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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Unruhstadt - Unsterblichkeit
meters is. Fig. 4 des Artikels Thermometer) aus
zwei Streifen verschiedener Metalle besteht, wodurch
die Ausgleichung ermöglicht ist. Abbildungen einer
einsacken und einer Kompensationsunruhe sind aus
Tafel: Uhren II, Fig. ^ u. 10 gegeben.
Nnruhstadt, Stadt im Kreis Vomst des preuß.
Reg.-Bez. Posen, nahe rechts an der Faulen Obra
iObrzycko), Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht
Meseritz), hat U895) 1070 E./darunter 285 Katho-
liken und 79 Israeliten, Post, Telegraph, evang.
Kirche, Synagoge, Schloß, höhere Mädchenschule,
Präparandcnanstalt, städtische Sparkasse- Cigarren-
jabrik, zahlreiche Windmühlen, bedeutenden Wein-
und Hopsenbau sowie Schweinehandel.
Unrunde Räder, solche Zahnräder, bei welchen
die Zähne nicht auf Notationskörpern zur Nadachse
augeordnet sind. Hierzn gehören die elliptisch c n
Räder, deren Achse im Brennpunkt einer Ellipse
liegt und bei welchen die Zähne sich auf einem von
dieser Ellipse erzeugten elliptischen Evlinder oder
Kegel befinden, ferner die erc entriscd en Kreis -
räder und deren zugehörige, sowie alle aus beiden
Naderarten abgeleiteten. Da die Nadienvektoren
bei den U. N. nicht konstant sind, ist auch das Über-
setzungsverhältnis (s. d.) veränderlich und diese Ver-
änderlichkeit bedingt die, wenn auch seltenere An-
wendung der U. R., z. B. im Werkzeugmaschinen-
bau, wenn nach gewissen Gesetzen periodisch schneller
und langsamer erfolgende Bewegungen (langsamer
Vor- und schneller Rückgang) auszufübren sind.
Unschattige, soviel wie Ascii (s. d.>.
Unschlitt, s. Talg.
Unschuldig verurteilt, s. Entschädigung iln-
schuldig Verurteilter.
Unsere Liebe Frau, s. Maria (Mutter Jesu).
Unserer Lieben Frauen Würzweihe, s.
August (Mouat).
Unsha (Ilnza). l) Linker Nebenfluß der Wolga,
in den russ. Gouvernements Wologda und Kostroma,
fließt südwestlich und mündet nach 527 km Iurje-
wez gegenüber. Sie ist schiffbar auf 400, für Dam-
pfer auf 104 km. - 2) Linker Nebenfluß der Oka,
128 km lang, nicht schiffbar.
Unsichere Kantonisten, u n s i ch ereDie n st -
Pflichtige, diejenigen, welche sich der Gestellungs-
pflicht entziehen. Sie tonnen von der Losung aus-
geschlossen und sofort in das Heer eingestellt werden.
i,S. Dienstpflicht.) Inseln (s. d.).
Unst (spr. önnst), die nördlichste der Sbetland-
Unsterblichkeit, die Fortdailer der menschlichen
Persönlichkeit nach dem Tode. Der Glaube an eine
persönliche Fortdauer beruht auf dem Triebe des
Mensckengeistes, sein im Selbstbewußtsein als un-
ter allem Wechsel bebarrend erlebtes Dasein aucb
die mit dem Tode eintretende Veränderung über-
dauern zu sehen; insbesondere nachdem er es als
ein von allem unbewußtem oder nur animalischem
Leben verschiedenes und eigentümlich wertvollem
erkannt und genossen hat; daher ihm seine Ver-
nichtung als unnatürlich und widersinnig erscheint.
Die älteste Form dieses Glaubens ist die Manen-
vercbrung oder die Vorstellung, daß der Tote auf
geheimnisvolle Weise seine bisherige Thätigkeit fort-
setze. (S. Manen.) Ein fortgeschrittenerer Stand-
punkt ist es, wenn, wie dies ebenfalls bei vielen
Naturvölkern der Fall ist, der Zustand und das Tbun
des Toten als von seinem bisberigen verschieden
vorgestellt wird. Dieser Stufe gebort die Auffassung
der abgeschiedenen "Seelen" als Schatten (grcl>.
Vrockkmus' Konversation? Lcxikon. 11. Aufl.. XVI.
"Mola), als "Geister", "Gespenster" oder "Dämonen"
an. Auch auf dieser Stufe sind die Seelen keines-
wegs rein geistig gedacht; es kommt ihnen eine
schattenhafte, gespenstige Leiblichkeit, gleichsam eine
körperlose Leiblichkeit zu.
Wesentlick derselben Entwicklungsstufe gehört die
Annahme an, daß die Seelen der Toten ihren
bisherigen Körper verlassen und wieder in ibn
zurückkehren, oder auch in andere Körper fahren
tönneu. Der sog. Totemismus (s. Totem) der
Indianer berubt auf der Anschauung, daß die
Seelen der Vorfahren in Tierkörper gefahren sind.
Verwandt ist die Lehre von der Seelenwanderung
ls. d.j, die bei den Indiern zu einer philos. Theorie
über einen wiederholten Neinigungsprozeß der
sündigen Seele ausgebildet ist. Dem gegenüber
gründet sich die bei den Griechen und den alten
Hebräern verbreitete Vorstellung von einem Schat-
teureiche (.Yades, hebr. Scheol) auf eine Erweite-
rung der Vorstelluug vom Grabe als dem Auf-
enthaltsort der Toten, das ihnen zugeschriebene
schattenhafte Dasein, das als körperlos, bewußtlos,
fühllos dargestellt wird, auf eine sinnliche Veran-
! schaulicbung ihres Nichtdaseins. Ein Wiedererwachen
! zu wirklichem Leben betrachtete das spätere Iuden-
> tum als bedingt durch eine Wiedererweckung des
! gestorbenen Leibes (s. Auferstehung), während die
griech. Philosophie seit Plato die Idee der U. im
! Sinne einer leiblosen Seelenfortdauer ausbildete.
! Hinter diese Vorstellung trat auch die aus dein
! Judentum ins Christentum übergegangene kirchliche
Auferstebungslehre, namentlich unter dem Einflüsse
der Aufklärungsphilosophie des 18. Jahrb., wieder
zurück. In Verbindung hiermit stand die Verdrän-
gung der Vergeltungslehre durcb die Idee einer
künftigen Vervollkommnung des Menschengeistes
oder einer höhern Ausbildung der geistigen Anlagen
in einem zukünftigen und jenseitigen Zustande, zu
dem der gegenwärtige den Vorbereitungszustand
oder die Prüfungszeit bilde. In diesem Sinne ist
der Unstcrblichkeitsglaube in der Neuzeit sowohl bei
Dichtern (Gellert, Klopstock, Novalis, Byron) als
bei Philosophen (Kant und Fichte) aufgefaßt. Da
diefe Vorstellung anf der Voraussetzung beruht, daß
das geistige Sein entweder ein vom materiellen ver-
schiedenes, oder im Gegensatz zu diesem als bloßer
Erscheinung, das allein wahre Sein sei, so trat ibr
schon im 18. Jahrb. im franz. Materialismus die
Leugnung des Unsterblichkeitsglaubens in jeder Ge-
stalt gegenüber. Der neuere deutsche Materialis-
mus meint sogar den naturwissenschaftlichen Beweis
dafür antreten zu können, daß das geistige Leben
des Menschen nichts anderes sei als eine Funktion
seiner körperlichen Organe, mit deren Zerstörung
natürlich auch die "Seele" und ihre Thätigkeit ver-
schwinden müsse. Dem gegenüber wurde von ein-
zelnen Naturforschern uno Philosophen wieder die
Platonische Vorstellung einer eigenen "^eelensub-
stanz" geltend gemacht, die mit dem Leibe nur in
vorübergehende Verbindung getreten sei. In an-
derer Weise suchten Leibniz und Derbart durch ihre
Monadenlehre für die U. der Seele Raum zu schassen.
Die konsequente Aufhebung der dualistischen An-
schauung in der Hcgelschen Philosophie führte zwar
wieder zu der Lehre, daß der Geist die innerste Sub-
stanz alles Daseins sei, schien aber die Fortdauer
lxs Individuums aufzuheben und eine Nückkehr des
individuellen Geistes in das-Allgemeine zu fordern.
Ausdrücklich wurde diese Meinung als diejenige