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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tibetdogge; Tibetische Sprache und Litteratur; Tibia; Tibullus

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Tibetdogge - Tibullus

erlagen. Unter der mongol. Herrschaft wurde Pagspa 1260 als geistliches Oberhaupt der Anhänger der Buddhalehre anerkannt. Nach Vertreibung der Mongolen ans China entwickelte sich aus dieser geistlichen eine weltliche Herrschaft, und der oberste Lama Tson-kha-pa (geb. 1355) aus dem alten königl. Geschlecht (s. Lamaismus) herrschte auch im westlichen T. bis nach Ladach. Mit Anfang des 16. Jahrh. begannen die Einfälle der Westmongolen (Oirat, Ölöt). Um 1566 wurde das Land von den Ostmongolen unterworfen. 1578 erkannten die Ostmongolen Sodnam-Gyamtso als Dalai-Lama an. 1624 fand der Jesuitenpater Andrade bei seiner Anwesenheit in Tschaprang in Ngari das Land unter der Herrschaft von Ladach vor. 1644 besetzte der Kuschi-Chan, der Khoschot eines Mongolenstammes, der sich unter den Tibetern des Kuku-nor-Gebietes niedergelassen hatte, für seinen Freund, den Dalai-Lama, das eigentliche T. Damals wurde auch Ngari wieder mit dem östlichen T. vereinigt. Schon zuvor waren zwei Gesandtschaften an den Hof des Mandschukaisers gesandt, um sich der Hilfe dieser aufsteigenden Macht zu versichern. Später herrschte der Dalai-Lama in Lhassa, während die Nachfolger der Kuschi-Chans von Schigatse aus das westl. Reich beherrschten. Dem vom Depa 1706 aufgestellten Dalai-Lama stellte Ladsan-Chan in Schigatse einen andern gegenüber; indessen erkannte das unzufriedene Volk einen dritten, den 10jährigen Kar-tsang-Gyamtso, an, welcher auf des Kaisers Befehl seinen Aufenthalt in Si-ning nehmen sollte. 1709 und 1717 wurde das innere T. von den Söngaren erobert (s. Dsungarei), welche erst 1719 durch ein chinesisches, von den Khoschoten unterstütztes Heer vertrieben wurden. Nunmehr verwalteten zwei khoschotische Fürsten das vordere und hintere T. unter chines. Oberherrlichkeit. Die von den Söngaren vertriebenen röm.-kath. Missionare durften zurückkehren. Nach dem von den Söngaren geschürten Aufstande von 1724 bekam das Land chines. Besatzung, und bei Gelegenheit der Unterdrückung des Aufstandes von 1747 wurde die Herrschaft der Khoschotenfürsten beseitigt. Ein Statthalter leitete nunmehr im Namen des Dalai-Lama die Verwaltung. Hierzu war zunächst auf den König von Lhassa zurückgegriffen worden; als sich indessen sein Sohn unabhängig zu machen suchte, wurde er 1750 hingerichtet, und seitdem wurden Chinesen und Mandschu zu Statthaltern ernannt. 1786-92 fanden siegreiche Kriege mit den Gorkha von Nepal, 1841 mit Kaschmir statt. Ein Krieg mit Nepal 1854-56 führte zur Zulassung einer Warenniederlage der Gorkha in Lhassa. In den sechziger und siebziger Jahren fanden wiederholt heftige Aufstände statt, ohne indes ernsthaftere Folgen zu hinterlassen. Die Absperrung gegen jeden europ. Einfluß ist in neuerer Zeit so weit getrieben worden, daß die engl.-ostind. Regierung sich ind. Gelehrter (s. Pandit) bedienen mußte, um die Kenntnis des Landes zu vermehren. Infolge von Grenzstreitigkeiten zwischen Sikkim und T. wurde 1890 ein Vertrag geschlossen, der 5. Dez. 1893 in Dardschiling durch Bestimmungen zur Erleichterung des Verkehrs ergänzt wurde. - Vgl. Schlagintweit, Die Könige von T. (Münch. 1866); Ganzenmüller, Tibet (Stuttg. 1878); Feer, Le T. (Par. 1886); Waddell, The Buddhism of T. (Lond. 1892); Sarat Candra Das, Indian Pandits in the land of snow (Kalkutta 1893); Bishop, Among the Tibetans (Lond. 1894); Marston, The great closed land (ebd. 1895), sowie die Reiseberichte Prschewalskijs, Bonvalots, Bowers, Grenards, Littledales, Obrutschews, Rockhills u.s.w.

Tibetdogge, s. Doggen und Tafel: Hunderassen, Fig. 12, beim Artikel Hunde.

Tibetische Sprache und Litteratur. Die tibet. Sprache gehört zu den indochines. Sprachen; sie ist einsilbig (aber mit Spuren vormaliger Mehrsilbigkeit), isolierend (aber mit Spuren von Agglutination, ja Flexion), und ihr Hauptdialekt, das Centraltibetische, hat Tonaccente. Die Schrift der Tibeter ist eine altertümliche Form der ind. Devanagari (s. d.; eine Schriftprobe zeigt die Tafel: Schrift II, 34). Die erste genauere Kenntnis der tibet. Sprache verdankt man dem Ungarn Alex. Csoma, der Grammatik und Wörterbuch (2 Bde., Kalkutta 1834) lieferte, wonach J. J. Schmidt seine Grammatik (Petersb. 1839) und Wörterbuch (ebd. 1811) bearbeitete. Auch erschien (Par. 1858) eine tibet. Grammatik von Foucaux und 1871 zu Gnadau ein reichhaltiges Handwörterbuch von Jäschke, sowie von demselben "Tibetan-English dictionary" (Lond. 1881) und "Tibetan grammar" (2. Aufl., besorgt von Wenzel, ebd. 1883); die heutige Umgangssprache Centraltibets liegt zu Grunde dem "Handbook of colloquial Tibetan" (Kalkutta 1894) von G. Sandberg. Außerdem behandelte Schiefner verschiedene Punkte der tibet. Grammatik, namentlich in seinen "Tibet. Studien". Die Litteratur Tibets ist vorherrschend religiös und besteht zum größten Teile in Übersetzungen aus dem Sanskrit, deren Anfertigung man sich seit der Bekehrung Tibets zum Buddhismus (im 7.Jahrh. n. Chr.) eifrig widmete. Sie alle mit einigen wenigen Originalwerken wurden in zwei Sammlungen aufgenommen, von denen die erste und älteste den Titel "Bkā-'gyur" (spr. Kandschur), d. i. Übersetzung des (Buddha-)Wortes, führt und 100-108 Bände in Folio umfaßt. Sie ist die tibet. Version des Tripiţaka (s. Tipiţaka) der nördl. Buddhistenschule und als solche der eigentliche Kanon. Einzelne Teile davon sind veröffentlicht worden, so besonders "Ryga-tscher-rol-pa", eine Lebensbeschreibung Buddhas (tibetisch und französisch hg. von Foucaux, 2 Bde., Par. 1848-49), "Dzangs-blun" ("Der Weise und der Thor"), eine Sammlung von Legenden und Erzählungen (tibetisch und deutsch von J. J. Schmidt, 2 Bde., Petersb. 1843), zu der Schiefner 1852 Ergänzungen und Berichtigungen gab, "Scher-phyin" (hg. von Pratāpachandra Ghosha in der "Bibliotheca indica", 1883-95) u. a. m. Die zweite Sammlung heißt "Bstan-'gyur" (spr. Tandschur), d. i. Übersetzung von Lehrschriften, 225 Bände in Folio. Sie enthält Hymnen, Rituale und Liturgien, Philosophie und Theologie, Grammatik, Rhetorik, Astronomie, Medizin, mechan. Künste u. s. w. Auch hieraus ist einiges veröffentlicht worden. Eine vollständige Übersicht des Gesamtinhalts beider Sammlungen gab Csoma in den "Asiatic Researches" (Bd. 20). - Außer dieser heiligen Litteratur haben die Tibeter auch eine reiche Profanlitteratur, umfassend geschichtliche Werke, Heldensage, Lieder und Märchen, von der uns mehreres zugänglich gemacht ist. Das tibet. Nationalepos, die Gesarsage, ist bis jetzt nur in ihrer mongolischen Version herausgegeben (von Schmidt).

Tibia (lat.), das Schienbein; ein Blasinstrument der Römer (Schalmei, Flöte).

Tibullus, Albius, röm. Elegiker, aus einer röm. Ritterfamilie, befreundet mit Messalla Corvinus, zu