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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Themse; Themsetunnel; Thenard

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Themse - Thénard

ihn entdeckt und mit der Befestigung begonnen. Die auswärtigen Verhältnisse, die Kämpfe erst mit Persien, dann mit Ägina, die Streitigkeiten mit seinen polit. Gegnern Megakles, Xanthippus, Aristides traten der Vollendung seiner Pläne entgegen. Als aber 483 der letzte Gegner Aristides durch Ostracismus beseitigt worden war, beherrschte T. wieder die Lage allein und brachte ein Gesetz durch, daß in den folgenden Jahren aus dem Überschuß der Einkünfte aus den Bergwerken von Laurion 100 neue Kriegsschiffe gebaut werden sollten. Beim Heranrücken des Heers von Xerxes bewog er nach der Schlacht bei Thermopylä (480 v. Chr.) die Athener, ihre Stadt, die gegen die Übermacht der Perser nicht zu halten gewesen wäre, preiszugeben und sich, nachdem sie Weiber, Kinder und Greise auf der Insel Salamis und in Trözen in Sicherheit gebracht, auf die Flotte zurückzuziehen. Er war es auch, der mit der gewaltigsten Anstrengung und in fortwährendem Widerstreite gegen die engherzigen Gedanken der Peloponnesier die griech. Flotte in der Meerenge von Salamis zusammenhielt und sie nötigte, den Kampf mit der persischen hier aufzunehmen (im Sept. 480 v. Chr.). So ward er der Retter Griechenlands. Das zerstörte Athen wurde dann auf T.' Rat in weiterm Umfange aufgebaut und stark befestigt. Die Versuche Spartas, die Vollendung des Mauerbaues zu hindern, wußte er mit großem diplomat. Geschick zu vereiteln. Auch die Peiraieusbefestigung konnte er jetzt vollenden und bei der Aufrichtung des Attischen Seebundes mitwirken. T. stand auf dem Gipfel seines Ruhms; aber sein stolzes Selbstbewußtsein und sein rücksichtsloses Auftreten arbeitete seinen polit. Gegnern, die von Sparta unterstützt wurden, in die Hände, und es gelang diesen 470 v. Chr., durch einen Ostracismus seine Entfernung aus Athen durchzusetzen. Er wählte Argos als Aufenthalt und betrieb von hier aus eine energische Agitation gegen Sparta. Dabei trat er in Verbindung mit dem gleichfalls gegen die lakedämonische Regierung erbitterten Pausanias (s. d.). Dessen Verurteilung wegen pers. Umtriebe zog T.' Fall nach sich. Auf Drängen der Spartaner in Athen wegen Hochverrats angeklagt, floh er (467) zunächst nach Korkyra, von hier zum Molosserkönig Admetos nach Epirus, endlich zum Perserkönig (465). Artaxerxes I., der glaubte in ihm ein geeignetes Werkzeug zur Rache an den Hellenen zu finden, nahm ihn freundlich auf und verlieh ihm die Stadt Magnesia am Mäander als fürstl. Sitz mit den Einkünften verschiedener anderer kleinasiat. Städte. Hier lebte T., bis ihn 459 ein schneller, angeblich nicht natürlicher Tod vor der traurigen Notwendigkeit rettete, zusammen mit dem Nationalfeinde seine eigenen Mitbürger zu bekämpfen. Aus dem Altertum ist eine ausführliche Lebensbeschreibung des T., von Plutarch, eine kürzere von Cornelius Nepos vorhanden. Die unter T.' Namen auf uns gekommenen 21 griech. Briefe sind unecht. - Vgl. Bauer, Themistokles (Merseb. 1881).

Themse (engl. Thames; frz. Tamise; im Altertum Tamĕsis oder Tamĕsa; angelsächs. Taemese), der größte Fluß Englands (s. Karte: England und Wales), in seinem obern Laufe bis Oxford von den Gelehrten Isis benannt, entspringt in einer Höhe von 114 m an der Grenze von Wiltshire und Gloucestershire aus dem im Sommer wasserarmen Thames-Head, nicht weit südwestlich von Cirencester. Sie fließt ostwärts über Cricklade nach Oxford, wo sie links den Cherwell aufnimmt. Dann läuft sie bis Reading südostwärts, wird bei Dorchester durch die schiffbare Thame verstärkt, aus deren und der sog. Isis Namen die Benennung T. korrumpiert sein soll. Weiterhin bespült der Fluß den westl. Rand der kreidigen Chiltern-Hills. Von Reading an fließt die T. in mehrern Bogen wieder gegen Osten, zunächst durch das Waldthal von Henlev, Marlow und Maidenhead nach Windsor und Eton. Bei Staines betritt sie Groß-London (s. die drei Karten zum Artikel London), das sie bei Erith wieder verläßt, berührt Gravesend und mündet zwischen Sheerneß und dem Kap Shoeburyneß in Essex, 75 km unterhalb London in die Nordsee. Bei Sheerneß nimmt sie den Namen Nore, weiterhin, bis zu ihrer meerbusenartigen Erweiterung, den Namen Swin an. Vom Norelight, dem schwimmenden Leuchtfeuer im Nore, beträgt der direkte Abstand bis zur Quelle 202 km, die ganze Stromentwicklung 349,8 km, wovon 316,5 km (bis Lechlade) schiffbar sind. Die Breite beträgt bei Greenwich zur Ebbezeit 550 m, bei London-Bridge 243, von hier bis zu den Westindia-Docks, wo sie von den Schiffern "Pool" genannt wird, zwischen 210 und 440 m. Bei Woolwick steigt die Breite auf 447, bei Gravesend auf 731 und 5 km abwärts auf 1179 m. Von London aufwärts aber wird sie sehr schmal. Mit Ausnahme einiger Untiefen (shoals) hat die T. bis zur London-Bridge aufwärts 3,6 bis 4,3 m Tiefe. Die Flut steigt alle 12 Stunden 4-7 m senkrechter Höhe mit einer Schnelligkeit von 3 bis 4 km auf die Stunde. Bis Deptford ist der Fluß für die größten Seeschiffe, wie Ostindienfahrer und Kriegsschiffe, fahrbar, bis Blackwall für Schiffe von 1400 t, bis London-Bridge für Schiffe von 300 t. Ihrer Tiefe und der Gunst der Meeresflut verdankt sie und namentlich London einen Verkehr, wie ihn kein Strom der Welt aufzuweisen hat. Von London aufwärts bis Lechlade (240 km oberhalb London-Bridge) kann die T. nur mit Barken vermittelst mehrerer Schleusen (im ganzen 34) befahren werden. Mit dem Innern des Landes ist sie durch viele Kanäle in Verbindung gesetzt, darunter der Grand-Junction-, Oxford-, Paddington-, Regent-, Thames- und Severnkanal. Der gewöhnliche Wasserweg zwischen London und Bristol ist jedoch der Kennet- und Avonkanal, welcher, 11 km lang, von Reading nach Bath am Avon führt.

Das Flußgebiet der T. gehört 12 Grafschaften an und umfaßt 13 370 qkm. Von links münden der Windrush, der Colne bei Staines, der Brent bei Brentford und der Lea bei Blackwall; von der rechten Seite der Kennet bei Reading, der Wey oder Wye bei Weybridge, und der Darent. Nur Lea, Kennet, Wey und Darent sind für die Schiffahrt von Bedeutung. Außerdem gilt als Nebenfluß der Medway (s. d.), der wichtigste von allen.

Themsetunnel, s. Tunnel.

Thenard (spr. -nahr), Louis Jacques de, franz. Chemiker, geb. 4. Mai 1777 zu Louptière bei Nogent-sur-Seine, war erst Repetent und dann bis 1837 Professor der Chemie an der Polytechnischen Schule zu Paris, zugleich bis 1840 Professor der Chemie am Collège de France und an der Faculté des Sciences, seit 1810 Mitglied des Instituts, wurde 1824 baronisiert und war von 1833 bis 1848 Pair von Frankreich. Er starb 20. Juni 1857 zu Paris. Unter seinen Arbeiten sind hervorzuheben die Entdeckung des Wasserstoffsuperoxyds und des nach ihm genannten Blaus (s. Thénards Blau),