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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Unterschwefligsaures Natrium - Untersuchungshaft
löslichen Calciumverbindungen ausgezogen und mit
kohlensaurem Natrium zersetzt werden. Aus den
verdampfenden Flüssigkeiten krystallisiert das unter-
schwefligsaure Natrium (Natriumhvposul-
fit, Natriumthiosulfat),^2^.<>.l > 51l2^,in
großen, leicht in Wasser löslichen Prismen, die durch
mehrfackes Umkristallisieren von Schwefelverbin-
dungen befreit werden. schweflige Säure.
Unterschwefligfaures Natrium, s. Unter
Untcrsee, Teil des Bodensecs (s. d.).
ltnterfeeische Boote, s. Unterwasserboote.
Untersendling, Vorort von München, s. Send-
Unterstaatssekretär,s.Staatssekretär, j ling.
Unterstab (militär.), s. Stab.
Unterstände, srüber Hangard genannt, be-
deckte Räume verschiedenster Konstruktion, welcke für
Geschütze und Mannschaften in Gefechtsbereitschaft
zum Schutz gegen feindliches Feuer dienen, Bereit-
jckaftsräume, Hobltraversen (s. d.), Blendungen
Untersteiger, s. Bergmann. l(s. d.).
Untersteuermann, der jüngste Steuermann
(s. d.) auf Segelschiffen der Handelsmarine.
Unterstützungskasfen, im wefentlichen soviel
wie Hilfskassen is. d.). Insbesondere verstebt man
danmter Vereiniguugeu und Anstalten zur Unter-
stützung von Invaliden, Altersschwachen, Witwen
und Waisen sowie auch zur Beihilfe bei Arbeits-
losigkeit, Streito und Aussperrung, zur Ausstattung
Heiratender, zu Stipendien für Kunst- und wissen-
schaftliche Studien u. s. w. Die U., die in den meisten
Fällen dem Wobltbatigkeitssinn oder der Fürsorge
von Fabrikanten für ibre Arbeiter ibre Entstehung
verdanken, erlangen nach und nach den Charakter
der Versicherung und bedürfen daher der Bemessnng
von Beiträgen nach der erfahrungsmäßigen Wabr
scheinlickteit; für viele ist der Anschluß an solide
Versicherungsgesellschaften oder an größere Beruss-
vereinigungen (Kuappschaftsvereine, Gewerkvereiue
u. a.) ratfam und auch tbatfächlich iin Zunehmen,
i S. Altersverforgung, Arbeitslosigkeitsversichernng,
Invalidenkassen, Witwenkassen.)
Unterstützungsverein Deutscher Buch-
drucker, gegründet 1300 als Dentscker Buck-
druck e r v e r b a n d (seit 1878 obigen Naiuen filbrend,
seit 1892 V e rbandderDeut f ck en B il ch d r u ck e r
genannt), gewerkschaftliche Vereinigung der Buck-
druckergebilfen zur Hebuug ihrer ^age. Jedes Mit-
glied zablt ein Eintrittsgeld und einen wöchentlichen
Beitrag, wogegen ihm in Fällen von Arbeitslosig-
keit, Krankbeit, Invalidität, bei ^obndifferenzcn
u. s. w. Unterstützungeu gewäbrt werden. Den
Prinzipalen gegenüber suckt der Verband die Nber-
zeitarbeit zu beseitigen, die Arbeitszeit auf eine be-
stimmte Stundenzahl feftzufetzeu, die ->abl der Lehr-
linge in den Buchdruckereien in einem bestimmten
Verbältnis zu deu Gehilfen zu regeln, geeignete
Arbeits- und ^odutarife zu vereinbaren und sie
nötigenfalls durchzusetzen. Es kam wiedcrbolt zu
gegenseitigen feindlichen Auftritten in Streiks und
Ausschließungen, und schon 1809 traten die Prinzi-
pale zur Abwehr zusammeu im Teutschen Buck-
dnlckerverein (s. d.). 1890 bestand der Verband aus
21 Gauen mit 22500 Mitgliedern in 805) Druckorten.
Sitz des Ceutralvorstaudes ist Berlin. Die (5'innabme
cm Mitgliederbeiträgen betrug (1896) 1008565 M.,
die Ausgabe au Unterstützungen 725928 3)t., das
Vermögen (Juli 1897" 1 327141M. Organ des Ver-
bandes ist der "Korrespondent für Deutschlands
Buchdrucker und Schriftgießer" (Leipzig). - Vgl.
Zahn, Die Organisation der Prinzipale und Ge-
hilfen im deutschen Buchdruckgcwerbe (Lpz. 1890);
Gersteuberg, Die neuere Entwicklung des deutfchen
Buchdruckergewerbes in statist. und socialer Bezie-
bung (in der "Conradscken Samnilung", Ieua 1892):
Tiedeman, Die neuere Entwicklung der Arbeits-
verhältnisse im Buchdruckgewerbe <Tüb. 1897).
Unterstützungsverein Teutscher Buch-
händler und Vüchhandlnngsgehilfen,s. Buch
daudel.
Unterstützungswohnsitz, die durch Anfenthalt,
Verebelichnng oder Abstammung begründete Ange-
börigkeit an einen 3)rtsarmenverband. Nach Gefel',
des Norddentfchen Bimdes vom 0. Inni 1870, wel-
ches alsbald auf Südbesfen, Württemberg und Ba-
den, aber nicht auf Bayern und Elsaß-Lothringen
ausgedehnt wurde und durch 1. April 189^ in Kraft
getretene Novelle vom 12. März 189^ neu redigiert
ist, wird die öffentliche Armennnterstützung in den
Bundesstaaten, für welche jenes Gesetz gilt, durch
Orts- und Landarmenverbändc geübt. (S. Armen-
verbände.) Wer innerhalb eines Ortsarmenverban-
des nach zurückgelegtem 18. (vor 1. April 1894: 24.)
^ebeusjahr zwei Iabre laug seinen gewöhnlichen
Aufenthalt bei freier Selbstbestimmung hat, bat bier
U.' ebenfo die Ehefrau und die ehelichen Kinder da,
wo ihn der Ehemann oder der Vater bat', uneheliche
Kinder haben den U. der Mutter. Verlust des U.
tritt ein durch Erwerbuug eines andern und dnrch
zweijübrige Abwesenbeit nach dem 18. (früher 24.)
Lebensjahre. (S. allch Armengefetzgebnng.) Uni
die ^eimatsgemeinden früh Wegziehender (Zug in
die Stadt, Sachsengängerei) nicht bis zum 20. Le-
bensjabre zu verpflichten, wurde 1894 jene Zeit-
grenze vom 24. auf das 18. Jahr berabgesetzt.
Untersuchungsgefängnisse, s. Gefängnis
wesen.
Untersuchungsgerichte, uacb Österr. Straf
prozeßordnuug ^. 10, 11 die Gerichtshöfe erstcr
Instanz in ihrer durch besonders dazu bestellte Mit-
glieder geübten Thätigkeit als Untersuchungsrichter
(s. d.). Versteht man mit den deutschen Neichsjustiz-
gesetzen unter "Gerichten" beschließende Abteilungen
der Kollegialgerichte, so würden nach Osterr. Straf-
prozeßordnung 5" 12 die mit Aufsicht über alle Vor-
untersuchungen und Vorerhebungen betrauten Rats-
kammern (s. d.) als U. zu bezeichnen sein. Nack deut-
scher Gerichtsverfassllng sind U. in diesem Sinne
teils die mit Richtern einschließlich des Vorsitzenden
besetzten Strafkammern der Landgerichte (Gerichts-
verfassungsgcsetz ^. 72, 77), und zwar auch in den
dem Neicksgericht in erster Instan; zur Untersuckung
und Entsckeidung übcrwiesenen fällen des Verrats
is. d.) militär. Geheimnisse aus tzß. 1,3 des Gesetzes
vom 3. Juli 1893, teils, nämlich in Untersuchungen
wegen >)ocb- und Landesverrats gegen Kaiser und
Neich, der erste Strafsenat des Reichsgerichts (Gc-
ricktsverfassuugsgesetz KH- 138, 130, Nr. 1). Sie
cutscheiden darüber, od das Hauptverfabren zu er-
öffnen, oder der Angeklagte außer Verfolgung zu
! setzen, oder das Verfabren vorläufig einzustellen sei,
! oder eine Ergänzung der Voruntersuchung statt-
! findeu solle. Wäbreud der Tauer der Vorunter-
suchung entscheiden sie über einzelne der Untersuchung
dienende Maßregeln (z. B. Untersuchungshaft,
Sickerheitsstcllung) und über Beschwerden gegen
Verfügungen des Untersuchungsrichters.
^ Untersuchungshaft. Im heutigen Strafver-
! fabren bleibt der Beschuldigte wäbrend der Unter-