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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Temple; Templeisen; Templer; Templin; Templiner Kanal; Templiner See; Tempo; Tempora; Temporal; Temporalien

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Temple (Richard Grenville, Graf von) - Temporalien

wurde 1811, der Rest unter Napoleon III. abgetragen und an dessen Stelle ein schöner Square mit großer Halle für Trödelmarkt eingerichtet.

Temple (spr. templ), Richard Grenville, Graf von, engl. Staatsmann, geb. 26. Sept. 1711, erbte den Grafentitel 1752 von seiner Mutter Hester T. (s. Grenville), trat 1734 ins Unterhaus und schloß sich eng an seinen Schwager Pitt (s. Chatham) an, mit dem er 1756-57 dem Ministerium des Herzogs von Devonshire und 1757-61 dem des Herzogs von Newcastle angehörte, und mit dem er 1761 zurücktrat. 1763 wurde T. wegen seiner Verbindung mit Wilkes (s. d.) seiner Stelle als Lordlieutenant von Buckinghamshire enthoben. Als Pitt nach Grenvilles Sturz 1765 mit der Bildung eines Ministeriums beauftragt war, versagte T. seinen Beitritt und bewog Pitt zur Rückgabe des Auftrags. Bald kam es vornehmlich wegen der amerik. Kolonien zu einer Spannung zwischen den Schwägern, in der T. zu seinem Bruder George Grenville (s. d.) hielt. 1766 bildete Pitt sein neues Ministerium ohne T. Dieser eröffnete eine giftige Polemik gegen ihn, jedoch erfolgte 1769 die Versöhnung. T. nahm noch bis zuletzt am polit. Leben teil und starb kinderlos 11. Sept. 1779. Die Grafenwürde ging über auf seinen Neffen George Grenville, zweiten Grafen von T., der 1784 zum Marquis von Buckingham (s. d.) erhoben wurde.

Temple (spr. templ), Sir William, engl. Diplomat und Schriftsteller, geb. 1628 zu London, studierte in Cambridge, reiste sechs Jahre auf dem Festland, betrat 1661 als Mitglied des irländ. Parlaments die öffentliche Laufbahn und kam als dessen Kommissar bei König Karl II. nach London. Einer Sendung zum Bischof von Münster beim Ausbruch des Krieges gegen Holland (1665) verdankte er den Baronettitel. Er schloß 1667 als engl. Bevollmächtigter die Tripelallianz mit den Niederlanden und Schweden ab, deren Folge dann 2. Mai 1668 die Nötigung Frankreichs zum Aachener Frieden war. Karl ernannte ihn darauf zum Gesandten bei den Generalstaaten. Seit 1669, während der Herrschaft des Cabalministeriums (s. d.), lebte T. auf seinem Gute Sheen bei Richmond und schrieb dort seine "Observations on the United Provinces of the Netherlands" und einen Teil seiner "Essays". 1672 berief ihn Karl wieder ins Amt, 1674-79 weilte er als Gesandter im Haag, schloß den Frieden mit den Niederlanden ab und leitete die Vorverhandlungen für die Ehe des Prinzen Wilhelm von Oranien mit Karls ältester Nichte Maria. T. gehörte zu den vertrautesten Räten der Krone, legte aber nach der Parlamentsauflösung vom 10. Jan. 1681 sein Amt nieder und lebte bis zu seinem Tod 27. Jan. 1699 auf Sheen. Seine "Works" erschienen London 1750 (2 Bde.) und 1814 (4 Bde.). Swift gab seine "Memoirs" (2 Bde., Lond. 1709) und "Letters" (2 Bde., 1700) heraus. - Vgl. Courtenay, Memoirs of the life, works and correspondence of Sir Wi11iam T. (2 Bde., Lond. 1836); Emerton, Sir William T. und die Tripelallianz (Berl. 1877).

Templeisen, die Ritter des Grals (s. d.).

Templer, Templerorden, s. Tempelherren. - T. ist auch Bezeichnung für die Mitglieder der Tempelgesellschaft (s. d.).

Templin. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Potsdam, hat 1435,65 qkm und (1895) 46 101 (22 843 männl., 23 258 weibl.) E., 3 Städte, 71 Landgemeinden und 75 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis T., an dem mit der Havel durch den 12 km langen schiffbaren Templiner Kanal verbundenen Templiner See und der Nebenlinie Löwenberg-T. (33,1 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Prenzlau), ist Dampferstation und hat (1895) 4433 E., darunter 67 Katholiken und 25 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, alte Stadtmauer aus Feldsteinen, Hospital; Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, Ziegel- und Kalkbrennerei, Ackerbau, Viehzucht und Holzhandel. Im Frieden zu T., 25. Nov. 1317, behauptete Markgraf Waldemar von Brandenburg sein Gebiet gegen seine Feinde.

Templiner Kanal, s. Templin und Tabelle I zur Karte: Die Schiffahrtsstraßen des Deutschen Reiches, beim Artikel Schiffahrtskanäle.

Templiner See, s. Templin.

Tempo (ital.) oder Zeitmaß, in der Musik die Angabe der Geschwindigkeit, in der ein Tonstück vorgetragen werden soll. Gewöhnlich unterscheidet man fünf Hauptgrade des T.: Largo, Adagio, Andante, Allegro und Presto. Dazu kommen in der langsamen Bewegung: Lento, Grave und Largetto, in der mittlern: Andantino, Moderato, Alegretto u. s. w., und in der geschwinden: Vivace und Prestissimo. Diese Bezeichnungen passen aber vielfach nicht auf die ältern Werke; bei Händel z. B. bezeichnet Largo dem Notenwerte nach ein schnelleres T. als Adagio. Für einen richtigen Vortrag ist es daher wesentlich, die abweichenden Bezeichnungen und den Stil der verschiedenen Zeiten zu kennen. Soll der Grad der Langsamkeit oder Geschwindigkeit noch vermehrt oder vermindert werden, so bezeichnet man dies durch Zusätze. Der Ausdruck tempo rubato, der angiebt, daß der einen Note an Zeit zugelegt wird, was der andern genommen ist, bezieht sich nicht auf das Zeitmaß, sondern auf den Takt und die Taktteile (s. Rubato). Über Giusto tempo s. d; über Istesso tempo s. Istesso. Oft wird das herrschende Zeitmaß unterbrochen durch Verzögern (rallentando oder ritardando) oder durch Beschleunigung (accelerando, stringendo oder più stretto), oder es wird dem Vortragenden überlassen, eine Stelle im losern Zeitmaße vorzutragen (a piacere), in welchem Falle sich oft die Begleitenden nach ihm richten sollen (colla parte); soll das strengere oder frühere Zeitmaß wieder eintreten, so wird dies durch a tempo oder tempo primo angegeben. Ein ganz freies, wechselndes T. herrscht im Recitativ (s. d.). Zur feststehenden Bestimmung des T. eines Tonstücks dient der Taktmesser (s. d.).

Das Wort T. gebraucht man auch für das Maß der Geschwindigkeit bei Bewegungen von Truppen (s. Marsch und Schritt) und Pferden (s. Gänge) sowie beim Feuern (s. Feuerart).

Tempo, ältere japan. Scheidemünze, s. Sen.

Tempora, Mehrzahl von Tempus (s. d.).

Temporal (lat.), zeitlich; weltlich; ferner soviel wie auf die Schläfen bezüglich, z. B. Arteria temporalis, Schläfenschlagader.

Temporalien (lat.), die mit einem kirchlichen Amte verbundenen weltlichen Rechte und namentlich Einkünfte im Gegensatz zu den Spiritualien, den mit dem Kirchenamt verbundenen geistlichen Machtbefugnissen. Soweit die T. in Deutschland in Hoheits- und Regierungsrechten bestanden, sind sie durch die Säkularisationen fortgefallen, diese haben aber auch gleichzeitig zu Wege gebracht, daß die übrigen T. fast durchweg in Staatsleistungen um-^[]