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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Toblino - Tobolsk

Er starb 21. Jan. 1877 zu München, wo er seit 1871 wohnte. T. veröffentlichte die Volksschrift "Die Hausmutter" (2. Aufl., St. Gallen 1844), "Über die Bewegung der Bevölkerung im Kanton Appenzell" (ebd. 1835), "Appenzellischer Sprachschatz" (Zür. 1837). Früchte seiner Reisen nach dem Orient waren: "Lustreise ins Morgenland" (2 Tle., Zür. 1839), "Bethlehem" (St. Gallen 1849), "Plan von Jerusalem" (ebd. 1839), "Golgatha" (ebd. 1851), "Die Siloahquelle und der Ölberg" (ebd. 1852), "Denkblätter aus Jerusalem" (ebd. 1852). Das Hauptwerk aber ist die "Topographie von Jerusalem und seinen Umgebungen" (2 Bde., Berl. 1853-54), welchem sich die "Planographie von Jerusalem" (Karte im Maßstab 1:4843, Gotha 1858) und der "Beitrag zur mediz. Topographie von Jerusalem" (Berl. 1855) anschlossen. Ferner erschienen: "Dritte Wanderung nach Palästina" (Gotha 1859), "Bilbiographia geographica Palaestinae" (Lpz. 1867) und eine Monographie über Nazareth (Berl. 1868). - Vgl. Heim, Titus T., der Palästinafahrer (Zür. 1879).

Toblino, See und Schloß in Tirol, s. Vezzano.

Toboggan, Indianerschlitten, s. Schlitten.

Tobol, linker Nebenfluß des Irtysch, entspringt am Südostabhange des südl. Ural im russ.-centralasiat. Gebiet Turgaj, bildet zeitweilig die Grenze des Gouvernements Orenburg und mündet nach einem nordöstl. Lauf von 1290,8 km im Gouvernement Tobolsk. Er ist von der Stadt Kurgan an auf 620 km schiffbar (auch gehen Dampfschiffe), mit Eis bedeckt von Anfang November bis Ende April. Hauptnebenflüsse sind: der Uj, Isset mit Mijaß, Tura (schiffbar), Tawda, alle von links.

Tobolsk. 1) Russ. Gouvernement im nordwestl. Teil Sibiriens, zu Westsibirien gehörig (s. Karte: Sibirien. I. Übersichtskarte), grenzt im N. ans Eismeer, im O. an die Gouvernements Jenisseisk und Tomsk, im S. an die Gebiete Semipalatinsk, Akmolinsk und Turgaj, im W. an die europ. Gouvernements Orenburg, Perm, Wologda und Archangelsk und hat 1397 692 qkm (d. i. etwas mehr als Deutschland und Osterreich-Ungarn zusammengenommen) mit (1897) 1 438 655 E., d. i. 1 E. auf 1 qkm. Die Oberfläche bildet zum größten Teil eine Niederung, die sich zum Eismeer senkt. Im NW. etwa bis zum 62.° nördl. Br., südlich bildet das Uralgebirge die Grenze, weiter südlich entfernt sich die Grenze vom Uralgebirge nach O. Die östl. Ausläufer des Gebirges werden sehr bald niedrig und reichen nicht bis zum Flußbett des Ob und des Irtysch. Im O. erreicht die Wasserscheide zwischen Ob und Irtysch bei der Stadt Tara 134 m Seehöhe. Der Süden hat Steppencharakter (die Ischimsche und ein Teil der Barabinschen Steppe), dann folgt ein breiter Raum mit Wäldern und Sümpfen (am größten die Wassjuganischen Sümpfe östlich am Irtysch und Ob), wo allmählich der Ackerbau aufhört, und im N. stellt sich die waldlose Tundra ein. Hauptflüsse sind der Ob mit seinem großen Nebenfluß Irtysch sowie dessen Zuflüssen Tobol (mit Tura und Tawda); sie sind alle schiffbar und Dampfschiffe gehen nördlich bis Beresow, südlich bis Kurgan, Semipalatinsk, Biisk, Kusnezk. Das Eismeer bespült die Nordküste von der Mündung der Kara (im W.) bis zum Südende der Tasbucht, die eine östl. Abzweigung des Obischen Meerbusens ist. Zwischen diesem und der Karischen Bucht ragt die Halbinsel Jalmal ins Meer hinein. An ihrem Nordende liegt die Bjelyj-(Weiße) Insel, die nebst einigen andern zu T. gehörigen Inseln 3257 qkm umfaßt. Seen, zum Teil Salzseen, finden sich besonders im südl. Teil und nehmen im ganzen 10 270 qkm ein. An Mineralien ist T. sehr arm, es fehlen sogar Bausteine und Kalk. Das Klima ist sehr verschieden. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Beresow -4,3°, im Sommer 14,5°, im Winter-21,4° C.; in T. -0,13°, 13,5°, -17,5°; in Tara 0,25°, 20,6°, -19,9°; in Ischim 6,3°, 17,5°, -17° C. In Beresow haben jährlich eine Temperatur von über 0° C. 153, unter 0° C. 212 Tage, in T. 192 und 173, in Tara und Ischim 194 und 171, in Kurgan 204 und 161. Die Bevölkerung, am dichtesten im S., besteht zumeist aus Russen (92,8 Proz.), dann Tataren (47 000), Ostjaken (29 500), Samojeden (6580), Wogulen (5880). Polen, Juden und andere europ. Nationalitäten sind nur spärlich vertreten. Der Religion nach sind 91 Proz. russisch-orthodox, 4 Proz. Mohammedaner, 0,6 Proz. Heiden u. a. Die Beschäftigung besteht im E. aus Ackerbau und Viehzucht, im N. aus Fischerei und Jagd. Der Ackerbau ist südlich von 57¼° nördl. Breite sehr ergiebig; geerntet wurden 1894 an Roggen 1 947 364, Weizen 1,77 Mill., Hafer 2,98 Mill., Gerste 399 786, Kartoffeln 753 470 Tschetwert. Gebaut werden auch Flachs und Hanf. Gezüchtet werden im S. Pferde und Rinder, im N. Renntiere (Bestand etwa 130 000 Stück) und Hunde. Die Wälder geben Material zur Herstellung von Holzwaren, zu Schiffbau, Teersiederei, Handel mit Zirbelnüssen und Beeren. Andere Beschäftigungen sind Fuhrwesen (besonders im S. mit Salz), Seilerei, Kürschnerei, Sattlerei, Teppichweberei (bei Tjumen) u. a. Fabriken giebt es besonders im südwestl. Teil, 1894 im ganzen 2307 mit 4,15 Mill. Rubel Produktion, darunter 299 Gerbereien, 988 Mahlmühlen, 94 Talgsiedereien, 3 Tuch-, 1 Papierfabrik. Ausgeführt werden Getreide, Produkte der Viehzucht, Spiritus, Rauchwaren, Fische eingeführt Kolonialwaren, Manufakturen, Metallwaren, Weine u. a. An Eisenbahnen sind vorhanden 77 km der Uralbahn (Linie Jekaterinburg-Tjumen) und 280 km der Sibir. Eisenbahn (Linie Tscheljabinsk-Omsk), die im SW. das Gouvernement durchschneidet. Es giebt 5 Mittelschulen, 2 Fachschulen und 598 niedere und Elementarschulen. Das Gouvernement zerfällt in 10 Bezirke: Beresow, Ischim, Jalutorowsk, Kurgan, Surgut, Tara, Turinsk, Tjukalinsk, Tjumen und T. - Über die Erwerbung des Landes durch die Russen s. Sibirien. Ein Gouvernement T. wurde 1796 errichtet; es umfaßte zugleich das heutige Gouvernement Tomsk, das 1804 zu einem besondern Gouvernement abgetrennt wurde, und bildete mit diesem 1822-82 das Generalgouvernement Westsibirien. 1868 kamen die Städte Omsk und Petropawlowsk zum Gebiet Akmolinsk und 1876 erhielt der Bezirk Omsk den Namen Bezirk Tjukalinsk. - 2) Bezirk im mittlern Teil des Gouvernements T., durchflossen vom Ob (im N.), Irtysch mit Tobol, hat 124 457,7 qkm, 126 717 E., darunter Tataren (20), Ostjaken (3,6), Wogulen (2,2 Proz.); viele Wälder, Sümpfe, Seen (1212 qkm), nicht ausreichenden Ackerbau, wenig Viehzucht, Waldindustrie. - 3) Hauptstadt des Gouvernements und des Bezirks T. unter 58° 12' nördl. Br. und 68° 14' östl. L. von Greenwich, in 109 m Seehöhe, rechts am Irtysch, unweit der Mündung des Tobol, besteht aus einer obern Stadt mit Festungswerken, um die sich im Bogen die