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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sturmhaube - Sturmwarnungen

stehenden oder Bekleidungsmauern) in Gräben und breiten Wassergräben mit militär. Wassertiefe (1,80 m) kommen eiserne Gitter und die stets nötige gute Bestreichung in Betracht.

Sturmhaube, der Helm des Fußvolks im 16. Jahrh. (s. Pickelhaube und Helm).

Sturmhaube (Cassis), eine Gattung der Kammkiemer aus den tropischen Meeren, mit großem, bauchigem, knotigem Gehäuse, dessen schmaler Mundspalt von wulstigen, meist schön gefärbten Lippen umsäumt ist. Aus ihnen werden Kameen geschnitten.

Sturmhaube, Große und Kleine, Bergkuppen, s. Riesengebirge.

Sturmhut, Pflanzengattung, s. Aconitum.

Sturmlatte, soviel wie Windrispe (s. Dachstuhl. ^[fehlt: )]

Sturmmöve, s. Möven.

Sturmpfähle, die in geneigter oder wagerechter Lage angebrachten Palissaden (s. d.). Eine Reihe von S. nennt man Fräsierung (Fraisierung).

Sturmriemen, s. Helm.

Sturmschritt, s. Marsch.

Sturmschwalbe, s. Sturmvögel.

Sturmsignale, die an Hafen- oder Küstenplätzen als Warnung gegen wahrscheinlich nahende Stürme geheißten Zeichen. In Deutschland sind von der deutschen Seewarte 36 Signalstellen 1. Klasse, 11 Signalstellen 2. Klasse, sowie 10 Normalbeobachtungsstationen (zum Beobachten und Berichten über die Witterung an der Küste) eingerichtet; dazu haben noch die Provinzialregierungen 36 weitere Stationen hinzugefügt. Die S. werden nach eingelaufenem telegr. Befehl von der Seewarte am Sturmsignalmast der Station geheißt. (S. Tafel: Nautische Instrumente und Sturmsignale, Fig. 6. Bd. 12, S. 210.) Das Heißen eines schwarzen Signalballes bedeutet, daß ein Telegramm eingelaufen ist, welches das Vorhandensein einer atmosphärischen Störung andeutet und zur Vorsicht mahnt. Die Richtung der zu erwartenden Stürme wird alsdann durch das Heißen von schwarzen Kegeln angezeigt, und zwar von einem, wenn die Richtung westlich ist, von zweien, wenn sie östlich ist, wobei stets die Spitze nach oben bei nördl. und nach unten bei südl. Richtung gestellt ist. Also z. B. Nordweststurm wird signalisiert durch einen mit der Spitze nach oben gerichteten Kegel. Die wahrscheinliche Drehung des Windes wird noch durch rote Flaggen angedeutet, und zwar das Rechtdrehen (Ausschießen des Windes), also von West über Nord nach Ost, durch Heißen einer Flagge, das Zurückdrehen (Krimpen des Windes), also von West über Süd nach Ost, durch zwei Flaggen untereinander. Bei Nacht wird auf den Hauptsignalstellen durch Heißen einer roten Sturmlaterne, die den Signalball vertritt, gewarnt.

Sturmtöpfe, s. Feuertöpfe.

Sturm- und Drangperiode, in der deutschen Litteraturgeschichte eine etwa von Anfang der siebziger bis Ende der achtziger Jahre des 18. Jahrh. gerechnete Periode, in der die jüngern Dichter gegen die überkommenen Stoffe und Formen in kühnem poet. Sturme sich erhoben. Der Name rührt her von Klingers Drama "Sturm und Drang". (S. Deutsche Litteratur.)

Sturmvögel (Procellariidae), eine zur Ordnung der Langflügler gehörende, aus 6 Gattungen und 96 Arten bestehende kosmopolitisch verbreitete Vogelfamilie, unterscheidet sich durch Schwimmfüße, deren drei nach vorn gerichtete Zehen verbunden sind, während die hintere nur eine kleine Warze bildet, durch einen scharfen, vorn in einen starken Haken auslaufenden Schnabel von der Länge des Kopfes und durch die in einer auf der Firste verlaufenden und durch eine Scheidewand geteilten Röhre liegenden Nasenlöcher. Die S. sind vollkommene Seevögel, bewohnen auf beiden Halbkugeln nur die höhern Breiten und fliegen mit ihren langen, spitzigen Flügeln sehr schnell und ausdauernd. Gegen ihren Feind spritzen sie den thranigen und stinkenden Inhalt ihres Magens. Bei nahendem Sturme sollen sie sich oft auf Schiffe setzen. ^[Spaltenwechsel]

Der arktische Sturmvogel (Procellaria glacialis L., s. Tafel: Schwimmvögel Ⅳ, Fig. 3), der 50 cm lang ist und bei dem Kopf, Hals, Unterrücken, Schwanz und Unterseite weiß, Vorderrücken und Flügel bläulich-aschgrau und Füße gelb sind, ist im Sommer gemein in der Baffinsbai, in der Davisstraße, bei den Kurilen und Alëuten, bei Jan Mayen, Spitzbergen und an der Westküste Islands, verirrt sich aber nur selten an die deutschen Küsten. Er brütet an den steilsten und unzugänglichsten Felsenwänden in außerordentlicher Menge, aber jedes Weibchen legt nur ein weißes Ei. Der südlichste Brüteplatz ist die kleine Insel St. Kilda an Schottlands Westküste. Für die armen hochnordischen Bewohner ist dieser Vogel sehr wichtig, denn er giebt ihnen frisch ein gutes Nahrungsmittel, da er ein zartes, weißes, vom Thrangeruche ziemlich freies Fleisch besitzt, vermehrt gepökelt ihren Wintervorrat, liefert reichliches Öl, das als Brenn- und Speiseöl dient, und versieht sie reichlich mit Bettfedern. Aus Island allein werden jährlich an 20000 Junge eingesalzen. Die Fischer trauen ihm mit Recht ein feines Vorgefühl für Witterungswechsel zu und richten sich nach ihm, je nachdem er sich dem Lande nähert oder die hohe See aufsucht. Von 25 bis 50° südl. Br. belebt der kapische Sturmvogel (Procellaria capensis L.) oder Kaptaube das Meer. In der Südsee, näher dem Pol, besonders an der Westküste Patagoniens, wohnt der antarktische Sturmvogel (Procellaria gigantea Gmel.), der an Größe eine Gans übertrifft. Auch die Gattung der Sturmschwalben (Thalassidroma, z. B. Thalassidroma pelagica L., Fig. 5) und der Albatros (Diomedea exulans L., s. Taf. Ⅱ, Fig. 1) gehört hierher.

Sturmwarnungen, die Voraussagungen von Stürmen auf größere Entfernungen, beruhen auf der Erfahrung, daß die Depressionen (s. d.) und Luftwirbel meist gewisse Zugstraßen einhalten. Die Aufgabe bei der Ausübung der S. besteht nun darin, bei dem Auftreten eines Sturmwirbels die Richtung und Geschwindigkeit seiner Bewegung festzustellen, um daraus zu bestimmen, welche Teile des Meeres von dem Wirbel berührt werden und welche Richtung und Stärke der Wind an irgend einer Stelle haben wird. Auf Grund der aus telegr. Stationsberichten aufgestellten täglichen synoptischen Wetterkarten (s. Meteorologische Kartenwerke) ist man im stande, telegraphisch diese Ergebnisse den Hafenorten zu übermitteln (Hafentelegramme, s. d.). Die Ausübung der S. ist Aufgabe der meteorolog. Institute der Seestaaten, soweit nicht hierfür besondere Anstalten bestehen. Angeregt wurden die S. durch den Sturm vom 12. bis 16. Nov. 1854. Während der Jahre 1860-66 wurden S. in Frankreich, den Niederlanden, England, Deutschland (1864 für die Nordsee und 1866 für die Ostsee), Österreich, Italien und Norwegen eingeführt. 1872 begannen sie in Dänemark und 1874 in Rußland; in Nordamerika wurde