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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stolberg

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Stolberg (Auguste, Gräfin zu) - Stolberg (Friedr. Leopold, Graf zu)

Graf Wilhelm zu Stolberg-Wernigerode, der Sohn des Grafen Konstantin (eines Großoheims des Fürsten Otto), Majoratsherr der Fideïkommißherrschaften Jannowitz und Kupferberg, geb. 13. Mai 1807, ist preuß. General der Kavallerie z. D. Ein Vetter des letztern (Sohn des Grafen Anton, eines dritten Großoheims des Fürsten Otto), Graf Eberhard zu S., geb. 11. März 1810, gest. 8. Aug. 1872, Majoratsherr auf Kreppelhof, war lebenslängliches Mitglied des preuß. Herrenhauses (dem er seit 1802 wiederholt präsidierte), Generalmajor und Oberpräsident der Provinz Schlesien sowie Kommendator und Kanzler des Johanniterordens. Ihm folgte im Besitz sein Bruderssohn Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode (s. d.).

II. Die Söhne Johann Martins, des Stifters der jüngern Stolberger Linie, Christian Ludwig und Friedrich Wilhelm, Grafen zu S., teilten sich 1609 in Ortenberg (1684 mit dem Tode Friedrich Wilhelms erloschen) und Stolberg. Christian Ludwigs älterer Sohn, Graf Christoph Friedrich zu S., stiftete den Ast zu Stolberg, während der jüngere, Graf Justus Christian zu S., den zu Roßla gründete. Beide Äste erlangten 1893 den preuß. Fürstenstand für die jedesmaligen Standesherren und deren Nachkommen der ersten Generation. Der Ast Stolberg-Stolberg blüht gegenwärtig in zwei von den beiden Söhnen ihres Stifters ausgegangenen Zweigen, in dem Hauptzweige, dessen Haupt Fürst Alfred zu S., geb. 23. Nov. 1820, Standesherr in Preußen (mit erblichem Sitz im Herrenhause) ist und der die Nachkommenschaft Graf Christian Ludwigs II. umfaßt, und in dem Nebenzweige, der die Nachkommenschaft Graf Christian Günthers zu S. (gest. 22. Juni 1765 als dän. Geheimrat), des Vaters der Grafen Christian zu Stolberg (s. d.) und Friedrich Leopold zu Stolberg (s. d.), begreift und seit 3. Juli 1895 durch Friedrich Leopolds Urenkel, den Grafen Friedrich Leopold, geb. 1. Juli 1868, vertreten wird. - Haupt des Astes Stolberg-Roßla ist Fürst Jost Christian, geb. 28. Dez. 1886, Standesherr in Preußen und Hessen (mit erblichem Sitz in beiden Ersten Kammern). - Vgl. Botho, Graf zu Stolberg-Wernigerode, Geschichte des Hauses S.1210-1511 (hg. von Mülverstedt, Magdeb. 1883).

Stolberg, Auguste, Gräfin zu, Schwester von Christian und Friedrich Leopold S., geb. 7. Jan. 1753 in Bramstedt, wurde durch ihre Brüder mit Klopstock, Miller und andern Mitgliedern des Göttinger Dichterbundes bekannt und trat auch mit Goethe in einen kurzen, aber außergewöhnlich leidenschaftlichen Briefwechsel, obgleich sie Goethe niemals persönlich kennen lernte. Sie vermählte sich 1783 mit dem dän. Minister Graf Andreas Peter Bernstorff, wurde 1797 Witwe und starb 30. Juni 1835. - Vgl. Goethes Briefe an die Gräfin Auguste zu S. (mit biogr. Einleitung von W. Arndt, 2. Aufl., Lpz. 1881).

Stolberg, Christian, Graf zu, Dichter, von der Linie Stolberg-Stolberg, geb. 15. Okt. 1748 zu Hamburg, der Sohn des Grafen Christian Günther, dän. Geheimrats und Hofmarschalls der Königin Sophia Magdalena von Dänemark, studierte 1770-73 in Halle und Göttingen und gehörte hier nebst seinem Bruder Friedr. Leopold dem Hainbunde an. Nach längern Reisen der Brüder in Deutschland und der Schweiz wurde S. 1777 Amtmann zu Tremsbüttel in Holstein und vermählte sich mit der in seinen Gedichten gefeierten Luise, Gräfin von Reventlow, verwitweten Hofjägermeisterin von Gramm. Nachdem er 1800 sein Amt niedergelegt hatte, lebte er auf seinem Gut Windebye bei Eckernförde, wo er 18. Jan. 1821 starb. Steht er auch an dichterischer Begabung seinem jüngern Bruder nach, so fehlt es doch seinen Gedichten weder an Begeisterung und Innigkeit des Gefühls noch an Kraft des poet. Ausdrucks. Seine Gedichte sind vereinigt mit denen seines Bruders erschienen (Lpz. 1779; neue Aufl. 1821; Auswahl, hg. von Gräfin Friedr. zu S., Paderb. 1889); ebenso die für die theatralische Darstellung nicht geeigneten "Schauspiele mit Chören" (Lpz. 1787), von welchen ihm "Belsazer" und "Otanes" angehören. Beiden Brüdern gemeinsam sind auch die "Vaterländischen Gedichte" (Hamb. 1815). Auch lieferte S. "Gedichte aus dem Griechischen" (Hamb. 1782) und eine Übersetzung des Sophokles (2 Bde., Lpz. 1787) in fünffüßigen Jamben, die Chöre in lyrischen Silbenmaßen, ein für seine Zeit sehr verdienstliches Werk. Seine sämtlichen poet. Arbeiten finden sich in der Ausgabe der "Werke der Brüder S." (20 Bde., Hamb. 1820-25).

Stolberg, Friedr. Leopold, Graf zu, Dichter, Bruder des vorigen, geb. 7. Nov. 1750 in Bramstedt, war bis 1776 Studien- und Reisegefährte seines Bruders, wurde 1777 fürstbischöfl. lübeckischer Gesandter in Kopenhagen, nahm 1780 seinen Abschied, vermählte sich 1782 mit der von ihm mehrfach besungenen Agnes von Witzleben (geb. 9. Okt. 1761, gest. 15. Nov. 1788), wurde 1789 dän. Gesandter zu Berlin, wo er sich 1790 mit der Gräfin Sophie von Redern vermählte, und im folgenden Jahre lübischer Kammerpräsident zu Eutin. Hierauf bereiste er die Schweiz und Italien, legte 1800 seine Stelle nieder, begab sich nach Münster und trat mit seiner ganzen Familie, bis auf die älteste Tochter Agnes, zur röm.-kath. Kirche über. Dieser, durch S.s gefühlvollen Widerwillen gegen den irreligiösen Geist kritischer Zeitaufklärung längst vorbereitete Übertritt erregte das größte Aufsehen im prot. Deutschland; J. H. Voß zumal hat den Jugendfreund mit unduldsamen Vorwürfen verfolgt, die S. nicht erwiderte. 1816 siedelte S. nach Sondermühlen bei Osnabrück über, wo er 5. Dez. 1819 starb. Als Dichter ist S. durch Oden und Lieder, Elegien, Romanzen, Satiren, poet. Gemälde und Dramen, als Prosaist durch seinen Roman "Die Insel" (Lpz.1788)und durch seine etwas weitschweifige "Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien" (Königsb. 1794; neue Ausg., von Janssen, 2 Bde., Mainz 1877), als Übersetzer durch die Iliade, Platos auserlesene Gespräche, vier Tragödien des Äschylos und Ossians Gedichte rühmlichst bekannt. Seine eigenen Gedichte unterscheiden sich von denen seines Bruders durch größere Kühnheit der Gedanken und Bilder. In allen waltet das wärmste Gefühl für Natur, Freundschaft und Freiheit. Ihr Ton ist sehr verschieden, von dem einfachsten Gesange des Liedes bis zum dithyrambischen Schwunge. "Gedichte", "Schauspiele mit Chören" und "Vaterländische Gedichte" gab er mit seinem Bruder Christian gemeinschaftlich heraus. Seine "Jamben" (Lpz. 1784) sind Strafgedichte über Sittenverderbnis und gelehrte und polit. Vorurteile der Zeit. Ein bisher ungedrucktes Gedicht von ihm: "Die Zukunft", gab O. Hartwig heraus (Lpz. 1885). In seiner kath. Periode entstand die wissenschaftlich wertlose, naiv aus dem Bedürfnis des Gemüts erwachsene "Geschichte der Religion Jesu Christi" (15 Bde., Hamb. 1807-18; fortgesetzt von Kerz und Brischer,