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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Unterbrechungsrad - Unterfranken
treter oder endigt dessen Vertretungsbefugnis, ohne
daß die Partei prozeßfähig geworden ist, so wird der
Prozeh unterbrochen. Die N. dauert so lange, bis der
gesetzliche Vertreter, oder der neue gesetzliche Vertreter
dem Gegner von seiner Bestellung Anzeige macht,
oder bis dieser jenem seine Absicht anzeigt, den Pro-
zeß fortzusetzen. Für die Aufnahme gilt das Gleiche,
wenn im Fall der U. durch den Tod ein Nachlaß-
kurator bestellt ist. 4) In Anwaltsprozessen der Tod
des Anwalts oder dessen eintretende Unfähigkeit zur
Vertretung. Das Verfahren wird unterbrochen, bis
der bestellte neue Anwalt dem Gegner seine Bestel-
lung anzeigt', bei Verzögerung der Anzeige kann der
Gegner der Partei selbst gegenüber die Aufnahme
betreiben. 5) Wenn durch Krieg oder ein anderes
Ereignis die Thätigkeit des Gerichts aufhört, so tritt
für die Dauer dieses Zustandes U. des Verfahrens
cm. Ausnahmsweise haben Tod, Verlust der Pro-
zehfähigkeit und Wegfall des gesetzlichen Vertreters
U. des Verfalnens nicht zur Folge, wenn die Partei
durch einen Prozehbevollmä'chtigten vertreten war;
indes muß das Gericht auf Antrag des Prozcßbevoll-
mächtigten, im Todesfall auch auf Antrag des Geg-
ners das Verfahren aussetzen. Die U. tritt, zum
Unterschiede von der Aussetzung (s. d.), allemal traft
Gesetzes von selbst ein. Beide haben aber die gleiche
Wirkung, daß während ihrer Dauer der Lauf jeder
Frist aufhört, nach ihrer Beendigung die volle Frist
von neuem zu laufen beginnt, auch die wahrend
ihrer Dauer von einer Partei vorgenommenen Pro-
zeßhandlungen der andern Partei gegenüber ohne
rechtliche Wirkung bleiben. Die Aufnahme des Ver-
fahrens erfolgt in allen Fällen, wenn sie nicht ohne
weiteres in der mündlichen Verhandlung erklärt
wird, durch Zustellung eines Schriftsatzes. (Vgl.
Civilprozeßordnung §§. 217 - 229; ähnlich die
Osterr. Civilprozehordn. M 155-170.)
Unterbrechungsrad, s. Vlitzrad.
Unterbrochenes Feuer, s. Leuchtturm.
Unterbromige Säure, NrOIl, eine nur in
Lösungen und Salzen bekannte Saure. Das An-
dydrid, Ni'-O, ist noch nicht dargestellt. Man er-
bält die U. S., indem man in wässeriges Brom
Quecksilberoxyd einträgt. Sie bildet eine gelbe,
bleichend wirkende Flüssigkeit; ihre Salze, die Bro-
mite, sind ungemein leicht zersetzbar; sie bilden sich,
wenn man die Orydhydrate in der Kälte mit Brom
behandelt: 2X0H ^ Zi.. ^ KLr ! KLi'O 4 II-O,
gehen aber sehr leicht in die entsprechenden brom-
sauren Salze oder Bromatc über:
3XVr0 ^ 2XLi- -l XNi O..
Unterchlorige Säure. Das Anhydrid, Chlor-
inonoxyd, entsteht als rötlichgelbes Gas, (^O,
wenn Chlor über Quecksilberoxyd geleitet wird; es
ist beim Abkühlen auf -20° N. zu einer blutroten
Flüssigkeit kondensierbar, explosiv und giftig. Das
Hydrat, NOOI, bildet sich in wässeriger Lösung neben
unlöslichem Quccksilberoxychlorid, wenn man Queck-
silberoxyd mit Wasser und Chlorgas zusammen
schüttelt. Unterchlorigsaure Salze oder Hypo-
chlorits entstehen neben Chlormctallcn beim Ein-
leiten von Chlor in verdünnte, kalt gehaltene Lösun-
gen der Alkalien und alkalischen Erden:
Die U. S. wie ihre Salze wirken stark oxydierend;
die Salzlösungen werden seit der Entdeckung des
Chlors als Bleichflüssigkeiten verwandt, so das Nan
^ I^dkrrayue (s. d.) und Nau äo <Iav?11o (s. d.).
/A auch Chlorkalk.)
Unterchlorsäure, Uuterchlorsäurea n h y -
drid, s. Chlortctroxyd.
Unterdominante, s. Dominante.
Unterdonaukreis, s. Donaukreis.
Untereigentum, s. Eigentum.
Unterelbesche Eisenbahn, 1890 verstaatlichte
Privatbahn von Zarburg über Stadc nach Cnrhavm
(103,32 km). Der Bau der Strecke von Stadc nach
Curhaven (61,88 km) war 1872 der Curhavencr
Eisenbahn-, Dampfschiff- und Hafenaktiengesi'll-
schaft genehmigt worden; für Erbauung der Strecke
Stade-Harburg wurde die Genehmigung 1873 erteilt.
Da die Gesellschaft ihre Aktien nicht unterzubringen
vermochte, übertrug sie 1878 ihre Rechte und Pflich-
ten an die von der 8oci6t6 Z<?1^6 äo l dominz äe t'ev
in Brüssel gegründete Unterelbesche Eisenbahngesell-
schaft. Die Bahn wurde 1881 eröffnet; sie vermit-
telt neben dem örtlichen Verkehr auch den zwischen
Curhaven und Hamburg, und wird durch die ncuen
Hafenanlagen bei Cuxhaven voraussichtlich erheblich
an Bedeutung gewinnen. Mit Fertigstellung der
Strecke Gcestemünde-Curhaven (18W) steht die U.
E. auch mit Brcmerhaven in unmittelbarer Ver-
bindung, eine zweite Verbindung von Stade nack
Geestemündc befand sich 1897 im Bau. Die Bahn
untersteht der Königl. Eisenbahndircktion zu Han-
nover. (3. auch Preußische Eisenbahnen.)
Unterelsatz, Bezirk des Elsasses (s. d.). .
Unterfcuerung, s. Feuerungsanlagen.
Unterflurhydrant, s. Feuerhahn.
Unterfranten,früherUntermainkreis,bayr.
Regierungsbezirk, umfaßt das Hochstift Würzburg
mit der ehemaligen Reichsstadt Schweinfurt, Teile
der Hochstifte Fulda, Bamberg und des Fürstentums
Ansbach, das ehemals kurmainzischc Fürstentum
Aschasfenburg und kleinere, früher reichsunmittel-
bare, später mcdiatisicrte Gebiete, wie die Reichs-
dörscr Gochsheim und Sennfeld, die Grasschaften
Kastel, Schwarzenberg, Wertheim, Erbach und die
Herrschaften Wiesentheid und Speckfeld, und grenzt
im N. an die preuß. Provinz Hessen, an Eachsen-
Weimarund Sachsen-Meiningen, im S. anWürttem
bcrg und Baden und im W. an das Großherzog-
tum Hessen. Der Main mit Sinn und Fränkischer
Saale auf der rechten Seite bildet durch vielfache
Krümmungen ein reizendes, fruchtbares, obst- und
weinreichcs Thal, welches nur im Westen (Spessart)
rauher ist. Den Norden durchzieht die Rhön mit
dem Kreuzberg (930 m), den Osten der Haßbcrg
(508 m) und der Steigerwald. Neben bedeutender
Land- und Forstwirtschaft wird Getreide, Flachs,
Hanf, Wein und Obst gebaut. Der Bergbau liefert
Alabaster, Thon, Gips und Eisen, und die In-
dustrie erstreckt sich auf Baumwollspinnerci, Leinen-,
Baumwoll- und Wollweberei, Papier, Tapeten,Holz-
und Eisenwaren, Maschinen und Glas. Der Regie-
rungsbezirk hat 8101,52 hkm und (1895) V2 588
(307 678 männl., 324 910 weibl.) E. in 1000 Ge-
meinden mit 2092 Ortschaften, 103 870 Wohn-
gebäude und 131711 Haushaltungen. Dem Reli-
gionsbekenntnis nach waren 504020 Katholiken,
113 891 Evangelische und 14157 Israeliten.
Der Regierungsbezirk hat sechs Reichs tags-
wahlkreise: Aschaffenburg (Abgeordneter 1895:
Gerstenberger), Kitzingen (Eck), Lohr (Keßler), Neu-
stadt a. S. (Moritz), Schweinsurt (Burger), Würzburg
(Neckermann), sämtlich dem Centrum angehörig.
Der Regierungsbezirk zerfüllt in 4 unmittelbare
Städte und 20 Bezirksämter: