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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sterigmen; Steril; Sterilisation; Sterilität; Sterkrade; Sterlet; Sterling; Stern

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Sterigmen - Stern (Adolf)

gewöhnlichen Papierstereotypie nur dadurch unterscheidet, daß die Matrize noch feucht von der Schriftform abgenommen, in einen Rahmen gespannt und in einem Trockenofen getrocknet wird. Eine Matrize, die sonst 15-20 Minuten zum Trocknen braucht, ist auf diese Weise in 5-8 Minuten gußfertig, und ein Hauptvorteil ist der, daß das Schriftmaterial keiner Hitze ausgesetzt wird und somit nicht leidet. Für S. von Accidenzen und bessere Werke ist jedoch die Kaltstereotypie nicht anwendbar, da die Matern durch das freie Trocknen nicht die volle Schärfe behalten. Zur Herstellung von Matrizen feinerer Holzschnitte eignet sich die Papierstereotypie nicht; dazu dient die Galvanoplastik (s. d.). (S. auch Clichieren.)

Schon zu Ende des 17. Jahrh. versuchten van der May und der deutsche Prediger Johannes Müller in Leiden, dann 1725 Ged in Edinburgh und Tilloch und Foulis in Glasgow das Stereotypieren; doch beschränkte sich ihr Verfahren darauf, die Lettern zusammenzulöten. Die heutige Gestalt hat die Gipsstereotypie durch den Grafen Stanhope in England 1804 erfahren, die Papierstereotypie wurde von Genoux in Paris erfunden. Firmin Didot in Paris ließ Typen aus Hartmetall gießen und in weiche Bleiplatten abdrücken, diese benutzte er dann als Matrize für den Guß der erhabenen Platte. Das Resultat war jedoch unbefriedigend. - Vgl. Isermann, Anleitung zur Stereotypgießerei (3. Aufl., Lpz. 1894); Röder, Die S. (ebd. 1885); Bock, Die Papierstereotypie (ebd. 1886); Kempe, Wegweiser durch die S. und Galvanoplastik (ebd. 1888).

Sterigmen (grch.), s. Basidiomyceten.

Steril (lat.), unfruchtbar, dürr; sterilisieren, unfruchtbar machen (s. Sterilisation).

Sterilisation (lat.), Unfruchtbarmachung; in der Bakteriologie die den Kulturversuchen von Mikroorganismen vorhergehende Freimachung der Instrumente, Gerätschaften und Nährflüssigkeiten von entwicklungsfähigen Pilzen und Pilzkeimen. (S. Bakteriologie.) Auch die Konservierung (s. d.) von Nahrungsmitteln, sofern sie auf der Vernichtung oder Beseitigung der in ihnen schon vorhandenen oder etwa später an sie gelangenden Mikroorganismen beruht, ist eine S. Die Mittel der S. sind 1) trockne Hitze (½ stündiges Erhitzen der betreffenden Gegenstände in Luft von 150-160° C.); 2) feuchte Hitze (Kochen oder Erhitzen in Wasserdampf von 100° ohne oder mit Spannung bei gesteigerter Temperatur während einiger Stunden); niedrigere Hitzegrade müssen viel länger einwirken oder sind wiederholt anzuwenden (Pasteurisieren, s. d.); 3) Filtration durch keimfreie Filtervorrichtungen (Wattebäuschchen, bei Flüssigkeiten Kieselgur- oder Porzellanerdefilter); 4) chemisch wirkende Mittel (Salicylsäure, Chloroform, Formaldehyd u. s. w.). Die anzuwendenden Mittel richten sich nach der zu sterilisierenden Substanz. Über S. der Milch s. Milchkonservierung.

Sterilität (lat.), Unfruchtbarkeit (s. d.).

Sterkrade, Dorf im Kreis Ruhrort des preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, an den Linien Oberhausen-S.-Wanne (28,1 km), S.-Ruhrort (10,3 km) und S.-Wesel (22,4 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 11 333 E., darunter etwa 2500 Evangelische und 30 Israeliten, kath. und evang. Kirche, kath. Krankenhaus, Johanniter-Kranken- und Siechenhaus; ein großes Eisenwerk (Maschinen- und Brückenbauwerkstätte, Dampfhammer, Dampfkessel- und Kettenschmiede, Gießerei) der "Guten Hoffnungshütte, Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb zu Oberhausen". Diesem Werke, einem der ältesten auf dem Kontinent, 1808 gegründet, verdankt S. seine jetzige Ausdehnung. Außerdem bestehen Eisengießerei, Ziegeleien, Brennerei, Brauerei, Dampfmahl- und Dampfsägemühle sowie Viehzucht.

Sterlet, Fischgattung, s. Stör.

Sterling, kleine, im 13. und 14. Jahrh. verbreitete engl. Silbermünze. Der Name Easterling, d. h. Münze vom Osten, rührt daher, daß sie zuerst von Münzmeistern geprägt wurde, die Ende des 12. Jahrh. aus dem Osten (Deutschland oder den Niederlanden) zur Verbesserung der engl. Münzen berufen wurden. Die Easterlinge, später S. genannt, wurden im nördl. Frankreich, in den Niederlanden, am Rhein und in Westfalen nachgeahmt. Eine andere Erklärung leitet das Wort S. von Star (Stern) ab, weil die Münzen ein Kreuz mit 4 Sceptern trugen, was einem Stern sehr ähnlich sah. Der Name hat sich in dem "Pfund Sterling" (s.d.; frz. Livre Sterling; ital. Lira sterlina oder Lira inglese) erhalten. (S. auch Sovereign.) Im Handel mit Silberwaren spricht man auch von Sterlingsilber im Sinne von Standardsilber (s. Standard) und im Gegensatz zu unechten Fabrikaten, wie Alfenide.

Stern, Himmelskörper, s. Sterne. S. als Orden s. Sternorden. S. ist auch Bezeichnung für das krystallinische Gefüge des Antimons (s. d.). Der hintere Teil des Schiffs wird zuweilen S. genannt.

Stern, Adolf, ursprünglich Adolf Ernst, Dichter und Literarhistoriker, geb. 14. Juni 1835 zu Leipzig, studierte daselbst und in Jena Philosophie, Philologie und Geschichte, ließ sich 1865 in Dresden nieder und gab hier die "Bibliothek der Litteratur des 18. Jahrh." (Berl. 1866-67) heraus. Er ward 1868 zum außerord., 1869 zum ord. Professor der Litteraturgeschichte am Polytechnikum in Dresden ernannt. Von ihm erschienen "Gedichte" (Lpz. 1870 u. ö.), das Epos "Johannes Guttenberg" (ebd. 1873), das erzählende Gedicht "Wolfgangs Römerfahrt" (ebd. 1895), die Novellensammlungen "Am Königssee" (ebd. 1863), "Histor. Novellen" (ebd. 1866), "Neue Novellen" (ebd. 1875), "Aus dunkeln Tagen" (ebd. 1879), "Venet. Novellen" (ebd. 1886), "Auf der Reise" (Dresd. 1890); die Romane "Die letzten Humanisten" (Lpz. 1880 u. ö.), "Ohne Ideale" (ebd. 1882), "Camoëns" (ebd. 1886). Auf litterarhistor. Gebiete sind seine Hauptwerke die "Geschichte der neuern Litteratur" (7 Bde., Lpz. 1882-85) und die "Geschichte der Weltlitteratur" (Stuttg. 1889). Ferner sind zu nennen "Aus dem 18. Jahrh. Biogr. Bilder und Skizzen" (Berl. 1874), "Katechismus der allgemeinen Litteraturgeschichte" (Lpz. 1874; 3. Aufl. 1892), "Zur Litteratur der Gegenwart" (ebd. 1880), die Biographien "Hermann Hettner" (ebd. 1885) und "Otto Ludwig, ein Dichterleben" (ebd. 1890), "Beiträge zur Litteraturgeschichte des 17. und 18. Jahrh." (ebd. 1893), "Studien zur Litteratur der Gegenwart" (Dresd. 1895). Auch besorgte er Ausgaben von den Werken Hauffs, Herders, Ch. G. und Th. Körners, Goethes (Auswahl), O. Ludwigs und die neuen Auflagen von Vilmars "Geschichte der deutschen Nationallitteratur", die er in dem Hefte "Die deutsche Nationallitteratur vom Tode Goethes bis zur Gegenwart" (3. Aufl., Marb. 1894) fortsetzte. - Seine Gattin ist seit 1881 die Pianistin Margarete S., geborene Herr, geb. 25. Nov. 1857 in Dresden, Schülerin von Liszt und Klara Schumann.