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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Temperenzler - Temple (Gebäude)

dem Normalwert dieses Grades und nannte sie Anomalien. Er trug diese in Karten ein, konstruierte Linien gleicher Abweichungen, die Isanomalen (s. d.), die bei Beurteilung der Temperaturverhältnisse eines Gebietes sehr wichtig sind.

Die Isothermenkarten geben eine viel natürlichere Grundlage für die klimatische Einteilung der Erde, als die rein geometrische der Parallelkreise. Deshalb wurden sie auch schon öfters zur Aufstellung von Temperatur- oder Wärmezonen benutzt. So teilt Supan die Erde folgendermaßen ein: I. Warme Zone zwischen den Jahresisothermen +20° C. a. Tropengürtel, polwärts begrenzt durch die Temperatur 20° des kältesten Monats; d. ektropische Gürtel, die übrigen Teile der warmen Zone. II. Gemäßigte Zone mit Jahrestemperaturen von +20 bis 0°. a. Äquatorialgürtel der gemäßigten Zone bis zur 0°-Isotherme des kältesten Monats; b. Polargürtel der gemäßigten Zone, die andern Teile derselben. III. Kalte Zone mit Jahrestemperaturen unter 0°. a. Äquatorialgürtel der kalten Zone mit Temperaturen des wärmsten Monats über Null; b. Polargürtel der kalten Zone mit Temperaturen aller Monate unter Null.

Eine andere Einteilung stellte Köppen aus: 1) Tropischer Gürtel, alle Monate über 20° C warm; 2) subtropische Gürtel, 4-11 Monate über 20° warm; 3) gemäßigte Gürtel, 4-12 Monate zwischen 10 und 20° warm; 4) kalte Gürtel, 1-4 Monate unter 10° warm; 5) polare Gürtel, alle Monate unter 10° warm.

Temperenzler (Temperänzler, Temperanzler), verächtliche Bezeichnung für die Anhänger der Mäßigkeitsbestrebungen, insbesondere aber für die Mitglieder von Mäßigkeitsvereinen (s. Temperanzgesellschaften).

Temperguß, aus Roheisen hergestellte Gußwaren, die durch anhaltendes Glühen die dem Gußeisen eigentümliche Sprödigkeit verloren haben. Im engern Sinne versteht man unter T. eine besondere Art des schmiedbaren Eisengusses (s. Eisenerzeugung, II, L). Stahlabfälle werden mit Roheisen zusammen im Kupolofen (s. d.) geschmolzen, wobei ein weißes Roheisen entsteht, welches in Formen vergossen wird. Die Abgüsse werden, wie bei Darstellung des schmiedbaren Gusses überhaupt, mit Eisenerzen geglüht, dadurch entkohlt und in schmiedbares Eisen umgewandelt, welches Verfahren man Tempern nennt.

Temperieren (lat.), den richtigen Grad geben, mäßigen, mildern.

Temperierte Häuser, s. Gewächshäuser.

Temperierte Stimmung, gleichschwebende Temperatur, in der Musik eine Korrektur der mathematisch reinen Intervalle zu Gunsten einer freien und vielseitigen harmonischen Verwendung der Töne. In der heutigen praktischen Musik besteht die Oktave aus 12 Halbtonstufen von gleichem Schwingungszahlenverhältnis. Sieben solcher Halbtonstufen entsprechen einer Quinte. Schreitet man von einem Grundton um 12 reine Quinten aufwärts, so gelangt man sehr nahe zur siebenten Oktave des Grundtons. Da das Verhältnis der Schwingungszahl der Quinte zum Grundton 3:2, das der Oktave 2:1 ist, so müßte ^[img] sein; dies ist nicht genau der Fall; um daher mit 12 Halbtönen auszukommen, müssen in der praktischen Musik entweder die Oktaven von dem Verhältnis 2:1 oder die Quinten von dem Verhältnis 3:2 etwas abweichen. Da ersteres unerträglich wäre, wählt man letzteres, wonach das Schwingungszahlenverhältnis der Quinte ^[img] wird, statt 3/2. Das ist die Methode der T. S., deren Princip am Ende des 17. Jahrh. von Andreas Werkmeister ("Musikalische Temperatur", 1691) aufgestellt und von Seb. Bach zum erstenmal für die praktische Komposition in umfassender und klassischer Weise verwendet wurde in seinem "Wohltemperierten Klavier". Eine sichere Methode, die Töne von Klavieren und Orgeln temperiert rein zu stimmen, erfand Joh. Heinr. Scheibler. Im Gegensatz zu dieser gleichschwebenden Temperatur kann die reine Stimmung im Gesang angewendet werden. Es wurden in neuerer Zeit Versuche gemacht, auch Tasteninstrumente mit einer größern Anzahl von Tönen herzustellen, die von der reinen Stimmung nicht mehr merklich abweichen.

Vgl. M. Hauptmann, Klang und Temperatur (in den "Opuscula", Lpz. 1874); H. von Helmholtz, Die Lehre von den Tonempfindungen (5. Aufl., Braunschw. 1896); Sh. Tanaka, Studien im Gebiete der reinen Stimmung (in der "Vierteljahrschrift für Musikwissenschaft", 1890); Eitz, Das mathematisch reine Tonsystem (Lpz. 1891).

Tempern, s. Adoucieren, Temperguß und Eisenerzeugung.

Tempesta oder Cavalier T. (d. h. Ritter Sturm), der Beiname des durch seine Seestücke berühmten holländ. Malers Pieter Mulier jun. (fälschlich auch Molyn genannt). 1637 in Haarlem geboren, ging er nach Rom; beschuldigt, daß er sein Weib habe umbringen lassen, kam er ins Gefängnis, entfloh aus demselben nach 16jähriger Haft und starb 1701 zu Mailand. Seine kraftvollen und naturwahren Seestürme haben ihm größern Ruhm verschafft als seine im Stil Claude Lorrains gehaltenen Landschaften. - Mit ihm ist nicht zu verwechseln Antonio T., auch Tempestino genannt, Maler und Kupferstecher zu Florenz, geb. 1556, gest. 1630, dessen vorzüglichste Blätter Schlachtenbilder und Jagdstücke sind.

Tempieren, das Einstellen oder Einrichten der Zeitzünder (s. Zünder) auf die der Flugzeit der Geschosse entsprechende Brennzeit.

Tempierschlüssel, Werkzeug zur Einstellung der Zeitzünder (s. Zünder) beim Schießen.

Tempio Pausania, Hauptstadt des Kreises T. P. (28 441 E.) der ital. Provinz Sassari auf Sardinien und früher des Judicats Gallura, 376 m hoch, am Nordfuß der Monti di Limbara, unweit der Quelle der Liscia, an der Zweigbahn Monti-T. P. (10 km), ist Bischofssitz und hat (1881) 5452, als Gemeinde 11 188 E., Gymnasium, technische Schule, Seminar; Weinbau.

Tempi passati (ital.), vergangene Zeiten.

Templarii, s. Tempelherren.

Temple (frz., le Temple, spr. tangpl), ehedem ein großer Gebäudekomplex (Kirche, Turm und Schloß) zu Paris, der als Kerker Ludwigs XVI. (s. d.) und seiner Familie bekannt geworden ist. Das Gebäude war ursprünglich (seit 1212) das Ordenshaus der Tempelritter. Als sich Philipp der Schöne 1312 der Ordensgüter bemächtigte, richtete er den T. als Wohnhaus ein, überließ ihn jedoch nach der Vernichtung des Ordens den Johanniterrittern. In der Revolution verwandelte man den Turm, als Ersatz für die Bastille, in ein Staatsgefängnis. Dieses