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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sumer - Summum jus summa injuria

22 517 E., davon 8528 Türken. Die Stadt, Sitz eines Brigadekommandos, eines Metropoliten, hat zahlreiche Moscheen, mehrere Kirchen, ein Arsenal, Militärhospital, lebhaften Handel und Fabrikation von Kupferschmiedewaren. Eine Zweigbahn verbindet K. mit der Station Kaspidschan der Linie Rustschuk-Varna. - Š., zuerst im 11. Jahrh. genannt, gewann erst nach dem Verfall der nahen altbulgar. Residenz Preslavs eine Bedeutung, besonders seit den Kriegen des 17. und 18. Jahrh., wo es stark befestigt wurde, vorzüglich durch den 1768 abgesetzten Großwesir Hassan Pascha aus Algier, dessen Grabmal sich hier befindet. In allen folgenden russ.-türk. Kriegen war Š. das Hauptquartier der Großwesire. Dreimal wurden die russ. Heere von diesem Bollwerk des türk. Reichs aufgehalten: unter Rumjanzow 1774, unter Kamenskoi 1810 und unter Wittgenstein 1828, wo es Hussein Pascha verteidigte; daher umging es Diebitsch 1829. Im Kriege 1877-78 wurde es erst nach dem Friedensschluß 23. Juli 1878 von russ. Truppen besetzt.

Sumer, genauer Schumer oder Schumir, Name eines Landes in Mesopotamien, meist in der Verbindung Schumir und Akkad. Einige Gelehrte haben S. mit Sinear identifizieren wollen.

Sumerisch, von Oppert eingeführte Bezeichnung für die nichtsemitische, von Rawlinson entdeckte Sprache auf den religiösen und grammatischen Keilschrifttafeln aus der Bibliothek Sardanapals (s. d.), die Rawlinson und Hincks Akkadisch nannten. Neuere bezeichnen sie als sumero-akkadisch. Beide Sprachen werden von den Assyrern ausdrücklich erwähnt. Es scheint, daß sie nur dialektisch verschieden waren. Die Hypothese Halévys, daß das S. nur eine Geheimschrift zum Ausdruck der semitischen babylon.-assyr. Sprache sei, ist nicht stichhaltig.

Sumiswald, Gemeinde im Bezirk Trachselwald des schweiz. Kantons Bern, im untern Emmenthal, in 711 m Höhe, an der Emmenthalbahn (Station Ramsey-S.), besteht aus den Pfarrgemeinden S. und Wasen und hat (1888) 5730 meist evang. E., Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, große Kirche (1510-12) mit Glasgemälden, ein altes auf einem Felsen am Grünenbach gelegenes Schloß, einst ein Deutschordenshaus, dann bis 1798 Sitz der bernischen Landvögte von S. und jetzt Spital und Armenhaus. S. ist einer der wichtigsten Industrie- und Handelsorte des Emmenthals; es bestehen Leinwandweberei und Uhrenindustrie, Ackerbau und Alpenwirtschaft, Handel mit Käse und Leinwand sowie Jahrmärkte. Die Kommende S. des Deutschen Ordens wurde 1225 vom Freiherrn Lüthold von S. gestiftet, kam bei der Reformation 1527 unter bernische Verwaltung und 1698 durch Kauf an Bern. - Vgl. Imobersteg, Das Emmenthal (Bern 1876).

Sumla, Schumla, Stadt in Bulgarien, s. Šumen.

Summanden (lat.), s. Addition.

Summarisch (lat.), dem Hauptinhalt nach, kurz und bündig.

Summarischer Prozeß, im gemeinrechtlichen Civilprozeß diejenige Prozeßart, in welcher die richterliche Untersuchung sich beschränkte auf die "summa causae", d. h. auf diejenigen Thatsachen, welche an sich geeignet waren, den Klaganspruch zu begründen, während dem Beklagten Verteidigungsmittel nur insoweit zukamen, als er solche ohne Verzug liquid stellen konnte, wobei übrigens nur die Wahrscheinlichkeit, nicht die Gewißheit der erheblichen Umstände erfordert wurde. Dem entsprechend war auch die ergehende Entscheidung keine endgültige; vielmehr sollte vorläufig nur der klägerische Anspruch aufs schleunigste verwirklicht werden, ungehindert durch weitläufige Verteidigung des Beklagten, dem jedoch alle Rechtsbehelfe, mit denen er nicht gehört war, zur nachträglichen Geltendmachung im ordentlichen Verfahren vorbehalten wurden, und dem, wenn sich die Unbegründetheit des Klaganspruchs herausstellte, das vorläufig Geleistete erstattet werden mußte.

In einem weitern Sinne begriff man unter S. P. auch ein Verfahren mit einfachern Formen zum Zwecke der Beschleunigung. In dieser Art hatte das Gemeine Recht vorzugsweise drei Formen des S. P. herausgebildet: 1) Den Exekutivprozeß (s. d.). 2) Den (sog. unbedingten) Mandatsprozeß (s. d.). 3) Den Arrestprozeß. In diesem wurde bei dringender Gefährdung des Anspruchs auf die liquide Arrestklage sogleich der Arrest in Person oder Habe des Schuldners verfügt, den dieser demnächst mit allen sofort liquiden Rechtsbehelfen anfechten konnte.

Die Deutsche und die Österr. Civilprozeßordnung (letztere mit Exekutionsordnung) kennen den S. P. nicht, enthalten aber gewisse demselben verwandte Prozeßarten, namentlich den Urkundenprozeß (s. d.; in Österreich Mandatsprozeß), den Wechselprozeß (s. d.) und den Arrestprozeß (s. Arrest und Einstweilige Verfügung), wozu im gewissen Sinne auch das Mahnverfahren (s. d.) gerechnet werden kann.

Summa summarum (lat.), im ganzen, alles in allem.

Summation (neulat.), soviel wie Addition (s. d.).

Summationston, s. Kombinationston.

Summe (lat. summa), eine Größe, die mehrern andern zusammen gleich ist, also in der Arithmetik das Resultat der Addition (s. d.). Haben die zu addierenden Größen entgegengesetzte Vorzeichen, so ist die Addition mit der Subtraktion zu verbinden, und die S. heißt, im Gegensatz zur arithmetischen, algebraische S.; z. B. +4 - 5 - 8 + 19 geben als algebraische S. +10. Über die S. einer Reihe s. d.

Summepiskopat (lat.), in der evang. Kirche Deutschlands das oberste Kirchenregiment der Landesherren, welches nach der Reformation als von den Bischöfen an diese übergegangen angenommen wurde. Noch heute bildet der S. des Landesherrn (Summus episcopus) allenthalben die Spitze der evang. Kirchenverfassung in den deutschen Landeskirchen, selbst wenn der Landesherr katholisch ist. (S. Kirchengewalt.) Die reform. Kirche verwirft grundsätzlich den S., doch haben die Reformierten in Deutschland sich demselben unterworfen. Der Kaiser von Österreich hat 1861 auf den S. verzichtet, der König von Sachsen mnß denselben durch zwei bis drei in Evangelicis deputierte Staatsminister ausüben. (S. Episkopalsystem.)

Sümmer, süddeutsches Getreidemaß, s. Simmer.

Summisten, Scholastiker, die ihre dogmatischen Werke summa (summa theologiae, d. i. Inbegriff der Theologie) nannten und im Unterschied von den aphoristischen Sententiariern (s. Lombardus, Petrus) einheitlicher und systematischer verfuhren, z. B. Alexander von Hales, Albertus Magnus, Thomas von Aquino u. a.

Summitates (lat.), in der Pharmacie die jungen Zweige oder Knospen offizineller Pflanzen, z. B. S. Sabīnae (s. Sadebaum).

Summum bonum (lat.), Höchstes Gut, s. Gut.

Summum jus summa injuria (lat.), das höchste Recht (d. h. das Recht, wenn es auf die