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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Titus (Gehilfe des Paulus) - Tizian

Biograph Sueton. Zu einer vollen Beurteilung des Regenten reicht freilich die kurze Regierungszeit nicht aus. Unstreitig war T. ein tüchtiger Soldat und ein feingebildeter, liebenswürdiger Mensch, daneben finden sich aber Züge von Willkür, Härte, Verschwendungssucht, die vermutlich bei längerm Leben und Regieren noch mehr zum Durchbruch gekommen wären. - Vgl. Beulé, T. und seine Dynastie (deutsch von Döhler, Halle 1875).

Titus, Schüler und Gehilfe des Apostels Paulus, wurde von Paulus bekehrt und als Missionsgehilfe verwendet. T. begleitete Paulus auf der Reise nach Jerusalem zum Apostelkonvent. Später, als Paulus sich von seinen ältern Genossen, Barnabas und Markus, getrennt hatte, unterstützte er den Apostel bei der Leitung der kleinasiat., macedon. und griech. Gemeinden. Nach dem im Neuen Testament enthaltenen Briefe an ihn hätte er später im Auftrage des Paulus die christl. Gemeinden auf Kreta organisiert, daher ihn die Tradition zum ersten Bischof von Kreta macht. Indessen ist der Brief wie die andern Pastoralbriefe (s. d.) unecht. - Vgl. Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten und Apostellegenden, Bd. 2, 2. Hälfte (Braunschw. 1884).

Tituskopf, Kopf mit kurzem Lockenhaar.

Titusville (spr. teitößwĭl), Stadt im County Crawford im nordwestl. Teil des nordamerik. Staates Pennsylvanien, am Oil Creek (Ölbach), hat (1890) 8073 E. Seit 1859 ist T. Mittelpunkt eines der Hauptöldistrikte; Röhrenleitungen gehen bis zum Atlantischen Ocean. Außer Petroleumraffinerien sind chem. Fabriken, Maschinen- und Kesselwerke vorhanden.

Tiu, s. Tyr.

Tiverton (spr. tiwwĕrt'n), Municipalborough in der engl. Grafschaft Devon, am Exe, mit Taunton durch den Westernkanal verbunden, an zwei Linien der Great-Western-Bahn, zählt (1891) 10 892 E. und hat eine got. Kirche (15. Jahrh.), eine Lateinschule (1599); Eisengießerei, Wollzeugweberei und eine große Spitzenfabrik.

Tivoli, das alte Tibur (s. d.), Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Rom, links am Teverone oder Anio (Aniene), 24 km im ONO. von Rom, an der Eisenbahn Rom-Solmona-Castellammare-Adriatico und einer Dampfstraßenbahn nach Rom, ist Bischofssitz, eng gebaut und hat (l881) 9730, als Gemeinde 10 297 E., viele Reste aus dem Altertum (s. Tibur und Tafel: Römische Kunst II, Fig. 2), ein von Pius II. angelegtes Kastell, die 1549 von Pirro Ligorio im Renaissancestil erbaute prächtige Villa d'Este mit herrlichem Garten, eine Eisenfabrik und das Betriebswerk der elektrischen Stadtbeleuchtung in der sog. Villa des Mäcenas, den öffentlichen Garten Garibaldi und die berühmten Wasserfälle des Teverone (s. Anio).

Tivoliprogramm, das von der Deutschkonservativen Partei auf ihrem 8. Dez. 1892 im Berliner Tivolisaal abgehaltenen Parteitag aufgestellte neue Programm, worin der Sieg der extrem-konservativen (Kreuzzeitungs-)Richtung über die gemäßigtere zum Ausdruck gelangte und zugleich dem Antisemitismus Konzessionen gemacht wurden.

Tiwah, Fest der Dajak (s. d.).

Tiwurzel, Nahrungspflanze, s. Cordyline.

Tixtla, Ciudad-Guerrero, Stadt im mexik. Staate Guerrero, in 1296 m Höhe, am Rande des Hochlandes, nördlich von der jetzigen Hauptstadt Chilpancingo, hat etwa 6000 E.

Tiza, Mineral, s. Boronatrocalcit.

Tizian, eigentlich Tiziāno Vecellĭo (spr. wetsch-), geb. 1477 zu Pieve di Cadore im Friaul, der größte Meister der venet. Malerschule, war wie Palma Vecchio und Giorgione aus der Schule des Giovanni Bellini hervorgegangen. Seine öffentliche Wirksamkeit begann er in Gemeinschaft mit Giorgione, indem er bei der Ausschmückung des im Anfang des 16. Jahrh. wieder neu aufgebauten Kaufhauses der Deutschen (Fondaco dei Tedeschi) am Canale Grande in Venedig mit beschäftigt wurde; doch ist von den 1507-8 ausgeführten Malereien leider fast nichts übriggeblieben. Es folgte dann eine Reihe von Madonnenbildern und sog. Heiligen Konversationen und als Meisterwerk seiner Jugendperiode: Der Zinsgroschen (Galerie zu Dresden; hierzu Chromotafel), worin sich Hoheit der Auffassung und Tiefe der Charakteristik mit gediegener Schönheit des malerischen Vortrags verbinden. 1511 erhielt T. einen größern Auftrag und zwar für Padua, wo er unter anderm in der Scuola del Santo unter Beteiligung des Domenico Campagnola einen Cyklus von Fresken zur Legende des heil. Antonius ausführte, Malereien, welche bei großen koloristischen Vorzügen doch den eigentlich monumentalen Stil vermissen lassen. Sein Können lag aber auch mehr auf dem Gebiete der Staffeleimalerei; das zeigte sich zunächst an dem Altarbild zur Verherrlichung des Markus, des Schutzheiligen der Republik Venedig (jetzt in Sta. Maria della Salute). Gleichzeitig begann seine Thätigkeit als Porträtmaler, die ihm Gelegenheit gab, diesen Zweig der Malerei zu einer bis dahin nicht erreichten Höhe zu erheben. Wenn auch die meisten der Dogenbildnisse T.s beim Brande des Markuspalastes 1577 zu Grunde gegangen sind, haben sich doch zahlreiche andere Porträte von seiner Hand erhalten, welche zu den größten Leistungen ihrer Gattung geboren. Auch wurde ihm Anteil (s. Tintoretto) an den Wandmalereien im Saale des Großen Rates des Dogenpalastes eingeräumt, wo in Ölgemälden die Ruhmesthaten der Republik verherrlicht werden sollten; jedoch ist alles, was T. dort gemalt hat, durch Brände zerstört worden.

Von der gesamten geistigen und polit. Aristokratie Venedigs, namentlich aber von den Höfen der Este in Ferrara und der Gonzaga in Mantua, wurde ihm jetzt große Verehrung entgegengebracht. Für den Herzog Alfonso I. von Ferrara (s. Este) komponierte er um 1520 Bilder aus dem Dionysosmythus und aus dem Kultus der Venus (Bacchanal und Verehrung der Venus durch Liebesgötter, sog. Venusfest, beide im Pradomuseum zu Madrid), welche eine meisterhafte Darstellung des Gegenstandes mit dem Reiz übermütiger Lebensfrische verbinden. Fast zu derselben Zeit war T. mit einer Anzahl Kompositionen religiösen Inhalts beschäftigt, unter denen die 1518 für den Hochaltar der Kirche Sta. Maria dei Frari vollendete Himmelfahrt Mariä (sog. Assunta; jetzt in der Akademie zu Venedig; gestochen von N. Schiavoni) als die bedeutendste hervorragt. Durch dieses Werk begründete er einen neuen kirchlichen Monumentalstil, der durch die Macht der Farbe und des Lichts eine übernatürliche Wirkung hervorbringt. Ein ebenso großartiges Erzeugnis dieses Stils ist die sog. Madonna des Hauses Pesaro, ein Votivbild der Familie dieses Namens, in Sta. Maria dei Frari zu Venedig, von 1526. Gleichzeitig entstanden daneben jene Gemälde, welche der Verherrlichung der Frauenschönheit gewidmet