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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Toda - Todea

rungen ein. die alle nach rein physik. und chem. Gesetzen vor sich gehen. Die hauptsächlichsten und hervortretendsten Erscheinungen nach dem T. sind die der Fäulnis (s. d.), durch welche die organischen Substanzen des menschlichen Körpers in unorganische Stoffe (vorzüglich in Kohlensäure. Wasser und Ammoniak) umgewandelt werden. Es beharrt nun aber der Leichnam vor seiner Zersetzung noch eine Zeit lang in einem Zustande, den man Leichenzustand im engern Sinne des Wortes nennt und der sich durch ganz bestimmte, bald schneller, bald langsamer eintretende Erscheinungen (Leichenerscheinungen) auszeichnet. Zu diesen gehören: die Leichenblässe, die Totenkälte und die Totenstarre (Zusammenziehung der Muskeln durch Gerinnen des Muskeleiweißes), die Totenflecke und das Abplatten der Körperstellen, wo die Leiche aufliegt. Trotz dieser Leichenerscheinungen ist es manchmal doch schwierig, den T. durch das bloße Besichtigen des Körpers mit Sicherheit anzugeben und vom Scheintod (s. d.) zu unterscheiden. Die beste Auskunft giebt hier das Behorchen des Herzens, da Unhörbarkeit der Herztöne am sichersten den T. andeutet. Wahrscheinlichkeit für den T. gewähren: das gebrochene, getrübte und trockne Äuge; das Nichtdurchscheinen der gegen das Licht gehaltenen Finger; die völlig erweiterte und gegen das Licht unempfindliche Pupille, das Nichtfließen von Blut aus geöffneten Blut- und Pulsadern; das pergamentartige Eintrocknen der durch starkes Reiben mit kaustischem Salmiakgeist von Oberhaut entblößten Haut. Beim Scheintoten bleibt die elektrische Erregbarkeit der Muskeln erhalten, während sie bei einer Leiche 1½-3 Stunden nach dem eingetretenen T. erlischt. Das untrüglichste Zeichen des T. ist aber die nach dem Schwinden der Todesstarre eintretende Fäulnis mit blaugrüner Färbung und blasiger Austreibung der Haut, üblem Geruch, Ausfließen mißfarbiger, stinkender Flüssigkeit aus Mund und Nase. - Vgl. Hasselt, Die Lehre vom T. und Scheintod (Braunschw. 1862): Götte, Über den Ursprung des T. (Hamb. 1883); Weismann, Über Leben und T. (Jena 1884); F. dell'Acqua, La morte vera et la morte apparente (Mail. 1897).

Die gewaltige Macht des T. fand auch in Dichtung und Kunst den ergreifendsten und vielgestaltigsten, je nach der verschiedenen Empfindungsweise der einzelnen Zeiten und Völker verschiedenen Ausdruck. Die Alten haben die Gestalt des T. nicht ausdrücklich personifiziert, sondern nur die Wirkungen des T., den Abschied vom Leben (besonders auf griech. Stelen), das Totengericht u. s. f. dargestellt, oder sie beschränken sich auf mytholog. Parallelen (Raub der Proserpina, des Hylas, des Ganymed) oder sie führen den mildern Bruder des T., den Schlaf, vor oder einen Genius (Eros) mit gesenkter verlöschender Fackel. Vgl. die Abhandlungen Lessings und Herders "Wie die Alten den T. gebildet". Den Hebräern (Hiob 5, 2"; Jer. 9,22) ist der T. ein Ackersmann, der den Garten des Lebens jätet und einen Baum nach dem andern bricht. Erst im 17. Jahrh. wird die Darstellung des Totengerippes als Symbol des T. gebräuchlich; das Gerippe führt in der Hand die Sense. Die ital. Renaissance machte nach dem Vorgang von Petrarcas Trionfo della Morte, gestützt auf das Femininum Mors (La Morte), aus dem Sensenmann eine schreckhafte, die Sense schwingende, unheimlich gespenstig aus den Himmelshöhen herabfliegende Megäre; die ergreifende Ausgestaltung dieser Idee ist das berühmte Bild des Trionfo della Morte (Triumph des T.) im Campo santo zu Pisa, das in die Mitte des 14. Jahrh. fällt und früher Orcagna zugeschrieben wurde. Daneben begegnete wiederholt die allegorische Darstellung der"Drei Lebenden und drei Toten", welche auf ind.-buddhist. Legenden zurückzuführen ist. Am reichsten ausgestattet findet sie sich auf einem Fresko des Campo santo zu Pisa, wo drei Könige auf der Jagd auf drei Särge mit Toten stoßen und von Eremiten über die Vergänglichkeit belehrt werden. In dieser Zeit bildete sich auch namentlich im Norden eine eigentümliche Allegorie auf die unentfliehbare Macht des T. und die Vergänglichkeit alles Irdischen aus, der sog. Totentanz (s. d.).

Über den Bürgerlichen Tod s. d.

Toda, ein Dravidastamm (s. Drâvida und Dekanische Sprachen). In den Nilgiri in Südindien haben sich drei Bergvölker von der Hindukultur unberührt erhalten: die Badagar (Burgher, ausgewanderte Kanaresen), das Schmiedevolk der Kotar und das Hirtenvolk der Toda. Die T. stellen den reinsten Typus der Dravidarasse dar. (S. Tafel: Asiatische Völkertypen, Fig. 16, beim Artikel Asien.) Sie halten Rinderherden (Buffalo), von denen ein Stamm hochverehrt wird und deren Erhaltung und religiöser Dienst ihren ganzen Vorstellungskreis ausfüllt. Ihre Priester (Pâl-âl, "Milchmann") stehen in derselben göttlichen Achtung; sie müssen sich durch achttägiges Leben im Walde unter allerlei Ceremonien für ihr Amt vorbereiten und vollziehen den Kult dadurch, daß sie alte Kuhglocken, Beileisen und Waldmesser mit Milch betupfen. Sie bedienen die heilige Herde und melken die Kühe. Die T. haben die Sitte der Polyandrie, mehrere Brüder heiraten eine Frau. (S. auch Indische Ethnographie, Bd. 17.) - Vgl. Metz, The tribes inhabiting the Neilgherry hills (Mangalur 1861); Marshall, A phrenologist amongst the Todas (Lond. 1873).

Todaustreiben oder Todaustragen, ein eigentümlicher Brauch, der sich als Rest eines uralten Volksfestes im östl. und südl. Deutschland, in der Lausitz, in Böhmen, Mähren und Schlesien, in Bayern u. s. w., bei der deutschen wie bei der slaw. ländlichen Bevölkerung erhalten hat und im wesentlichen darin besteht, daß Kinder und junge Leute am Sonntage Laetere (s. d.), der davon auch Todsonntag (stellenweise Rosensonntag) heißt, eine den Tod vorstellende Puppe aus Stroh unter Absingung darauf bezüglicher Liedchen im Orte herumtragen und endlich ins Wasser werfen, oder zerreißen, oder verbrennen. Ganz ähnliche und an denselben Tag geknüpfte Bräuche, die in Meißen, Thüringen und Franken teils ehemals üblich waren, teils noch bestehen, beweisen, daß die alte Festfeier nicht ursprünglich slaw. Herkunft und erst allmählich auf die Deutschen übergegangen, sondern daß sie von jeher beiden Völkern gemeinsam gewesen ist.

Todbestände, s. Bauer, Bauerngut, Bauernstand.

Toddy (engl., verderbt aus dem ind. Tari), im engern Sinne der Palmwein (s. d.), der eine Gärung durchgemacht hat; im weitern Sinne wird aber jeder Palmwein, auch der frische Most, T. genannt. - T. heißt auch ein grogähnliches Getränk aus Branntwein, Wasser, Zucker und Eis, manchmal auch noch mit Muskatnuß (dann Sling).

Todea Willd., Farngattung aus der Familie der Osmundaceen (s. d.), wenige in Australien und