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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stringendo - Stroboskop

1870) fanden wenig Anklang. In dem großartig angelegten Drama «Mäster Olof» (deutsch, Berl. 1895) geißelt er die Zustände der Gesellschaft; noch mehr in dem Stockholmer Bohème-Roman «Röda rummet» («Das rote Zimmer», Schilderungen aus dem Künstler- und Schriftstellerleben, 1879; deutsch von Ortenburg, Pest 1889), einem Roman, der in Schweden gewaltiges Aufsehen erregte. 1882 folgte «Det nya riket» («Das neue Reich», satir. Schilderungen aus dem Zeitalter der Attentate und Jubelfeste), worin er alles verhöhnte, was sonst als heilig galt. Aus Genf erschienen 1884 die Novellen «Giftas» («Heiraten, zwölf Ehegeschichten»; deutsch von Ortenburg, Pest 1889), ein Buch voller Ehebruchsgeschichten und Gotteslästerung, dem er «Hemsöborna» (Stockh. 1887), «Skärkarlslif» (1888) und «I Hafsbandet» (1890) folgen ließ. In den beiden Dramen «Fadren» («Vater», 1887) und «Fröken Julie» («Fräulein Julie», 1888; beide deutsch in Reclams «Universalbibliothek») zeigt er die Folgen des Regiments herrschsüchtiger Frauen. Auf kulturgeschichtlichem Gebiet verdient «Gamla Stockholm» Erwähnung. Ferner erschienen vier Hefte «Dramen» (Berl. 1893), die berüchtigte «Beichte eines Thoren» (ebd. 1893) und die bizarre naturwissenschaftliche Untersuchung «Antibarbarus» (Bd. 1, ebd. 1894). – Vgl. Rüdiger in den «Preuß. Jahrbüchern», Bd. 56.

Stringendo (ital., spr. -dschéndo), musikalische Vortragsbezeichnung: allmählich schneller werdend.

Stringer, s. Schiffbaukunst (Bd. 17).

Stringieren (lat), eng zusammenziehen, streifen, schrammen; genau nehmen; stringént, streng, bündig, nachdrücklich.

Stringocephălus («Eulenkopf»), wichtiges Leitfossil aus dem Mitteldevon und eine der bemerkenswertesten Formen unter den zweischaligen Brachiopoden. Die bis faustgroßen, kugeligen Schalenpaare enthalten ein sehr eigenartiges, zartes, inneres Kalkskelett und ein kreisrundes Loch über dem vorragenden Schnabel der etwas größern untern Klappe. Die bekannteste der beiden Arten, S. Burtini Defr., zeigt die Tafel: Petrefakten der Paläozoischen Formationsgruppe Ⅱ, Fig. 7.

Stringops, s. Nachtpapagei.

Strinnholm, Anders Magnus, schwed. Geschichtsforscher, geb. 25. Nov. 1786 in der Provinz Westerbotten, bezog 1808 die Universität zu Upsala, die er aber nach zwei Jahren verließ, um in Stockholm eine Buchdruckerei anzulegen. Dieses Etablissement trat er an seinen Compagnon Zach. Häggström ab, als er die Ausarbeitung der «Svenska Folkets Historia under Konungarna af Wasaätten» (3 Bde., Stockh. 1819‒24) unternahm. Das Werk geht bis zur Erbvereinigung zu Westerås (1544). Hierauf erschien «Svenska Folkets Historia frân äldsta till närvarande tider» (Bd. 1‒5, Stockh. 1834‒54; bis 1319 herabreichend). Von diesem Werke wurden einzelne Abschnitte deutsch von Frisch u. d. T. «Die Wikingszüge, Staatsverfassung und Sitten der alten Skandinavier» (2 Bde., Hamb. 1839‒41) herausgegeben. Auch die von S. späterhin begonnene kürzere Bearbeitung der schwed. Geschichte: «Sveriges historia i sammandrag», Bd. 1‒3 (Stockh. 1857‒60), blieb unvollendet; sie reicht bis zum Tode Gustav Ⅰ. Wasas. S. besitzt kritischen Scharfsinn, objektive Darstellung und einen Stil, der sich durch Lebendigkeit, Farbenreichtum und Anmut auszeichnet. Die Schwedische Akademie krönte den ersten Teil seiner «Svenska Folkets Historia» mit dem höchsten Preise und wählte ihn 1837 zum Mitglied. Er starb 18. Jan. 1862. ^[Spaltenwechsel]

Strippenbänder, s. Bandfabrikation.

Strivali, Inselgruppe, s. Strophaden.

Strix, s. Eulen (Raubvögel).

Ströbeck, Dorf im Landkreis Halberstadt des preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, 7 km nordwestlich von Halberstadt, hat (1895) 1159 E., Postagentur, Fernsprechverbindung und evang. Kirche. Die Einwohner zeichnen sich durch ihre Fertigkeit im Schachspiel aus.

Strobĭla, s. Akalephen.

Stroboskōp (grch.), ein von Stampfer (1832) erfundener Apparat, bei dem auf einer kreisförmigen Pappscheibe (stroboskopische Scheibe) mehrere Stellungen gezeichnet sind, die ein bewegter Gegenstand (z. B. ein Läufer u. dgl.) nach und nach annimmt. Zwischen den Figuren sind Öffnungen angebracht. Ein durch letztere blickendes Auge sieht, wenn die Scheibe rotiert, in einem gegenüber befindlichen Spiegel den abgebildeten Gegenstand in Bewegung. Dies rührt von der Nachdauer der Bilder auf der Netzhaut her, wobei die Einzeleindrücke zu jener Empfindung verschmelzen, wie sie der bewegte Körper erzeugt. Etwas früher als Stampfer hatte Plateau sein Phänakistoskop (grch., Täuschungsapparat) oder Phantoskop erdacht, das auf demselben Princip wie das S. beruht. Beide Erfinder wurden von Faraday (1831) durch seine Beobachtungen an rotierenden Zahnrädern angeregt. Eine dem S. ähnliche Einrichtung scheint das Dädaleum (s. d.) gehabt zu haben. Auch die als Spielzeug bekannten Lebensräder, Wundertrommeln oder Wundercylinder (grch. Zootrop) beruhen auf demselben Princip wie das S. Das stroboskopische Princip wurde schon von Plateau zum Studium periodischer Bewegungen, insbesondere der Schwingungen tönender Körper verwendet. Mit derselben Anwendung beschäftigten sich Töpler, Mach u. a. Betrachtet man eine schwingende Stimmgabel durch eine Scheibe mit Spalten (wie in beistehender Abbildung angedeutet ist), die so rasch rotiert, daß für jede Schwingung genau eine Spalte vor dem Auge vorbeigeht, so scheint die Stimmgabel, weil dieselbe immer genau in derselben Form gesehen wird, stillzustehen. Wechselt aber eine Spalte mit der folgenden in etwas mehr als einer Schwingungsdauer den Platz, so sieht man durch jede folgende Spalte die Stimmgabel in etwas anderer Form. Dieselbe scheint dann langsam ihre schwingende Bewegung durchzumachen. Es gewährt einen überraschenden Anblick, die langsamen Biegungen eines so harten Körpers zu beobachten. Ist n die Schwingungszahl der Gabel, n<sup>1</sup> die in der Sekunde vorbeigehende Spaltenzahl, so ist n-n<sup>1</sup> die Zahl der scheinbaren Schwingungen in der Sekunde, die also beliebig klein sein kann. Es gelingt auf diese Weise, die Schwingungen der Flamme in der chem. Harmonika (s. d.), der Saiten, Stäbe, ja selbst jene der Luft in den Pfeifen sichtbar zu machen. Durch das S. lassen sich auch die photogr. Serienbilder (s. Photographie und Tafel: Photographie Ⅰ, Fig. 6‒8) betrachten, bei denen ihrer Entstehung gemäß die überraschende Natürlichkeit der Bewegungen gegenüber gezeichneten Serienbildern hervortritt. Eine für diesen Zweck sehr

^[Abb. Stroboskopscheibe]