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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Thenardit; Thénards Blau; Thennenbach; Theobroma; Theobromin; Theodat; Theoderich; Theodicee; Theodolit

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Thenardit - Theodolit

sowie seine Studien über die zusammengesetzten Äther oder Ester, über die Galle, die mit Gay-Lussac ausgeführten Untersuchungen zur Elektrolyse, über die Alkalimetalle und über die Elementaranalyse organischer Verbindungen. Er schrieb "Recherches physico-chimiques faites sur la pile" (gemeinschaftlich mit Gay-Lussac, 2 Bde., Par. 1811), Traité de chimie élémentaire, théorique et pratique" (4 Bde., ebd. 1813-16; 6. Aufl., 5 Bde., ebd. 1833-36; deutsch von Fechner, Lpz. 1825-30).

Thenardit, Mineral, s. Glaubersalz.

Thénards Blau, Kobaltoxydulthonerde, Kobaltblau, Königsblau, Leidener Blau, Kobaltultramarin, die Verbindung von Kobaltoxydul mit Thonerde, eine blaue, gegen Säuren vollständig widerstandsfähige Farbe, die aber bei Lampenlicht schmutzigviolett erscheint; sie entsteht durch Vermischen der Lösungen von 100 Teilen Alaun und 5 bis 10 Teilen Kobaltsulfat, Verdampfen zur Trockne und anhaltendes Glühen des Rückstandes.

Thennenbach, Klosterruine bei Emmendingen (s. d.) in Baden.

Theobroma, der Kakaobaum (s. d. und Tafel: Columniferen, Fig. 1).

Theobromin, C7H8N4O2, Dimethylxanthin, C5H2(CH3)2N4O2, eine organische Base, die sich in den Kakaobohnen (zu etwa 1-2 Proz.) und in gewissen Sorten von Thee findet. Es bildet ein weißes krystallinisches Pulver von schwachbitterlichem Geschmack, das sich nur sehr wenig in heißem Wasser, Alkohol und Äther löst. Mit Silberoxyd geht es eine Verbindung ein. Wird diese Verbindung mit Jodmethyl behandelt, so geht es in Caffeïn über, mit welchem das T. in chem. und physiol. Hinsicht die größte Ähnlichkeit hat. Mit salicylsaurem Natrium verbunden bildet T. das neuerdings viel gebrauchte Arzneimittel Diuretin (s. d.).

Theodat (Theodahad), König der Ostgoten aus dem Geschlecht der Amaler, Vetter der Königin Amalasuntha, großer Grundherr in Tuscien, verhandelte heimlich mit dem oström. Kaiser Justinianus I., um diesem Italien ohne Schwertstreich in die Hände zu spielen und sich selbst eine große Belohnung zu sichern. Als ihn Amalasuntha 534 zu ihrem Mitregenten erhoben hatte, beeilte er sich, ihre persönlichen Anhänger zu beseitigen, um dann die Königin selbst gefangen nach einer Insel des Bolsener Sees führen und daselbst ermorden zu lassen. Darauf erklärte ihm der Kaiser den Krieg, der 535 durch Belisar eröffnet wurde; T. aber zeigte sich unentschlossen und feig. Als dann Belisar im Febr. 536 in Unteritalien landete und Neapel eroberte, stürzte eine got. Heeresversammlung T. vom Throne und wählte Vitiges zum König. T. wurde auf der Flucht von Rom nach Ravenna im Dez. 536 durch den Goten Optari getötet.

Theoderich, s. Theodorich.

Theodicee (grch., d. h. Rechtfertigung Gottes), der philos. Versuch, den Glauben an die Vorsehung und göttliche Weltregierung gegen die Einwürfe aufrecht zu erhalten, die in dem Vorhandensein des physischen Übels und des moralisch Bösen gegen die Güte und Gerechtigkeit Gottes zu liegen scheinen. Schon Plato, die Stoiker, Augustinus, Thomas von Aquino, Campanella u. a. haben versucht zu zeigen, wie das Sittlich-Böse sich mit der Heiligkeit und Gerechtigkeit des höchsten Wesens vereinigen lasse. Das Wort T. kam erst auf, nachdem Leibniz sein Werk "Essai de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme et l'origine du mal" (2 Bde., Amsterd. 1710; deutsch von Habs, Lpz. 1884) geschrieben hatte. Die Absicht Leibnizens geht nicht dahin, das physische Übel und das moralische Böse zu leugnen, sondern es als Ausdruck der notwendigen Beschränktheit jeder geschaffenen Welt darzustellen (s. Leibniz). Die kritische Philosophie leistete auf eine Beantwortung der jedem Versuche einer T. zu Grunde liegenden Fragen Verzicht. (Vgl. Kant, Über das Mißlingen aller philos. Versuche in der T., 1791.) In den spätern idealistischen Systemen trat das Interesse an den Fragen der T. zurück, bis die pessimistische Philosophie Schopenhauers (s. d.) sie wieder in Fluß brachte. (S. auch Optimismus.)

Theodolit, das in der Geodäsie am meisten gebrauchte Instrument zum Messen von Horizontalwinkeln, häufig auch zum Messen von Vertikalwinkeln eingerichtet. Den Hauptbestandteil jedes T. bildet ein auf seinem Rande mit größter Sorgfalt geteilter Horizontalkreis (Limbus), um dessen Mittelpunkt ein mit einem Zeiger (Alhidade) versehenes Fernrohr in horizontaler Richtung drehbar ist. Zur genauen Horizontalstellung des Limbus ist eine Libelle an dem T. angebracht. Zum Gebrauch zu Höhenmessungen ist ein zweiter, vertikal gestellter Kreis erforderlich, um dessen Mittelpunkt das Fernrohr sich auf- und abwärts bewegen läßt. Zum Ablesen der Vertikalwinkel muß dann auch eine zweite Alhidade mit dem Fernrohr verbunden sein. Das ganze Instrument ruht auf einem dreibeinigen Fußgestell und kann mittels Stellschrauben beim Gebrauch auf einem Stativ, einem steinernen Pfeiler oder einer andern festen Unterlage horizontal gestellt werden. Zum Ablesen der gemessenen Winkel dienen entweder mit der Alhidade verbundene Nomen oder bei den feinern Instrumenten Mikroskope. Die Ablesungsvorrichtung ist so angeordnet, daß an zwei oder auch an vier sich einander gegenüber liegenden Stellen des Kreises abgelesen werden kann. Der horizontale Limbuskreis ist bei den einfachen T. fest mit dem Fußgestell verbunden; bei den sog. Repetitionstheodoliten ist er um eine durch seinen Mittelpunkt gehende vertikale Achse drehbar. Der Vertikalkreis ist bei den meisten T. fest mit dem Fernrohr verbunden und dreht sich mit diesem zugleich; die zugehörige Alhidade ist hier an einem der Fernrohrträger befestigt. Der mit Vertikalkreis ausgerüstete T., vielfach auch Universalinstrument genannt, kann durch eine am Fernrohr selbst befestigte Libelle zum Nivellieren gebraucht werden. Ebenso kann das Fernrohr unter Mitbenutzung einer Distanzlatte zum Distanzmessen eingerichtet werden. (S. Tachymeter.) Die Genauigkeit der auszuführenden Winkelmessungen hängt besonders von der Größe der angewendeten Limbuskreise ab, daher unterscheidet man die T. nach der Größe des Durchmessers ihres Horizontalkreises. Bei der preuß. Landesaufnahme sind 10-, 8- und 5zöllige T. im Gebrauch zur Triangulation erster, zweiter oder dritter Ordnung. Die Winkelmessung selbst geschieht folgendermaßen: Man richtet zur Ermittelung eines Horizontalwinkels das Fernrohr des genau im Scheitelpunkt des zu messenden Winkels horizontal aufgestellten Instruments auf das eine der beiden in den Winkelschenkeln liegenden Objekte und liest den Winkelgrad ab, den der Inder des Alhidadenkreises am Horizontalkreis anzeigt. Dann stellt man das Fernrohr auf das zweite Objekt ein, liest