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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Unstrut - Unterbrechung
Hegels vertreten in Nichters "Lehre von den letzten
Dingen", Bd. 1 (Bresl. 1833). Göschel dagegen, in
den Schriften "Von den Beweisen für die U. der
menschlichen Seele im Lichte der spekulativen Philo-
sophie" (Berl. 1335) und "Die siebenfältige Oster-
frage" (ebd. 1836), suchte die Hegelschc Philosophie
gegen diesen Vorwnrf zil verteidigen. Anch C. H.
Weifte ("Die philos. Geheimlchre von der U. des
menschlichen Individuums)), Dresd. 1831) und I.H.
Fichte ("Die Idee der Persönlichkeit und der in-
dividuellen Fortdauer", Elberf. 1834: 2. Aufl., Lpz.
1856) versuchten eine philos. Begründung der Un-
sterblichkeitslehre, und Fechner unternahm einen
ähnlichen Nachweis auf Grund einer poetisck-phan-
tasievollen Naturanschauung in seinein "Büchleiu
vom Leben nach dem Tode" (3. Aufl., Hamb. 1887)
und im dritten Teile seines "Zendavesta, oder über
die Dinge des Himmels und des Jenseits" (Lpz.
1851). Auf dem heutigeil Stande der Forschnng
wird sich kaum verkennen lassen, daft ein philos. Be-
weis ebensowenig für als gegen die U. geführt
werden kann und daß auch die materialistische Be-
streitung der U. keine wissenschaftlich zwingende ist.
Vgl. Flügge, Geschichte des Glaubens an U.,Auf-
crstedung u. s. w. (3 Bde., Lpz. 1794-W); Mit-
teilungen aus den merkwürdigsten Schriften der
verflossenen Jahrhunderte über den Zustand der
Seele nach dem Tode, hg. von Hub. Beckers l2 Hefte,
Augsb. 1835-36): Iürg. Vona Meyer, Die Idee
der Eeelenwanderung (Hamb. 1861): Schelliug,
Clara, oder Zusammenhang der Natur mit der
Geisterwelt (2. Aufl., Etuttg. 1865): Alberti, Über
die U. der Seele als persönliche Fortdauer des
Menschen nach dem Tode (2. Ausg., Stett. 1865):
H. Ritter, Unsterblichkeit (2. Aufl., Lpz. 1866): I.H.
Fichte, Die Seelenfortdauer und die Weltstcllung
des Menschen (ebd. 1867): Arnold, Die U. der Seele,
betrachtet nach den vorzüglichsten Ansichten des
klassischen Altertums (Landsh. 1870): Teichmüllcr,
Über die U. der Seele (ebd. 1874): Spieß, Entwick-
lungsgeschichte der Vorstellungen vomZustandc nach
dem Tode (Jena 1877): Echmick, Ist der Tod ein
(5nde oder nicht? <7. Aufl., Lpz. 1891): ders., Die
nackirdischc Fortdauer der Persönlichkeit (ebd. 1891);
ders., Die U. der Seele naturwissenschaftlich und
philosophisch begründet (4. Aufl., ebd. 1892);
H. Eonnner, Der christl. Unsterblichkeitsglaube
(2. Aufl., Braunschw. 18l)1): E. Petavel-Oll'iff, 1^
in'odlöino äo 1'iiuinttit3,Iitö (2 Bde., Par. 1891 fg.;
englisch von Freer in 1 Band, Lond. 1892): O. Rie-
inann, Was wissen wir über die Existenz und U. der
Seele (4. Aufl., Magdeb. 1892); G. Runze, U. und
Auferstehung, Tl. 1: Die Psychologie des Unsterb-
lichkeitsglaubens und der Unsterblichkeitsleugnung
(Berl. 1893); Kaufmann, Die Icnseitsboffnungcn
der Griechen und Römer nach den Sepulcralin-
sckriften (Freih. i. Br. 1897).
Unftrut, linker Nebenfluß der Saale, entspringt
in 368 in Höhe auf dem Eichsfclde, unweit Dingel-
stedt, im preuß. Reg.-Bez. Erfurt, fließt in Bogen
und unzähligen Krümmungen gegen Osten und
mündet, 172 km lang, unterhalb Naumburq. Sie
wird gegen 40 m breit und ist von Brettle!ien ab-
wärts durch 12 Schleusen für kleine Fahrzeuge 72 km
weit schiffbar gcmacbt. Ihr Thal ist meist flach, nur
oberhalb Artern de'l der Sachsenlücke und von
Nebra (Steinklebe) ab bis zur Mündung enger
und von Felswänden eingefaßt. Rechts nimmt sie
die Gera, links die Helbe, Wipper und Helme auf.
Unstrut-Eisenbahn, Nebenbahn von Naum-
burg a. d. Saale nach Reinsdorf (Artern 52,6? km),
vom preuß. Staate an Stelle der von der ehemaligen
Unstrut-Eiseubahngcsellschaft (1874 aufgelöst) 1872
genehmigten Linie auf Grund des Gesetzes vom
4. April"i884 erbaut und 1. Okt. 1889 eröffnet; sie
untersteht dcrKönigl. Eisenbahndirektion zu Erfurt.
Unteilbar, f. Größe.
Unteramendement, s. Abänderungsvorschlag.
Unterarzt, s. Einjährig-Freiwillige und Sani-
Unterbarmen, s. Barmen. >tätsoffiziere.
Unterbau, im Bauwesen der unter der Erde
stehende Teil eines Bauwerkes, insbesondere die
Fundamente der Keller, das Kellergeschoß, Souter-
rain eines Gebäudes: auch soviel wie der Sockel
(s. d.) eines Gebäudes. Über den U. bei Eisen-
bahnen s. Eisenbahnbau.
Unterbauchgegend, s. Bauch.
Unterbilanz, s. Bilanz und Deficit.
Unterbindung, Ligatur (I^awra), in der
Chirurgie die Umschnürung eines Körperteils. Sie
wird angewandt zur Stillung von Blutungen, Hei-
lung von Gefäßgeschwülsten, Beseitigung von ge-
stielten Geschwülsten und zur unblutigen Durch-
trennung von Gcwebsteilen. Die Blutstillung ge-
schieht teils durch die U. der blutenden Gefäßenden,
teils, wenn letztere nickt zugänglich sind, durch U.
der den blutenden Teil versorgenden Hauptschlag-
ader. Die Gefäß enden werden vor der Umfchnü-
rung mit einer eigenen Zange (Unterbindungspin-
cette) hervorgezogen. Die Hauptschlagader muß zur
U. erst durch eiue besondere Operation aufgesucht
und freigelegt werden. Zur Heilung von Gefüß-
geschwülsten bringt man diejenigen Gefäße, von
denen die Geschwülste ausgegangen sind, durch U.
zum Verschluß. Gestielte Geschwülste kann man da-
durch zum Absterben und zur endlichen Ablösung
bringen, daft man ihren Stiel, durch den sie das
Blut erhalten, mittels einer Ligatur fest umschnürt.
Die U. kann man auch zur unblutigen Trennung be-
nutzen, wenn man die in der Trennungslinie liegen-
den Teile fest umschuürt. Zur Gefäßunterbindung
wählt man Seidenfäden oder sorgfältig desinfizierte
Dannsaiten (Catgut), zur Umschuürung von Ge-
schwulststielen und zur Durchtrennung von Teilen
auch Drähte und Gummistrünge ii^lMn-a owstica).
Unterbrechung der Verjäbrung, s. An-
spruchsveriä'hrung und Verjährung.
Unterbrechung des Verfahrens. Die Deut-
sche Civilprozeftordnung ist darauf bedacht, dem an-
hängig gewordenen Rechtsstreite den Fortgang zu
sichern. Gewissen Umständen räumt sie jedoch die
Wirkung ein, daß das Verfahren dadurch stillstand
erfährt. Dahin gehört zunächst eiue, sei es ausdrück-
liche, sei es stillschweigende, d. h. durch Ausbleiben im
Verhandlungstermine kundgegebene Vereinbarung
beider Parteien, daß das Verfahren ruhen solle. In
diesem Falle rubt der Prozeß, bis eine Partei von
neuem ladet. Aber es giebt auch Unterbrechungs-
gründe ohne oder wider Willen der Parteien. Solche
Unterbrechungsgründe sind: 1) Der Tod einer Partei.
Die U. dauert bis zur Aufnahme durch den Rechts-
nachfolger; gegen den säumigen Rechtsnachfolger
kann der Gegner die Aufnahme betreiben. 2) Durch
die Konkurseröffnung werden die die Konkursmasse
betreffenden Prozesse unterbrochen bis zur Aufnahme
nach den tonkursrechtlichen Bestimmungen oder bis
zur Aufhebung des Konkurses. 3) Verliert eine Partei
die Prozeßfähigkeit, oder stirbt ihr gesetzlicher Ver-