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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Uniformierung; Uniformismus; Uniformitätsakte; Unigenitus; Unigraph; Unikum; Unimak; Unio; Union

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Uniformierung - Union (kirchliche)

ziere der berittenen Truppen hieß Leibrock. (S. auch Waffenrock.)

Uniformierung, ein genau nach Vorschriften über Bestandteile, Schnitt und Farbe hergestellter Anzug, durch den äußerlich die Zugehörigkeit der Träger zu einem bestimmten Stand, besonders zum Heere oder zu gewissen Beamtenklassen (Post, Polizei, Steuer u. s. w.) erkennbar gemacht werden soll. - Über die einzelnen Unterschiede der U. s. Abzeichen (militärische) und Chargenabzeichen.

Uniformismus (neulat.), das Streben nach gleichförmiger Gestaltung in Staat, Kirche u. s. w.; Uniformist, Anhänger des U.; Uniformität, Gleichförmigkeit.

Uniformitätsakte, s. Anglikanische Kirche.

Unigenitus [Deï filius] (lat., "der eingeborene [Sohn Gottes"]), Anfangsworte der vom Papst Clemens XI. Sept. 1713 gegen die Jansenisten (s. d.) erlassenen Bulle. In Frankreich verlor sie ihr Ansehen mit Aufhebung des Jesuitenordens; in Österreich wurde sie 1781 durch Joseph II. unterdrückt.

Unigraph (lat.-grch.), ein von T. A. Bullock & A. C. Brown angegebener, sehr niedlicher und doch sehr empfindlicher Morseklopfer (s. Elektrische Telegraphen, A, 2). Der ganze Telegraph befindet sich in einer Bronzebüchse von 35 mm Höhe und 51 mm Durchmesser, aus der nach vorn ein kleiner Tastergriff heraussteht (s. die nachstehende Figur). In der Büchse, nach vorn zu, steht aufrecht ein kleiner Hufeisenelektromagnet; der bronzierte (oder bronzene) Deckel der Büchse bildet seinen Anker (oder Ankerträger) und dreht sich um zwei durch den obern Büchsenrand gesteckte Schrauben; er ist hohl und wird für gewöhnlich durch eine schwache Feder mit dem rückwärts liegenden Teile auf einen Anschlag niedergedrückt, durch die Telegraphierströme dagegen mit dem nach vorn liegenden Teile auf zwei in die Elektromagnetkerne eingesetzte Stifte herabgeschlagen, was einen ganz hellen und klaren Ton giebt. Der kleine Taster ist einfach zwischen den Elektromagnetschenkeln hindurchgesteckt und hat hinten seinen Ruhekontakt, davor seinen Arbeitskontakt. Dieser U. ist besonders für die Militärtelegraphie bestimmt und für das Erlernen des Telegraphierens.

^[Abb.]

Unikum (lat.), etwas, das in seiner Art einzig ist.

Unimak, die größte Insel der Alëuten (s. d.).

Unio, s. Malermuscheln.

Union (lat.), Bezeichnung einer Art der Staatenverbindung, welche dauernder oder enger gedacht ist als die bloß völkerrechtliche Allianz (s. d.) und die Konföderation. Insbesondere heißt U. die Vereinigung mehrerer Staaten unter einem Monarchen, und zwar Personalunion, wenn die Vereinigung durch ein zufälliges Ereignis, namentlich zufällige Übereinstimmung der Erbfolgeordnungen in beiden Staaten herbeigeführt ist (England und Hannover bis 1837, Schleswig-Holstein und Dänemark bis 1863, Niederlande und Luxemburg bis 1890); Realunion, wenn sie eine dauernde ist und auf einem die Staaten gemeinsam verpflichtenden Rechtsgrunde (Vertrag, Gewohnheitsrecht) beruht (Schweden und Norwegen, Österreich und Ungarn). Über die Verbindung der drei skandinav. Staaten 1397 s. Kalmarische Union; über die Utrechter Union der sieben niederländ. Provinzen 1579 s. Niederlande, Geschichte; über die U. der deutschen evang. Stände 1608 s. Protestantische Union; über die U. in Mecklenburg s. Landesunion. Auch der Akt, wodurch mehrere Staaten sich zu einem verschmelzen, wird oft U. genannt (U. zwischen England und Schottland 1707 zu Großbritannien, zwischen Großbritannien und Irland 1801). - Die Verbindung der von England abgefallenen nordamerik. Kolonien nannte sich anfänglich Konföderation, nahm aber 1787 den Namen U. an (s. Vereinigte Staaten von Amerika, Geschichte); dagegen nannten die 1861 ausgetretenen südl. Staaten ihre nach dem Grundsatze des Staatenbundes gebildete Vereinigung wieder Konföderation. (S. Konföderierte Staaten von Amerika.) - Der von Preußen 1849-50 mit einem Teil der deutschen Staaten geschlossene Bund wurde unter Vermeidung dieses wie des in der Frankfurter Verfassung gebrauchten Ausdrucks Reich als U. bezeichnet. (S. Deutschland und Deutsches Reich, Geschichte.) Neuerdings werden auch Vereine mehrerer Staaten zur Besorgung einer gemeinsamen Verwaltungsangelegenheit durch gemeinsame Einrichtungen (Bureaus, Behörden) mit dem Namen U. bezeichnet (s. Internationale Unionen, Bd. 17).

Union, deutsche, s. Deutsche Union.

Union, kirchliche, die Vereinigung getrennter Kirchenparteien zu einer Gemeinschaft der Sakramente und des Kultus (Kultusunion) oder sogar der Lehre (Bekenntnisunion) oder nur des Kirchenregiments (Regimentsunion). So giebt es eine Vereinigung eines Teiles der griech.-kath., sowie der armenischen Kirche mit der römisch-katholischen (s. Unierte Griechen). Zur Wiedervereinigung der Protestanten und Katholiken wurden vielfach im 17. und 18. Jahrh. Versuche unternommen. Die Evangelische U. zwischen Lutheranern und Reformierten wurde seit Luther oft angestrebt. Landgraf Philipp von Hessen versuchte sie 1529 auf dem Religionsgespräch zu Marburg (s. Religionsgespräche). Luther machte sie unmöglich. Auch später hatten Martin Butzers Bestrebungen keinen Erfolg. Melanchthon und seine Schule hielten die U. religiös für zulässig, politisch für notwendig, mußten aber vor der Engherzigkeit des Luthertums weichen. Das Konkordienbuch (s. d.) von 1580 schnitt jede Annäherung ab und die versöhnlichen Elemente wurden als Kryptocalvinisten (s. d.) in Sachsen verfolgt. Durch Übertritt der brandenb. Kurfürsten zur reform. Kirche kam die Unionsfrage in stärkere Hände. Auch zeigte sich in der Helmstedter Theologenschule des Georg Calixtus (s. d.) eine neue Vermittelungstheologie, und der aufkommende Pietismus (s. Pietisten) ließ die theol. Unterschiede der Schwesterkirchen so gut wie vergessen.

In Brandenburg-Preußen wurde die Unionsfrage seit der Zeit des Großen Kurfürsten mehrfach angeregt. Friedrich Wilhelm III. rief dann am dritten Jubel-^[folgende Seite]