Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

96
Unmündigkeit - Unruhe
und einer absoluten U. Die U. kommt rechtlich in
Betracht bei den Bedingungen (s. d.). Wird einem
Rechtsgeschäft eine unmögliche Bedingung beigefügt,
so gilt dasselbe nicht nach Preuft. Landrecht und
Deutschem Bürgert. Gesetzbuch, ebenso nach Gemei-
nem Recht, wenn das Rechtsgeschäft unter Leben-
den geschloffen war; dagegen wird eine nnter un-
möglicher Bedingung getroffene letztwillige Ver-
fügung aufrecht erbalten. Ein auf eine unmögliche
Leistung gerichteter Vertrag ist nichtig. Hat bei der
Schließung des Vertrags der eine Teil die U. der
Leistung gekannt oder kennen müssen, so ist er zum
Ersatz des Schadens verpflichtet, welchen der an-
dere Teil dadurch erleidet, daß er auf die Gültigkeit !
des Vertrags vertraut hat, jedoch nicht über den Be- !
trag des Interesses hinaus, welches derselbe an der
Gültigkeit des Vertrags bat (Deutsches Bürgert.
Gesetzb. §. 307). Die Schadenersatzpflicht tritt nicht
ein, wenn der andere Teil dic U. kannte oder kennen
mußte. Die U. der Leistung steht der Gültigkeit
eines Vertrags nicht entgegen, wenn die U. gehoben
werden kann, und der Vertrag für den Fall geschlossen
ist, daß die Leistung möglich wird.
Unmündigkeit, der Zustand Minderjähriger,
welche das 7., aber noch nicht das 14. (bei Mädchen
das 12.) Lebensjahr zurückgelegt haben. (S. Alter.)
Er ent-
steht in den Dinanschen Alpen, fließt in einem Längs-
thal nach Norden bis Bihatfck, wendet sich dann
nach Nordosten, bildet von oberhalb Novi die Grenze
Bosniens gegen Kroatien und mündet Iasenovac
gegenüber in die Save, nach einem Laufe von
230 km, auf welckem er rechts die Unac und die
Sauna oder Sana bei Novi aufnimmt, aber nur für
kleine Fahrzeuge schiffbar ist. Die Sauna entspringt
in der Crnagora und ist fast ebenso lang wie die U.
Unna, Stadt im Kreis Hamm des preuß. Reg.-
Bez. Arnsberg, an den Linien Holzminden-Schwerte
und Hamm - Duisburg der
Preuß. Staatsbahnen, Sitz
eines Amtsgerichts (Landge-
richt Dortmnnd), hat (1895)
12355 (6263 männl., 5092
weibl.) E., darunter 3812 Ka-
tboliken und 213 Israeliten,
Postamt erfterKlasse mit Zweig-
stelle, Telegraph, Fernsprech-
cinrichtung, got.Stadtkirche mit
reichen Ornamenten am Altar, kath. Kirche, Krieger-
denkmal, höhere Stadtschule, höhere Mädchenschule;
Landwirtschaft, Brauerei, Liqncurfabrikation, Berg-
bau und Eisenindustrie. 1 Km entfernt, jedoch zum
Stadtbezirk gehörend, die große Saline Königs-
born, die jährlich etwa 11500 t Salz liefert, und
mit der cin Sol- und ein Thermalbad verbunden ist,
zu dem das Wasser aus Quellen zu Wcrrics bei
Hamm hergeleitet wird. (1894: 2500Kurgäste.)
Unorganisch, s. Anorganisch.
Unorganische Sprachen,s.Sprackwissenschaft.
I7no tonöre (lat.), in einem fort.
Unpaarzeher, s. .Huftiere und Dickhäuter.
Unparlamentarisch, s. Parlamentarisch.
Unparteiischer, s. Zweikampf.
IIn pooo lital.), ein wenig. ^ -
Unrecht Traisen, Fluß, s. Traisen.
Unrein. Wie viele heidn. Völker und die Mo-
hammedaner, so unterscheidet auch das israel. Volk
und die jüd. Religionsgenossenschaft bis heute bei
Personen und Sachen einen Zustand der Reinheit und
einen der Unreinheit, von denen der letztere dauernd
oder vorübergehend dem einzelnen anhaften kann,
und hält nur reine Speife für zu essen erlaubt (Speise-
vcrbote). Der Zustand der Unreinheit kann sich
übertragen, doch verliert er sich auch wieder und
kann durch Reinigungen (s. d.) beseitigt werden.
Der Grund der Unterscheidung Mischen rein und
unrein ist ein religiöser. Rein ist alles, was mit
dem Kult in Verbindung gebracht werden kann, un-
rein alles, was von ihm fern gehalten werden muß;
kultunfähig ist in besonders hohem Mähe alles, was
den Zustand der Unreinheit weiter überträgt. Diese
Vorstellungen sind nicht mit den modernen Vor-
stellungen von reinlich und unreinlich zu verwechseln.
Die Unreinbeit der im Alten Testament als unrein
und verunreinigend aufgezählten Dinge und Zu-
stände erklärt sich daher daraus, daß sie mit verbo-
tenem altem Kult in Verbindung stehen oder ge-
bracht werden können. Daher verunreinigt jede Ab-
götterei das ganze Land (Ier. 2, ?, 23), daher ist
unreines Land identisch mit Ausland (Amos 7,17;
Ezcch. 4,3,14). U. ist das Sterbehaus, das Grab, die
Leiche, die Teilnahme an Bestattung und Trauer-
gebräuchen, denn damit war früher Ahnenkult ver-
knüpft. U. machen bestimmte krankhafte Zustünde,
z. A. Aussatz, weil sie nach uralter Vorstellung durch
Inkorporierung von Geistern entstehen. U. und
verunreinigend ist die Menstruierende und die Wöch-
nerin, verunreinigend jeder Geschlechtsgenuß, weil
auch diese Zustände nach altem Glauben unter dem
Einflüsse von Geistern standen. Über die Speise-
verböte s. d. und Fleischgenuß.
Unrichtiggehen, s. Fehlgeburt.
Unruh, Hans Victor von, Techniker und Poli-
tiker, geb. 28. März 1806 zu Tilsit, studierte auf
der Bauakademie in Berlin, war dann im Wasser-
bau , später im Eisenbahnbau und in der Anlage
von Gasanstalten beschäftigt. Unter anderm grün-
dete er die Deutsche Kontinental-Gasgesellschast in
Dessau. 1857 übernahm er das Generaldirektorium
bei der Gesellschaft für Fabrikation von Eisenbahn-
bedarf zu Berlin. Schon 1848 ward er als Ver-
treter Magdeburgs in die preuß. Nationalversamm-
lung gewählt und wurde nach dem Rücktritt Gra-
bows Präsident derselben. 1849 in die Zweite
Kammer gewühlt, hielt er sich zur Opposition. U.
war dann einer der Begründer des 'Nationalvereins
und der Fortschrittspartei; seit 1866 gehörte er der
nationalliberalen Partei an. Seit 1863 vertrat er
die Stadt Magdeburg in: Abgeordnetenhause und
später auch im Norddeutschen und Deutschen Reichs-
tage. Er starb 4. Febr. 1886 in Dessau. U. veröffent-
lichte: "Skizzen aus Preußens neuester Geschichte"
(1. bis 5. Aufl., Magdeb. 1849), "Erfahrungen
aus den letzten drei Jahren" (ebd. 1851) und eine
AnzahlvoltswirtschaftlicherFlugschriften.- Erinne-
rungen aus dein Leben von tzans Victor von U.
veröffentlichte von Poschinger (Stuttg. 1895).
Unruhe, Pflanze, s. I^copoäwm.
Unruhe, eine Konstruktionsform des Regula-
tors von Uhren (s. d.), besonders von Taschen-
uhren. Die U. besteht aus einem kleinen oscillieren-
den Schwungrad, das abwechselnd unter dem Ein-
fluß der Hauptfeder und der an der U. selbst an-
gebrachten feinen Spiralfeder steht. Bei genauen
Uhren ist eine Kompensation (s. d.) der U. nötig.
Das Schwungrad einer Kompensationsunruhe ist in
zwei Abschnitte geteilt, deren jeder ein festes und ein
freies Ende hat und nach Art des Metalltbermo-
s