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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Telegraphenbojen; Telegraphenbureau; Telegrapheninspektion; Telegraphenkabel; Telegraphenleitung

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Telegraphenbojen - Telegraphenleitung

Telegraphenbojen, s. Bojen.

Telegraphenbureau, eine Anstalt, welche politische, Börsen- und andere Nachrichten für die Redaktionen von Zeitungen, Leseinstitute, Restaurants u. s. w. vermittelt. Gewöhnlich geschieht dies gegen Abonnement auf eine bestimmte Zeit. Die von Korrespondenten, Agenten, Schwesteranstalten, durch Telephon oder Telegraph eingehenden Nachrichten werden je nach ihrer Wichtigkeit auf Zettel gedruckt durch die Post oder wieder durch Telephon oder Telegraph an die Abonnenten befördert. Die wichtigsten solcher Bureaus, meist in den Händen von Aktiengesellschaften, sind Reuters Telegraphenbureau (s. d.) in London, die Kontinental-Telegraphencompagnie (früher Wolffs Telegraphisches Bureau) in Berlin, die Agence Havas (s. d.) in Paris, Louis Hirsch' T. in Berlin, Bösmanns T. in Hamburg (namentlich für Schiffsnachrichten), die Agenzia Stefani in Rom, die Russische Telegraphenagentur in Petersburg, die Nordische Telegraphenagentur in Stockholm, die Agence Balcanique in Sofia u. a.

Telegrapheninspektion, s. Eisenbahnbehörden.

Telegraphenkabel, s. Telegraphenleitung und Kabel.

Telegraphenleitung, bei Elektrischen Telegraphen (s. d.) ein zwischen zwei oder mehrern Telegraphenämtern vorhandener Elektricitätsleiter, in welchem sich die telegr. Stromzustandsänderungen fortpflanzen. Die T. wird nach Steinheil gewöhnlich mit Erdrückleitung hergestellt, d. h. man spannt bloß einen Draht zwischen den beiden Endämtern (s. Telegraphenschaltungen) und führt ihn in beiden hinter den Apparaten an entsprechend große, in das feuchte Erdreich eingegrabene Metallkörper (Bleiplatten, Kupferplatten, Eisenbahnschienen, verzinkte Eisendrahtringe). Diese Metallkörper nennt man die Erdleitung. In den Zwischenämtern werden die beiden in das Amt einmündenden Leitungszweige mit den Apparaten verbunden; eine Erdleitung ist hier auch vorhanden, dient aber nur gelegentlich zur Verbindung der beiden Leitungszweige mit der Erde. Lange Fernsprechleitungen müssen stets als vollkommen metallische, von der Erde isolierte Hin- und Rückleitung (Doppelleitung) hergestellt werden, weil andernfalls atmosphärische und tellurische Ströme die telephonische Verständigung unmöglich machen. Auch die Teilnehmerleitungen in den Stadtfernsprechnetzen werden zum Teil als Doppelleitungen ausgeführt. Die T. in einem Lande, einer Provinz, einer Stadt bilden zusammen ein Telegraphennetz. Die T. wird entweder oberirdisch oder unterirdisch oder durchs Wasser geführt. Im Anfang griff man, nach einigen mißglückten Versuchen zur Herstellung unterirdischer Linien, zu Luftleitungen; als dann Werner Siemens 1846 in der Guttapercha einen geeigneten Isolator für unterirdische Leitungen aufgefunden hatte, legte man Linien unter der Erde an, die sich aber nicht bewährten, weil die Guttapercha vulkanisiert, d. h. mit Schwefel versetzt worden war. Man sah sich daher wieder auf oberirdische Linien beschränkt, und erst als man durch die Herstellung von zahlreichen unterseeischen Linien die nötige Erfahrung gewonnen hatte, wagte man sich, nachdem 1871 schon Manchester und Liverpool durch eine unterirdische Linie verbunden worden waren, im großen zuerst in Deutschland von 1876 ab (s. Kabel), wieder an die Ausführung unterirdischer Linien, während man bis dahin nur ausnahmsweise, meist in Städten, kurze Strecken

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unter die Erde gelegt hatte, unter Anwendung besonderer Schutz- und Vorsichtsmaßregeln. Die höhern Anlagekosten der unterirdischen Linien werden durch die größere Sicherheit des Betriebes und die geringern Unterhaltungskosten ausgeglichen.

Die oberirdischen Leitungen stellte man früher aus Kupferdraht von 1,5 bis 2,5 mm Dicke her; jetzt nimmt man gewöhnlich Eisendraht (3 bis 6 mm), den man durch Verzinken oder einen Leinölüberzug gegen Rost schützt, mitunter auch Stahldraht. Zu Fernsprechzwecken braucht man einen Draht aus unmagnetischem Metall; daher verwendet man hierfür Phosphorbronze und Siliciumbronze, auch gutes, sehr reines Hartkupfer. Man nennt diesen Draht Bronzedraht, obgleich er nicht die Zusammensetzung der Bronze hat, sondern fast nur aus Kupfer besteht. Derartige Drähte werden auch aus zweierlei Metall (Stahlseele und Kupfermantel) oder zweierlei Bronze hergestellt; die erstere Art bezeichnet man als Bimetalldraht, die letztere als Doppelbronzedraht. Die Festigkeit dieser Drähte geht bis 70 kg für 1 qmm (Eisen 44 kg). Bei den Telephonnetzen in großen Städten und mit sehr großer Anzahl von Teilnehmern bietet die oberirdische Führung der Drähte nicht unbedeutende Schwierigkeiten; deshalb hat man sich bemüht, Kabel für Telephonzwecke herzustellen, in denen eine größere Anzahl von einzelnen Drähten vorhanden sind (s. Kabel). Bei den gewöhnlichen T. kommt der Draht auf 6 bis 10 m hohe, einfache oder doppelte Holzsäulen (Telegraphenstangen) zu liegen, deren Dauer man durch Tränken mit Kupfervitriol, Chlorzink, Quecksilbersublimat oder Teerölen wesentlich erhöht; seltener werden eiserne oder steinerne Träger verwendet. Die Stangen stehen 50 bis 100 m voneinander entfernt; an ihnen wird der Draht auf Isolatoren befestigt, welche jetzt ausschließlich aus Porzellan hergestellt und am besten in Form von (Chauvinschen) Doppelglocken (s. Tafel: Elektrische Telegraphen II, Fig. 2 u. 3) verwendet werden, weil sie in dieser Form am besten unter allen Witterungsverhältnissen den Übergang der Elektricität aus dem Draht D über den Isolator J zur Stütze S, zur Säule und in die Erde verhüten; die Isolatoren werden mittels eiserner Stützen S, die bei a in die Glocke eingekittet werden, an den Stangen befestigt. In Fig. 4 der genannten Tafel ist ein Isolator älterer Form abgebildet, dessen gußeiserne Kappe G mit der Fläche F durch Holzschrauben an der Säule befestigt wird; der Telegraphendraht wird in die Hakenstütze S gelegt, welche in den Porzellankopf J und mit diesem in die Glocke G eingekittet wird.

Wenn eine telegr. Leitung durch Wasser oder in die Erde gelegt werden soll, so muß sie in ihrer ganzen Länge mit einem nichtleitenden Stoff umhüllt werden und heißt dann ein Telegraphenkabel oder schlechtweg ein Kabel (s. d.). Unter den jetzt vorhandenen, sehr zahlreichen unterseeischen T. in allen Erdteilen sind die großartigsten die transatlantischen Kabel zwischen Europa und Amerika. Namentlich auf Betrieb des Amerikaners Cyrus Field (s. d.) bildete sich zur Legung eines Kabels von Irland nach Neufundland 1856 eine Gesellschaft, welche von den Regierungen Englands und der Vereinigten Staaten unterstützt wurde. Nach umfassenden Voruntersuchungen und Arbeiten begann die Legung des Kabels im Aug. 1857, mißlang aber durch Abreißen desselben in 274 engl. Meilen Ent-