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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Theodora (byzantinische Kaiserin, Gemahlin des Theophilos) – Theodorich

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Theodora (byzantinische Kaiserin, Gemahlin Justinianus' I.'

Sie starb, etwa 40 J. alt, 12. Juni 548. – Vgl. . Marrast, La vie Byzantine au VIᵉ siècle (Par. 1881); Mallet, The Empress T. (in der «English historical Review», Bd. 2,1886); Houssaye, Aspasie, Cléopâtre, Théodora (Par. 1890).

Theodōra, byzant. Kaiserin, Gemahlin des Theophilos, aus Elissa in Paphlagonien gebürtig, war die Tochter des Turmarchen Marinus, stellte, als sie nach dem Tode ihres Gemahls (842) als Vormünderin ihres vierjährigen Sohnes Michael III. die Regierung übernahm, sofort den Bilderdienst wieder her, indem sie den Patriarchen Johannes VII. absetzte, an dessen Stelle Methodius ernannte und eine Lokalsynode nach Konstantinopel berief, die von einem aus ihrem Bruder Bardas, ihrem Oheim Manuel und dem Patricius Theoctistos bestehenden Rate unterstützt wurde. Sie regierte klug und verständig, war zwar in ihren Kriegen nicht immer glücklich, da eine von Theoctistos 843 nach Kreta geführte Expedition mißglückte und der Krieg gegen die Paulicianer (s. d.) in Kleinasien und gegen die sie unterstützenden Sarazenen fruchtlos blieb, andererseits gelang es aber dem Theoctistos Briennios, die Slawen Griechenlands, speciell des Peloponnes, um 849 zu besiegen. Von dem ehrgeizigen Bardas angetrieben, bemächtigte sich Michael III. 12. März 856 des Thrones und setzte seine Mutter ab. Sie wurde aller Würden beraubt und starb 867. Ihr Andenken wird von der griech. Kirche 11./23. Febr. verehrt.

Theodōra, byzant. Kaiserin, Tochter des Kaisers Konstantin VIII., jüngere Schwester der Zoë (s. d.), wurde von dieser 1032 genötigt, sich in ein Kloster zurückzuziehen, aber 1042 durch eine Volksbewegung zur Mitkaiserin erhoben. Ihre Herrschaft dauerte aber nur vom 21. April bis zum 11. Juni, da Zoë sich zum drittenmal mit Konstantin IX. vermählte. Nach dem Tode desselben kam T. schließlich mehr als siebzigjährig 12. Jan. 1055 definitiv auf den Thron, den sie bis zu ihrem Aug. 1056 erfolgten Tode innehatte. Ihr folgte Michael VI. (s. d.).

Theodōra, vornehme Römerin des 10. Jahrh., Gemahlin des «Konsuls und Senators der Römer», Theophylakt, beherrschte Rom und das Papsttum, das sie mit ihren Kreaturen besetzte, in seiner verrufensten Zeit (s. Sergius III., Johann X., XI., XII. [Päpste]) und that sich ebenso wie ihre Töchter Marozia (s. d.) und T. die Jüngere durch ihren sittenlosen Lebenswandel und ihre Gewissenlosigkeit hervor, so daß man die Zeit ihrer Herrschaft als die Epoche der Pornokratie bezeichnet. (S. Papst.) Mit der Absetzung Johanns XII. (963) erreichte die Herrschaft dieser Familie in Rom vorläufig ihr Ende; sie lebte noch einmal wieder auf mit Crescentius (s. d.), dem Sohn T.s der Jüngern.

Theodorēt, griech. Kirchenvater und Lehrer der Antiochinischen Schule, geb. um 390, theologisch gebildet in einem Kloster bei Antiochia, seit 423 Bischof von Cyrus am Euphrat, wurde auf der sog. Räubersynode (449) als Nestorianer seines Amtes entsetzt und in ein Kloster verbannt, aber nachmals durch das Konzil zu Chalcedon (451) zurückberufen. Er starb um 457. Seine Werke wurden von Sirmond und Garnier (5 Bde., Par. 1642 u. 1684), Ludw. Schulze und Nösselt (5 Bde., Halle 1769-74) und Migne (in der «Patrologia graeca7, Bd. 80–84) herausgegeben. Eine Auswahl in deutscher Übersetzung veranstaltete Küpper (in der «Bibliothek der Kirchenväter», Kempt. 1878). – Vgl. Ad. Bertram, Theodoreti, episcopi Cyrensis, doctrina christologica ↔ (Hildesh. 1883); Güldenpenning, Die Kirchengeschichte des T. (Halle 1889).

Theodor Hermann, Pseudonym des Schriftstellers T. H. Pantenius (s. d.).

Theodorich I., westgot. König (419–451), der eigentliche Gründer des Tolosanischen Reichs, erkannte zunächst die durch den Vertrag seines Vorgängers über die Ansiedelung bedingte Oberhoheit des Kaisers an, riß sich aber im Kriege von 421 davon los und regierte dann noch 30 Jahre, von den Zeitgenossen und auch von Rom als ein selbständiger König behandelt (so bei dem Bündnis gegen Attila 451). In der Schlacht auf den Catalaunischen Feldern entschied T. fallend d en Sieg.

Sein Sohn Theodorich II. (453–466) tötete seinen ältesten Bruder Thorismund (451–453) und wurde selbst von dem jüngern Bruder Eurich ermordet. Er war ein Herrscher von ausgezeichneten Gaben und der röm. Kultur zugänglich. Er dehnte das Gebiet nicht nur in Gallien aus, sondern unterwarf auch einen Teil von Spanien.

Theodorich oder Theoderich der Große (got. Thiudareiks, d. i. Volksfürst, in neuhochdeutscher Form Dietrich), König der Ostgoten, Sohn des Amalers Theodemir und der Ereliva, geb. 454 am Neusiedler See in Pannonien, ward mit acht Jahren als Geisel nach Konstantinopel geschickt und blieb dort 10 Jahre lang. Bald nach seiner Rückkehr brach er mit seinem Vater 473 feindlich in das Byzantinische Reich ein, bis der Hof von Byzanz dem ostgot. Volke Wohnsitze in Obermösien bewilligte. T., beim Tode seines Vaters 475 zum König erwählt, nahm lebhaften Anteil an den innern Kämpfen der Römer. Sein Hauptgegner war ein anderer Gotenführer, Theodorich Strabo (gest. 481). T. kämpfte bald für, bald gegen den Kaiser Zeno, wurde aber 484 von ihm zum Konsul ernannt, 486 durch einen Triumph und eine Reiterstatue geehrt und 487, da er Konstantinopel bedrohte, aus Italien abgelenkt, das damals Odoaker beherrschte T. unternahm den Zug jedoch erst auf Beschluß seines Volks und besiegte Odoaker 489 am Isonzo und bei Verona und 490 an der Adda. Da sich Odoaker dann aber über zwei Jahre in Ravenna hielt, so schloß T. mit ihm einen Vertrag über eine Art gemeinsamer Regierung, beseitigte ihn jedoch 493 durch Mord. Anfangs erkannte T. die Oberhoheit des oström. Kaisers an, dann aber beanspruchte er eine ähnliche Stellung, wie sie die weström. Kaiser eingenommen hatten, und war thatsächlich lange Jahre hindurch der mächtigste aller Herrscher. Außer Italien und Sicilien, Dalmatien und einem Teil von Pannonien waren auch Noricum, Vindelicien und Rhätien mehr oder weniger abhängig von ihm. Sogar aus Esthland und Skandinavien kamen Gesandte zu ihm. Er benutzte diese Macht, um friedliche Beziehungen unter den Nachbarstaaten zu pflegen, und als der Frankenkönig Chlodwig gegen seine Mahnung die Westgoten angriff, schlug er ihn, rettete Spanien und den südlichsten Teil von Gallien für die Westgoten und nahm es auch zunächst unter seine vormundschaftliche Verwaltung. Seine Residenz war meist Ravenna (Raben) oder Verona (Bern der Heldensage).

T. behielt, wie früher Odoaker, die röm. Staatseinrichtungen ziemlich unverändert bei, sowohl am Hofe wie in dem Beamtenstande und in der Verwaltung, und die hervorragendsten Männer der röm. Gesellschaft, wie Cassiodor und Boethius, betraute er mit einflußreichen Ämtern und Aufträgen.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 763.