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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Thu-fu; Thugs; Thugut; Thuin; Thuja

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Thu-fu - Thuja

(Tüb. 1866), "Rechtsgeschichte der Wetterau" (Bd. 1 u. 2, ebd. 1867-85), "Verfassungsgeschichte des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Zollvereins" (ebd. 1869-70), "Deutsches Kirchenrecht des 19. Jahrh." (2 Bde., Lpz. 1877-78), "Bismarcks parlamentarische Kämpfe und Siege" (Bd. 1 u. 2, Stuttg. 1887-90), "Femgericht und Inquisition" (Gieß. 1890), "Geschichte des deutschen Privatrechts" (Stuttg. 1895), "Sala, Salagau, Lex Salica" (Tüb. 1895), "Promachiavell" (ebd. 1897).

Thu-fu (712-770), nächst seinem Zeitgenossen Li-tai-peh (s. d.) der größte lyrische Dichter Chinas. - Vgl. d'Hervey de Saint-Denys, Poésies de l'epoque des Thang (Par. 1862).

Thugs, engl. Schreibung für Thags (s. d.).

Thugut, Franz Maria, Freiherr von, österr. Staatsmann, geb. 8. März 1736 zu Linz, trat 1752 in die orient. Akademie, kam 1754 nach Konstantinopel, wurde 1766 Hofdolmetsch und Hofsekretär in Wien, 1769 Geschäftsträger bei der Pforte, 1770 Resident und 1771 Wirkl. Internuntius und bevollmächtigter Minister und erwirkte als solcher die Abtretung der Bukowina an Osterreich. 1772 wurde er in den Freiherrenstand erhoben; 1778 während des Bayrischen Erbfolgekrieges führte er als Vertrauensmann Maria Theresias die Verhandlungen mit Preußen. 1780 wurde er österr. Gesandter in Warschau, 1787 in Neapel; 1788 beim Ausbruch des Türkenkrieges Bevollmächtigter bei dem Heere des Prinzen von Sachsen-Coburg und Suworows, mit der Bestimmung, die Verwaltung der Moldau und Walachei zu übernehmen; 1790 wurde er mit den Friedensverhandlungen zu Sištov betraut. Nachdem Kaunitz zurückgetreten war und die preußenfeindliche Politik Philipp Cobenzls und Spielmanns, die die Erwerbung Bayerns gegen Abtretung Belgiens angestrebt hatten, infolge der zwischen Rußland und Preußen beschlossenen zweiten Teilung Polens unhaltbar geworden war, trat T. in: Frühjahr 1793 als Generaldirektor an die Spitze des Auswärtigen Amtes. Als Anhänger des Kaunitzschen Systems war er von tiefem Mißtrauen gegen Preußen erfüllt, bereitete der Teilung Polens diplomat. Schwierigkeiten und suchte im Bunde mit England Österreich auf Kosten Frankreichs zu vergrößern. So betrieb er bis Sommer 1794 den Krieg gegen Frankreich. Der Verlust Belgiens durch Jourdans Sieg bei Fleurus (26. Juni) und die ihm folgenden franz. Siege machten aber den Kampf an der deutschen Grenze immer aussichtsloser, während die poln. Frage die österr. Politik immer mehr anlockte. Indem T. dann besonders auf Machterwerb in Italien bedacht war, wandelten die Siege Napoleons 1796 und 1797 auch hier alles zu Gunsten Frankreichs um. Der Friede von Campo-Formio, in dem T. das linke Rheinufer seinen ital. Plänen opferte, erschütterte seine Stellung. Er ging als bevollmächtigter Minister in die neu erworbenen ital. und Küstenprovinzen, wurde aber bald in das Ministerium wieder zurückberufen. Doch schied er schon im Sept. 1800 wieder aus und lebte in Preßburg und Wien den Wissenschaften, vorzüglich der orient. Litteratur. Er starb 29. Mai 1818 zu Wien. - Vivenot veröffentlichte mehrere auf T.s Leben und staatsmännisches Wirken bezügliche Dokumente, wie: T., Clairfait und Wurmser (Wien 1869), T. und sein polit. System (2 Bde., ebd. 1870), Vertrauliche Briefe des Freiherrn von T. (2 Bde., ebd. 1871) und Quellen zur Geschichte der deutschen Kaiserpolitik Österreichs (fortgesetzt von Zeißberg, Bd. 1-5, ebd. 1873-90).

Thuin (spr. tüäng), Stadt in der belg. Provinz Hennegau, an der Sambre, 17 km südwestlich von Charleroi, an den Bahnlinien Charleroi-Erquelines und Lobbes-Thuillies, mit (1890) 5632 E. und zahlreichen Eisenhütten.

Thuja (oder Thuya L.), Lebensbaum, Gattung einhäusiger Sträucher und Bäume aus der Familie der Nadelhölzer (s. d.), Abteilung der Cupressineen, mit 12 Arten in Nordamerika und im östl. Asien. Die schuppenartigen vierteilig gestellten Blätter sind den Zweigen dicht angedrückt. Da diese fast alle in einer Ebene liegen und die Verzweigung zweizeilig ist, so erscheinen die Ästchen selbst wie fein zerteilte Blätter. Die männlichen Blüten sind aus schildförmigen, mit drei bis vier Staubbeutelfächern versehenen, die weiblichen aus flachen, am Grunde zwei flaschenförmige, aufrechte Eichen tragenden Schuppen zusammengesetzt. Die bekannteste Art ist der seit langer Zeit in Gärten kultivierte gemeine oder amerikanische Lebensbaum, T. occidentalis L., der das weiße oder canad. Cedernholz liefert. In Deutschland hält er im Freien sehr gut aus, da er den härtesten Winter ohne allen Nachteil erträgt. Deswegen vertritt er auf den Friedhöfen Norddeutschlands die empfindlichere Cypresse. Er wird in Deutschland oft 12, ja selbst 16 m, in seinem Vaterlande aber 19-21 m hoch. Die blattartige letzte Verästelung ist eirundlich, die Zweige sind mit vielen und kurzen, horizontal ausgebreiteten Ästchen versehen, auf der untern Seite kaum heller, die Blätter ungleich gestaltet, die obern und untern ziemlich flach; die Beerenzapfen sind länglich, zuletzt überhängend, zimmetbraun. Das Holz des Stammes ist fest, zähe und dauerhaft. Die Zweigspitzen und Blättchen (Herba seu Ramuli arboris vitae) dienen als auflösendes, schweiß- und urintreibendes Mittel.

Während der langjährigen Kultur sind mehrere Formen dieses Nadelholzes entstanden, wie T. argentea Hort., deren Blätter teilweise, besonders auf der untern Fläche, von hellblaugrüner Farbe sind; T. Ellwangeriana Hort., an den untern Teilen der Pflanze mit Nadeln, an den obern mit schuppenförmigen Blättern; T. globosa Hort., von gedrängtem, kugelrundem Wuchse; T. Hoveyi Hort., mit breiten und gedrängten Zweigen; T. pendula Lamb., mit überhängenden Ästen, mit der Unterform var. recurva nana von niedrigerm Wuchse; T. Vervaeneana Hort., dauernd von grünlich-goldgelber Färbung, besonders im Sonnenlichte; T. Wareana Booth, von sehr gedrungenem Wuchse. Durch den Frost wird der Baum leicht bräunlich und ist dann lange von unschönem Ansehen.

Eine dem gemeinen Lebensbaum, besonders der Form Wareana ähnliche Art ist T. plicata Donn., der breitzweigige Lebensbaum, nur sind die breiten Zweige weit länger und flacher und bringen nur zwei oder drei verlängerte Ästchen hervor. Beide Flächen der Zweige sind glänzender und heller, als bei T. occidentalis, und deshalb von schönerm Ansehen. Diese Art wächst nur auf der Westseite Nordamerikas. T. gigantea Nutt. ist ein schöner Baum, der in seinem Vaterlande (Nordwestseite Nordamerikas bis nach Kalifornien) oft weit über 35 m, ja bisweilen doppelt so hoch werden soll und wie die gemeine Fichte eine vollkommen pyramidale Form hat. Die langen, reich gegliederten Zweige sind