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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stirnbein - Stobbe

samten Schädelinhalts, also beim Gesunden vom Gehirn, zum Teil aber auch von der Zeit, in der die Schädelknochen miteinander verwachsen. Verwachsen die Stirn- und Scheitelbeine frühzeitig, so bleibt die S. flach und niedrig; erfolgt dagegen die Verknöcherung der hintern Schädelnähte zeitiger, so kann sich die S. sehr stark entwickeln.

Unter normalen Verhältnissen entwickelt sich aber die S. dem Gehirn entsprechend, und da die vordere Hälfte des Gehirns der Sitz des geistigen Vermögens ist, gilt eine hohe, breite, stark nach vorn hervortretende S. (eine starke Entwicklung des Vorderhirns), die zugleich einen rechtwinkligen Gesichtswinkel nach Camper bewirkt, im allgemeinen als ein Zeichen großer geistiger Begabung. Diese Gestaltung findet sich z. B. bei den Köpfen von Schiller, Napoleon, Goethe u. s. w., bei der kaukas. Rasse überhaupt, und wurde von den griech. Künstlern dem Kopfe des Olympischen Zeus verliehen. Dagegen deutet, wenn auch nicht ausnahmslos, eine schräg nach hinten zurücktretende oder gleich von den Augenbrauen an sich abflachende S. auf einen Mangel höherer geistiger Gaben hin, und diese Bildung findet sich bei niedern Rassen sowie bei dem hirnarmen Kretin.

Stirnhöhlen (sinus frontales) heißen die von der Nasenhöhle aus sich in das Stirnbein (zwischen den Augenbrauen) mehr oder weniger tief hinein fortsetzenden lufthaltenden Höhlungen, die mit den Nasenhöhlen in Zusammenhang stehen und von einer feinen Schleimhaut ausgekleidet sind. Sie liegen zwischen der äußern und innern Knochentafel des Stirnbeins und sind bald ausgedehnt, bald klein (s. Tafel: Der Körper des Menschen, beim Artikel Mensch). In sie gelangen mitunter fremde Körper, z. B. Schnupftabak, lebende Tiere, oder es pflanzen sich benachbarte Krankheiten, wie besonders Nasenkatarrhe (Schnupfen) dahinein und verursachen eigentümlichen Stirnkopfschmerz in der Mitte des Vorderkopfes. Eine andere Art Stirnschmerz hat ihren Sitz in den oben erwähnten Stirnnerven, ist einseitig, auf eine Stirnhälfte beschränkt (Migräne, s. d.) und hat oft den periodischen Charakter der Neuralgien (s. d.).

Stirnbein, s. Stirn und Schädel.

Stirner, Max, eigentlich Kaspar Schmidt, philos. Schriftsteller, geb. 25. Okt. 1806 zu Bayreuth, studierte in Berlin, Erlangen und Königsberg erst Theologie, dann Philologie und war dann an höhern Lehranstalten in Berlin thätig. Später zog er sich ganz vom Lehrberufe zurück, um seinen Studien zu leben. Er starb 26. Juni 1856 zu Berlin. S.s Ruf gründet sich auf die Schrift "Der Einzige und sein Eigentum" (Lpz. 1845; neu hg. in Reclams "Universalbibliothek"), die er unter dem Pseudonym Max S. herausgab und die als das Äußerste gelten kann, was der Radikalismus jener Epoche an kühner und geistreicher Negation hervorgebracht hat. Sein philos. "Egoismus" ist die schärfste Ausprägung, die die Lehre von der Selbstherrlichkeit des Individuums je gefunden hat. (S. Anarchismus.) Die Schrift machte bei ihrem Erscheinen großes Aufsehen. Auch schrieb S. eine "Geschichte der Reaktion" (2 Tle., Berl. 1852) und übersetzte Says "Lehrbuch der praktischen polit. Ökonomie" (4 Bde., Lpz. 1845-46) und Smiths "Untersuchungen über den Nationalreichtum" (4 Bde., ebd. 1846).

Stirngrübler, Insekt, s. Nasenbremsen.

Stirnhammer, ein Daumenhammer (s. d.).

Stirnhöhlen, s. Stirn.

Stirnjoch, s. Anschirren.

Stirnkopfschmerz, s. Stirn.

Stirnkühler, mediz. Instrument, s. Kühlkompresse.

Stirnmauern, s. Kasematten.

Stirnräder, s. Zahnräder.

Stirnriemen, s. Kopfgestell.

Stirnvögel, s. Beutelstare.

Stirnzapfen, s. Geweih und Zapfen.

Stirum, s. Styrum.

Štitný oder von Štítné (spr. scht-), Thomas, Ritter, böhm. Philosoph und einer der Vorläufer des Huß, ward 1325 oder 1326 auf dem Stammsitz der Familie Štítné (Bezirk Pilgram im südl. Böhmen) geboren. Er studierte an der Universität Prag Philosophie, Theologie und kanonisches Recht. Zugleich wurde er ein eifriger Verehrer des Milicz (s. d.) und begann unter dessen Einfluß Abhandlungen zu schreiben, die sich meist mit christl. Philosophie und Ethik, aber auch z. B. mit dem Begriff der Schönheit beschäftigten und nach Inhalt und Form hervorragen. Um sie volkstümlich zu machen, bediente er sich seiner Muttersprache, des Czechischen. S. starb um 1404. Bisher wurden gegen 26 Traktate S.s gefunden und von Erben (Prag 1850; mit einer Biographie Š.s), Vrtátko (ebd. 1873) u. a. herausgegeben. - Vgl. auch J. Wenzig, Studien über Th. Ritter von Štitné (Lpz. 1856).

Stoa (grch.; lat. porticus, jede Säulenhalle, wie solche in fast allen altgriech. Städten, besonders an den Märkten, für Spaziergänge, gesellige Zusammenkunft und ähnliche Zwecke errichtet waren. Unter den zahlreichen derartigen Hallen Athens war die berühmteste die Poikile (s. d.), wo Zeno lehrte, weswegen S. auch für die Lehre der Stoiker (s. Stoicismus) gebraucht wird.

Stobäus, Johs., griech. Schriftsteller aus Stobi in Macedonien, lebte wahrscheinlich im 5. oder 6. Jahrh. n. Chr. und machte für seinen Sohn Septimius Auszüge, welche aus zum Teil verlorenen Werken von etwa 500 griech. Dichtern und Prosaikern herrühren und so für die Geschichte der alten Litteratur von großer Bedeutung sind. Dieses Werk wurde in zwei Teile getrennt, von denen der zweite den richtiger auch dem ganzen Werke beigelegten Titel "Authologion" (lat. "Florilegium"), d. i. Blumenlese, oder auch den Titel "Semones", der andere, der erste des Gesamtwertes, den Titel "Eclogae physicae" et ethicae", in zwei Büchern, erhielt. Das "Florilegium" ist am besten von Gaisford (4 Bde., Oxf. 1822; verbesserter Abdruck durch W. Dindorf, 4 Bde., Lpz. 1823-24), von Meineke (4 Bde., ebd. 1855-57), die "Eclogae" von Gaisford (2 Bde., Oxf. 1850) und von Meineke (2 Bde., Lpz. 1860-64), das ganze von Wachsmuth und Hense ("Johannis Stobaei Anthologium", 3 Bde., Berl. 1881-94) herausgegeben.

Stobbe, Otto, Jurist, geb. 28. Juni 1831 zu Königsberg i. Pr., studierte daselbst, in Leipzig und in Göttingen, habilitierte sich 1855 zu Königsberg, wurde 1856 zum außerord. und in demselben Jahre zum ord. Professor ernannt und 1859 nach Breslau, 1872 nach Leipzig berufen. Er starb hier 19. Mai 1887. Sein "Handbuch des deutschen Privatrechts" (2. Aufl., 5 Bde., Berl. 1882-85; 3. Aufl., Bd. 1, 1893; Bd. 2,1896) ist eine Musterleistung. Außer zahlreichen kleinern Arbeiten veröffentlichte S. ferner: "Zur Geschichte des deutschen Vertragsrechts" (Lpz. 1855), "Geschichte der deutschen Rechtsquellen" (2 Abteil., Braunschw. 1860-64, von deren 1. Ab-^[folgende Seite]