Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

110
Unterweißenburg - Unterzug
soll sich bewährt baben; es ist 27 IN lang,3 m breit,
87 t groß, und seine Maschine leistet 60 Pferde-
stärken. Ein Unterwasferboot, das sowohl für
Kriegs- wie für Taucherzwecke geeignet ist, wnrdc
1893 in Civitaveechia von dem ital. Ingenieur
Bolsamello erbaut; eö erhielt wegen seiner Kugel-
fonn den Namen Valla nantica. Es soll leicht
beweglich in allen Richtungen sein. Da alle Ver-
suche mit U. von den Marincverwaltungen der
Seestaaten gemacht werden, so werden sie noch mög-
lichst geheim gehalten. Der größte Nachteil aller
U. besteht in der Schwierigkeit, unter Wasser genau
die Richtung auf ein (feindliches) Schiff zu bestim-
men, überhaupt genau Kurs zu steuern; deshalb
kann man sagen, daß vorläufig die U., trotz mancher
sehr zweckmäßiger Konstruktionen, uoch nicht kriegs-
brauchbar sind. Um den Horizont über Wasser
beobachten zu können, giebt man jetzt den U.
cm sog. Periskop; dies besteht in einer .hohl-
röhre, die aus dem etwa 5 in untergetauchten Boote
senkrecht nach oben geschoben wird. Die Röhre hat
etwa 20 cm Durchmesser, trägt oben ein Glas-
prisma, das horizontal eintretende Strahlen nach
unten auf eine Platte (nach Art der (^nn<^ l)d8curll)
wirft. Das Prisma ist um seine Vertikalachse dreh-
bar, damit man den ganzen Horizont ringsherum
absuchen kann. Das Instrument ist aber nur bei
völlig glatter See verwendbar. - Vgl. Hovgaard,
i5ul)inai ine IwlUö (Lond. 1887).
Unterweißenburg, ungar. ^186-1^^1-, Komi-
tat in Siebenbürgen, grenzt im N. an das Komitat
Torda-Arauyos, im 5). an Groß- und Klein-Kokel,
in: S. an Hernlannstädt, im W. an Huuyad und hat
3576,50 c^m und (1890) 193 072 meist griech.-orient.
slowak. E. (30181 Magvaren, 7539 Deutsche), dar-
unter 74132 Griechisch-Katbolischc, 25 285 Evange-
lische, 8943 Römisch-Katholische und 3280Israeliten.
Das Komitat ist im obern Marosthale sowie im
Thale der Ompoly rauhes Gebirgsland, mit beson-
ders interessanten Trachytbilduugen (der Trachytberg
Detonata Goala), im Unterlaufe der Flüsse fruchtbar.
Die Berge sind reicb an Metallen, namentlich Gold
und Silber, die seit alter Zeit ausgebeutet wcrdeu.
Das Komitat umfaßt die tönigl. Freistadt Karls-
burg, drei Städte mit geordnetem Magistrat (Abrud-
banya, Nagy-Enved, Vizakna) und sieben Stuhl-
bezirke. Kauptort ist Nagy-Enyeo (s. Enycd).
Unterwelt, mytholog. Idee eines gemeinschaft-
lichen Aufenthaltsortes der Verstorbenen, die sich
überall aus der Auschauung des Grabes entwickelt.
Nach ursprünglichster Vorstellung lebt die Seele mit
dem Leibe vcrbuuden (s. Unsterblichkeit und Seelen-
kult) im Grabe fort. Daraus entsteht die Vorstellung
eines allgemeinen uuterirdischen Sammelplatzes
der Verstorbenen, auf welchen nun eine Reihe von
der Oberwelt entlelmte Anschauungen übertragen
wird, z. V. das Vorhandensein von Hainen, Wiesen,
Städten und eines Herrschers über dieses unterirdi-
sche Reich. Besonders ausgebildet und merkwürdig
sind die Vorstclluugen von der U. außer bei den
Persern (s. Zoroaster), Ägyptern (s. Amenthes uud
Totenbuch) und Germanen (s. Hel und Hölle) bei
den Griechen (s. Hades). In der Ilias findet man
die Vorstellung von der U. als einem finstern und
unfruchtbaren weiten Raume, dem Reich des Hades
oder Plutou und der Persephone, in welchem die
Seelen der Verstorbenen ein freudloses schattenhaftes
Dasein führen. Nach der Schilderung der Odyssee
liegt dagegen eine Tagereise weit von der Insel Aia,
am weftl. Ende des Weltstroms Okeanos, wo die
Sonne untergeht, das dunkle, des Sonnenlichts
beraubte Land der Kimmerier. Dabei verschmilzt
die Vorstellung des westl. nächtlichen Dunkels mit
der des Grabesdunkels, und es wird der Ein-
gang zur U. in jenes westl. Totenland verlegt. In
der eigentlichen U. oder im Hades, in welchem die
Flüsse Pyriphlegethon und Kokytos, letzterer ein Aus-
fluß der Etyr, sich iu den Acheron ergießen, hausen
die Seelen der alten Heroen (s.d.) und Heroinen; hier
sitzt nach Vorstellungen, wie sie wohl zum Teil unter
ägypt. Einfluß, namentlich von den Orphikern aus-
gebildet wurden, Minos (s. d.) mit goldenem Scepter
und spricht wie einst den Lebenden, so jetzt den Toten
Recht, und diejenigen, welche gegen die Götter gefre-
velt, wie Tityos, Tantalos und Sisyphos, werden
von uuendlichen Qualen gefoltert. Neben diesem
düstern Bilde findet man aber frühzeitig, besonders
bei Hesiod, auch ein heiteres, das vom Elysium
(s. d.) oder dem Elysischen Gefilde und den Infeln
der Seligen (s. d.), die, ebenfalls am Ende der Erde,
am Okcanos, gelegen, von den Heroen unter der
Herrfchaft des Kronos bewohnt werden.
Sonst wurden vielfach grauenvolle Gegenden, wo
sich ein Abgrund zu öffnen fchien, oder dunkle Grot-
ten, als Eingänge des unterirdischen Totenreichs
betrachtet. Nach der gewöhnlichsten Vorstellung, der
auch die röm. Dichter folgen, war aber das Toten-
reich (lat. Orcuk) rings von den Strömen der U.,
namentlich Styx (s.d.) und Acheron (s. d.) umflossen,
über welche Charon (s. d.) die von Hermes geleiteten
Toten gegen Erleguug eines Führgeldes (desObolos,
den man den Toten in den Mund steckte) hinüberfuhr.
Am jeuseitigen Ufer, wo Charon die Seelen aus-
fetzte, lag in einerHöhlederschrecklicheKerberos(s.d.).
Dann kam man auf einen Platz, wo das Totengericht
abgehalten und entschieden wnrde, welchen Weg die
! Seele wandeln sollte. Es teilte sich nämlich nun
der Weg zum Elysium und zum Tartaros (s. d.),
dem Ort der Strafe für die Verdammten. Unter
^ diefen werden von den spätern Dichtern, auhcr den
^ drei bereits erwähnten, besonders noch Irion und
die Danaiden hervorgehoben. Die Künstler haben
die U. oftmals dargestellt. Am bedeutsamsten war
das Gemälde des Polygnot (s. d.). Es giebt nament-
lich noch in einigen griech. Vasenbildcrn Darstel-
lungen der U. und dazu kommen aus griech.-röm.
Zeit solche in Reliefs und Wandgemälden. - Vgl.
Winkler, Die Darstellungen der U. (Bresl. 1888);
Rohde, Psyche (Freib. i^ Vr. 1890 - 94); Ettig,
^ciloi'linticu, sivo ä08con3uuni lipuä V6tor68 6nai>
i-.itio (Lpz. 1891).
Unterwesterwaldkreis, Kreis im preuß. Reg.-
Vez. Wiesbaden, hat 365,5.5 ykin und (1895) 40739
(20483 münnl., 2025)0 weibl.) E., 1 Stadt, 75 Land-
gemeinden. Sitz des Landratsamtes ist Montabaur.
Unterwiefenthal, Stadt in der Amtshaupt-
mannschaft Annabcrg der sächs. Kreishauptmann-
schaft Zwickau, an der Pöhl, im Erzgebirge, hat
(1895) 808 E., darunter 119 Katholiken, Postagentur,
Fernsprechverbindung; Eisengießerei undMaschinen-
fabrik, Fabrikation von Violinsaiten, Baubeschlägen
und Handschuhen, Brauerei, Mühleu-und Sägewerk.
Unter-Winz, Marktflecken in Siebenbürgen,
s. Alvincz.
Unterzug, ein zur Unterstützung von Balken-
lagen (s. d.) dienendes, unterhalb derselben liegen-
des und auf Mauern oder Pfeilern ruhendes Holz.
U. werden bei größerer Länge durch Säulen, Sattel-