Bistümer und Klöster. Der Papst Sylvester II. bestätigte die kirchlichen Einrichtungen S.s und schickte ihm eine Königskrone, mit der er im J. 1001 gekrönt wurde. Auch seine weltliche Herrschaft erweiterte und befestigte S. durch siegreiche Kämpfe gegen widerspenstige Stammeshäuptlinge im Osten und Süden des Landes und führte eine geregelte polit. Organisation und Verwaltung (Komitate) ein, wobei ihm deutsche Einrichtungen als Muster vorschwebten. Er starb 1038 und wurde 1087 heilig gesprochen. Ungarn verehrt ihn als Landespatron, dessen Fest 20. Aug. gefeiert wird. Nach ihm werden Ungarn und seine Teile auch die "Länder der St. Stephanskrone" genannt.

S. II. (1116-31), der Sohn König Kolomans (s. d.), stürzte sich in Kriege mit seinen Nachbarn (Venedig, Böhmen, Österreich, Rußland und Byzanz) sowie in Kämpfe mit Aufständischen im Innern seines Reichs. S. starb im April 1131, nachdem er kurz vorher Mönch geworden war.

S. III. (1161-72), der Sohn König Geisas II., hatte gegen seinen Oheim S. IV., der vom byzant. Kaiser Manuel unterstützt wurde, heftige Thronkämpfe zu führen, in denen er beim Deutschen Kaiser und beim König von Böhmen Hilfe fand. Er starb 4. März 1172; sein Gegenkönig S. IV. war schon im April 1164 ebenfalls frühzeitig gestorben.

S. V. (1270 - 72), der Sohn König Belas IV., führte mit Ottokar von Böhmen einen unglücklichen Krieg und mußte sich zu einem drückenden Friedensschlüsse bequemen (2. Juli 1271). Er starb auf einem Feldzuge nach Serbien 1. Aug. 1272.

Stephan von Thiers, Stifter des Ordens von Grandmont (s. d.).

Stephan, Heinrich von, Staatssekretär des deutschen Reichspostamtes, geb. 7. Jan. 1831 zu Stolp als Sohn eines Handwerkers, besuchte das Gymnasium daselbst und trat dann in das Postfach ein. 1856 wurde er in das Generalpostamt zu Berlin berufen, 1858 zum Postrat, 1863 zum Oberpostrat befördert. Er arbeitete nun eine neue Dienstanweisung für die Oberpostdirektionen aus und wurde 1865 zum Geh. Postrat und vortragenden Rat, 1868 zum Geh. Oberpostrat ernannt. Auf dem Gebiete der internationalen Postreformen gelang es ihm, den Ideen von