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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stern; Sterna; Sternaichungen; Sternalgie; Sternanis; Sternäpfel; Sternb; Sternbedeckungen; Sternberg

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Stern (Alfred) - Sternberg (Adelsgeschlecht)

Stern, Alfred, Historiker, geb. 22. Nov. 1846 zu Göttingen, studierte in Heidelberg, Göttingen und Berlin, hatte dann eine Anstellung am bad. General-Landesarchiv in Karlsruhe, war 1872-73 Docent der Geschichte in Göttingen, wurde 1873 Professor der Geschichte in Bern, 1887 am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Er schrieb: "Über die zwölf Artikel der Bauern und einige andere Aktenstücke aus der Bewegung von 1525" (Lpz. 1868; Ergänzungen dazu in den "Forschungen zur deutschen Geschichte", Bd. 12,1872), "Briefe engl. Flüchtlinge in der Schweiz" (Gött. 1874), "Milton und seine Zeit" (2 Bde., Lpz. 1877-79), "Geschichte der Revolution in England" (in Onckens "Allgemeiner Geschichte in Einzeldarstellungen", Berl. 1881), "Abhandlungen und Aktenstücke zur Geschichte der preuß. Reformzeit 1807-15" (Lpz. 1885), "Baseler Chroniken" (mit W. Vischer, Bd. 1, ebd. 1872), "Das Leben Mirabeaus" (2 Bde., Berl. 1889) und "Geschichte Europas seit den Verträgen von 1815 bis zum Frankfurter Frieden von 1871" (Bd. 1 u. 2, ebd. 1894 u. 1897).

Stern, Daniel, Pseudonym von Marie Catherine Sophie de Flavigny, Gräfin d'Agoult (s. d.).

Stern, Karl, Pseudonym von Julia Daudet, der Gattin von Alphonse Daudet (s. d.).

Sterna, Mövengattung, s. Seeschwalbe; S. caspia, s. Raubseeschwalbe.

Sternaichungen, Schätzungen der Sternfülle an verschiedenen Stellen des Himmels. Die S. sind zuerst von W. Herschel mit einem Teleskop von 46 cm Öffnung in der Art ausgeführt worden, daß er einfach alle in einem bestimmten Teil des Himmels sichtbaren Sterne zählte. Die S. dienen dazu, die Verteilung der Sterne am Himmel festzustellen, um auf Grund derselben Schlüsse über den Aufbau unsers gesamten Fixsternhimmels ziehen zu können. Aus Herschels S. berechnete W. Struve die Gesamtzahl der mit dem großen Herschelschen Teleskop überhaupt sichtbaren Sterne auf über 20 Millionen.

Sternalgie (grch.), Schmerz am Brustbein.

Sternanis (Fructus s. Semen Anisi stellati), die aus acht sternförmig ausgebreiteten rostbraunen runzeligen Karpellen bestehende Frucht des Sternanisbaums (s. Illicium). Der Import erfolgt in Kisten zu 60 kg Inhalt von Hong-kong. Der S. kostet (1895) im Großhandel 3 M. das Kilogramm. Er darf nicht verwechselt werden mit den ihm sehr ähnlichen, aber völlig geruchlosen Sikkimifrüchten (von Illicium religiosum Sieb et Zucc.).

Sternäpfel, s. Chrysophyllum.

Sternb., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Kaspar Maria Graf von Sternberg (s. Sternberg, Adelsgeschlecht).

Sternbedeckungen, s. Bedeckung (astron.).

Sternberg. 1) S. in Mecklenburg, Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, an dem von der Mildenitz durchflossenen Sternberger See (4 km lang, 3 km breit) und umgeben von zahlreichen andern Seen, an der Nebenlinie Wismar-Karow der Mecklenb. Friedrich-Franz-Bahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Güstrow), hat (1895) 2590 E., alte Stadtkirche, Georgskapelle, schönes Rathaus, private höhere Mädchenschule, Bürger- und Gewerbeschule, reiches Hospital, Vorschußverein, städtische Sparkasse; Faßdaubenfabrik, Dampfmolkerei, Sägewerk und Wassermühlen. Um 1250 gegründet und im Mittelalter fürstl. Residenz, ist S. jetzt abwechselnd mit Malchin Sitz des Mecklenburger Landtags. - 2) S. in der Neumark, Stadt im Kreis Oststernberg des preuß. Reg.-Bez. Frankfurt, an der Eilang, in 112 m Höhe, an der Linie Frankfurt a. O.-Posen der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 1595 E., darunter 24 Katholiken und 24 Israeliten, Post, Telegraph; Ofenfabriken, Ackerbau, Viehzucht und Pferdemärkte. S. hat dem in der brandenb. Geschichte oft genannten "Lande S." den Namen gegeben, das um 1270 von den Markgrafen von Brandenburg erworben und später zur Neumark gerechnet wurde. Das Land E., die ehemals südpreuß. Enklave Schermeisel, die eingezogenen Johannitergüter Sonnenburg, Lagow u. s. w. bilden die Kreise Weststernberg (s. d.) und Oststernberg (s. d.). - Vgl. B. und W. Freier, Geschichte des Landes S. (Zielenzig 1888).

Sternberg. 1) Bezirkshauptmannschaft in Mähren, hat 753,96 qkm und (1890) 67 261 (31 418 männl., 35 843 weibl.) meist deutsche E. in 77 Gemeinden mit 99 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Hof, Liebau und S. - 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (313,05 qkm, 36 178 E.), an der Kaiserstraße nach Schlesien und den Linien Nezamyslitz-Olmütz-S. (54 km) der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn und S.-Hannsdorf-Ziegenhals (58 km) der Mährischen Grenzbahn, hat (1890) 2114, als Gemeinde 15395 deutsche E., schöne Pfarrkirche mit wertvollen Altarbildern, altes Schloß, Knaben- und Mädchenschulen, Webereifachschule, Landes-Ober- und Unterrealschule, Landes-Irrenanstalt; k. k. Tabaksfabrik, zwei mechan. Webereien, Baumwollindustrie, Leinen-, Seiden-, Baumwollwaren-, Segeltuch- und Ziegelfabrikation, Obst-, besonders Kirschenbau. Die hier und in der Umgegend erzeugten Leinen- und Baumwollzeuge sind unter dem Namen Sternberger Waren bekannt. (S. auch Sternberg, Geschlecht.) - Vgl. Stief, Geschichte der Stadt S. in Mähren (Sternberg 1894). - 3) Bad bei Schlan (s. d.) in Böhmen.

Sternberg, altes Adelsgeschlecht in Böhmen und Mähren. Der Stammsitz S. liegt an der Sazawa im Kreise Tabor. Berühmt ist Jaroslaw von S., der die Mongolen 21. Juni 1241 am Berge Hostein von Deutschlands Grenzen zurückschlug und vom König Wenzel I. von Böhmen mit einer Strecke Landes in Mähren beschenkt wurde; dort errichtete er 1246 die Feste S. und legte den Grund zur Stadt Sternberg (s. d.). 1661 erlangte das Haus den Reichsgrafenstand und teilte sich zu Anfang des 18. Jahrh. mit Franz Damian und Franz Leopold, Grafen von S., in zwei Linien, von denen die ältere Linie 1762 durch die Verheiratung Christians, Grafen von S., mit der Erbtochter des letzten Grafen von Manderscheid die unmittelbaren, in der Eifel gelegenen Herrschaften Manderscheid, Geroldstein und Kyll mit Sitz und Stimme im westfäl. Grafenkollegium erwarb und sich nun Sternberg-Manderscheid nannte. Sie wurde für die verlorenen Besitzungen im Reichsdeputationshauptschluß von 1803 mit den Abteien Weißenau und Schussenried entschädigt, die 1806 Württemberg untergeordnet und 1835 an dieses veräußert wurden. Dem Grafen Franz von S. (geb. 1763, gest. 1830), der sich als Numismatiker bekannt machte, folgte dessen Bruder Johann, Graf von S., gest. 1843, mit dem die ältere Linie im Mannsstamm erlosch. - Die jüngere Linie, Sternberg-Serowitz, besitzt die böhm. Herrschaften Serowitz und ererbte von der ältern Linie die böhm. Herrschaften Czastalowitz und Zasmuk. An ihrer Spitze steht der Graf Leopold von S., geb. 22. Dez. 1811, erbliches Mitglied des