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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tetraktinelliden - Tetschen

dialen Längskammerscheidewände (Septen) nach der Grundzahl Vier (einem Hauptseptum, einem Gegenseptum und zwei Seitensepten) angeordnet sind. Viele Tausende von Arten sind schon aufgefunden, besonders den Geschlechtern Zaphrentis, Cyathophyllum, Streptelasma, Omphyma u. a. angehörig, teils Einzelbecher, teils Stöcke, aber keine eigentlichen Riffe bildend, darunter die seltsame, mit Deckel versehene Pantoffelkoralle (Calceola sandalina, s. d.), Goniophyllum, Cystiphyllum u. s. w. Es giebt zwei Hauptgruppen der T.: 1) die weit größere der Expleten, bei denen die Radialfächer des Bechers u. s. w. noch durch Querböden, kreisförmige Scheidewände, blasige Gebilde u. s. w. abgeteilt sind, und 2) die einfachen Inexpleten (s. Tafel: Petrefakten der Paläozoischen Formationsgruppe I, Fig. 9; II, Fig. 1, 8 u. 10; III, Fig. 12, beim Artikel Paläozoische Formationsgruppe). - Vgl. Milne-Edwards und Haime, Histoire naturelle des coralliaires (Par. 1857-60).

Tetraktinelliden oder Vierstrahler, s. Tetractinellidae.

Tetralogie (grch.), bei den Griechen eine zusammenhängende Folge von vier Dramen, drei Tragödien, die ihrerseits als Trilogie zusammengefaßt wurden, und einem Satyrspiel (s. d.). Der sachliche Zusammenhang der behandelten Stoffe oder die Einheitlichkeit der allen zu Grunde liegenden Idee verband die vier Stücke zu einem größeren Ganzen, doch scheint es schon während der klassischen Zeit eine Menge von T. ohne nähern stofflichen oder ideellen Zusammenhang gegeben zu haben. Der Schöpfer oder wenigstens der bedeutendste Meister dieser trilogischen und tetralogischen Kompositionen ist Äschylus (s. d.), von dem allein auch eine vollständige Trilogie erhalten ist, die sog. "Orestie"; das dazugehörige Satyrspiel "Proteus" ist verloren. T. nennt man bisweilen auch eine Verbindung von je vier Werken anderer Litteraturgattungen zu einer Gruppe, wie z. B. ein gewisser Thrasyllus (Zeitgenosse des Augustus und Tiberius) die Dialoge des Plato nach T. geordnet und Antiphon (s. d.) Reden in der Form von T. verfaßt hat.

Tetramera, s. Käfer.

Tetrameter (grch.), ein Vers, der aus vier Füßen besteht, und zwar im trochäischen, iambischen und anapästischen Rhythmus, wo man zwei Trochäen oder Iamben als einen Doppelfuß oder eine Dipodie (s. d.) zählt, aus vier solchen Dipodien, in den daktylischen und andern Versen aber aus vier einfachen Füßen. Die deutschen Dichter haben seit Gryphius besonders den iambischen T. (Oktonarius) häufig angewendet. In katalektischen T.(s. Katalexis) ist Dingelstedts "Althess. Sage" verfaßt:

Im Scharfenstein gen Mitternacht erwacht ein heimlich Leben,

Wie Hufschlag und wie Schwerterklang hörst du's tief drinnen beben, u. s. w.

Ein Beispiel von akatalektischen T. giebt Platens "Harmosan":

Schon war gesunken in den Staub der Sassaniden alter Thron,

Es plündert Mosleminenhand das schätzereiche Ktesiphon, u. s. w.

Auch den daktylischen und die übrigen Arten von T. haben neuere Dichter, vorzüglich Platen, glücklich angewendet.

Tetramethylbenzol, s. Durol.

Tetrandria, s. Tetrandus.

Tetrandrus, tetrandrisch (grch.) oder viermännig, jede Blüte mit vier gleichlangen, nicht miteinander verwachsenen Staubgefäßen. Im Linnéschen System trägt die 4. Klasse den Namen Tetrandria, sie umfaßt alle Pflanzen mit zwitterigen tetrandrischcn Blüten.

Tetranychus, s. Spinnmilbe.

Tetrao (lat.), der Auerhahn (s. d. und Tafel: Hühnervögel I; T. cupido, s. Prairiehuhn und Taf. I, Fig. 4; T. tetrix, s. Birkhuhn und Taf. I, Fig. 6; T. umbellus s. Kragenwaldhuhn; T. urogallus, s. Auerhahn und Taf. I, Fig. 1).

Tetraonerythrin, Name eines besondern roten Farbstoffs, der sich in einer bei den männlichen Waldhühnern oberhalb der Augen gelegenen, nackten, warzigen und roten Hautverdickung findet.

Tetraonidae, s. Rauchfußhühner.

Tetraoninae, s. Waldhühner.

Tetrapneumones, s. Vierlunger.

Tetrarch (grch.), Vierfürst, im Altertum einer von den vier Beherrschern eines Landes (z. B. in Galatien).

Tetras (grch.), s. Vier.

Tetrasporen, s. Rhodophyceen.

Tetrastemma, s. Schnurwürmer und Tafel: Würmer, Fig. 8.

Tetrathionsäure, s. Polythionsäuren.

Tetrax, die Zwergtrappe, s. Trappe.

Tetraxitische Goten, s. Ostgoten.

Tetrazofarbstoffe, s. Azofarbstoffe.

Tetrazoverbindungen, s. Disazoverbindungen.

Tetrobolon, s. Obolos.

Tetrodon, s. Igelfische.

Tetronal, Diäthylsulfondiäthylmethan, tafelförmige Krystalle oder Blättchen, die bei 85° schmelzen, in Wasser schwer, in Alkohol leicht löslich sind und einen kampferartigen und zugleich bittern Geschmack besitzen. T. wird in der Medizin in Gaben von 1 bis 2 g als Schlafmittel benutzt.

Tetrosen, s. Zuckerarten.

Tetschen. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 602,90 qkm und (1890) 97 818 (47 020 mannl., 50 798 weibl.) deutsche E. in 80 Gemeinden mit 159 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Bensen, Böhmisch-Kamnitz und T. - 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts (281,97 qkm, 47 528 E.) und Hauptzollamtes, gegenüber von Bodenbach (s. d.), nahe der sächs. Grenze, am rechten Ufer der Elbe, oberhalb der Einmündung der Pölzen oder Pulsnitz, an den Linien Bodenbach-Warnsdorf und Bodenbach-Böhmisch-Leipa der Böhm. Nordbahn, Wien-Prag-T. (458 km) der Österr. Nordwestbahn und Dresden-T. (61,9 km) der Sächs. Staatsbahnen, liegt an der Nord- und Ostseite des Schloßbergs und hat (1890) 6701, als Gemeinde 7299 deutsche E., zwei Eisenbahnbrücken, eine Kettenbrücke (1854), eine sehenswerte Pfarrkirche (1687), die 1749 gegründete, 1877 vollendete Wenzelskirche, Stadthaus, schönen Nordwestbahnhof, Staats-Handwerksschule, Gewerbliche Zeichenschule, Schifferschule; Fabrikation von Steinnußknöpfen, Chemikalien, Seife, Cellulose, Blechemballagen, Kartonnagen, Fischkonserven, Bunt- und Glacépapier, Baumwollspinnerei, Gipsmühle, Brauerei, Handel mit Getreide, Holz und Obst. T. ist Hauptstapelplatz für die Elbschiffahrt und bildet mit seinen schönen, zum Teil wildromantischen Umgebungen den End- und Glanzpunkt des zur Sächsisch-Böhmischen Schweiz gerechneten Teils des Elbthals. Auf einem 47 m hohen Sandsteinfelsen das prächtige gräfl. Thunsche Schloß T., 1667-73 erbaut und 1788 erneuert. Es hat einen 50 m hohen Turm, eine Bibliothek (40 000 Bände), ein Archiv, große Münzen- und Waffensammlung und