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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Unterzungendrüse - Unzelmann (Friedr. Ludw.)
bölzer und Wintelbällder unterstützt. Auch hier wer-
den alsdann die Balten senkrecht zur Richtung des U.
aufgekämmt. Im Gegensatz zum U. ist der Übcr-
oder Obcrzug ein über die Balkenlage gelegtes
Holz, an welchem diese curgehängt wird. ilber U.
bei Eisenkonftruktionen s. d. >.,.,.,
Unterzungendrüse, s. Speichel
Unterzungennerv, s. Geschmack.
Untiefen, s. Bank. > ^
Untreue, nach dem Deutschen Reichsstrafgesetz-
buch §. 266 die von privaten Bevollmächtigten, obrig-
keitlich oder letztwillig bestellten Verwaltern fremden
Vermögens oder mit einem gewissen ösfentlickenCha-
raltcr bekleideten Gcwcrbtrcibenden unter Verletzung
der ihnen obliegenden Pflickten verübte Unredlick-
keit, insbesondere das vorsätzlicheHandeln zum Nach-
teile der ihrer Aufsickt anvertrauten Personen oder
Sachen, und das absichtlich nachteilige Verfügen
über Vermögensstücke der Auftraggeber. Gewöhn-
lich wird U.mit Gefängnis, neben welckcm auch auf
Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden
kann, bestraft; doch kann auch noch Geldstrafe bis zu
3000 M. hinzutreten, wenn sie begangen wird, um sich
oder einem andern einen Vermögcnsvorteil zu ver-
schaffen. Derselben Strafe unterliegt die U. der Vor-
standsmitglieder und ähnlicher Vertrauenspersonen
(Ausschuß, Aufsicktsrat, Vertrauensmänner) der
eingeschriebenen Hilsskassen und der Einrichtungen
der Arbeiterkranken-, Unfall- und Invaliditäts-
und Altersversicherung (^rtskrautenkassen, Verufs-
genossenschaften, Versicherungsanstalten u.s. w.). U.
der Mitglieder des Vorstands und des Aufsichts-
rats und U. der Liquidatoren von Erwerbs - und
Wirtschaftsgcnosfcnsckaftcn wird nach Gesetz vom
I.Mai 1889 §.140 mit Gefängnis und zugleich mit
Geld bis zu 8000 M. bestraft. U. der persönlich haf-
tenden Gesellschafter, Mitglieder des Aufsicktsrats
und der Liquidatoren einer Kommanditgesellschaft
auf Aktien, sowie II. der Mitglieder des Vorstands
und des Aufsichtsrats und der Liquidatoren einer
Aktiengesellschaft wird mit Gefängnis und zugleich
mit Geld bis zu 20000 M. bestraft (altes .haudcls-
gesetzbuch Art. 249, Handelsgesetzbuch vom 10. Mai
1897, §.312). Zuständig zur Aburteilung ist immer
die Strafkammer. Das Gesetz vom 20. April 1892,
betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haf-
lung, enthält keine besondere Nackdrobung gegen N.
über U. der Rechtsanwalte s. Prävaritation.
Linus pro inuiti" (lat.), einer für viele.
Unvermögen, männliches, s. Impotenz.
Unverritzt, im Bergbau der nock nickt abgebaute
oder in Angriff genommene Teil einer Lagerstätte.
Unvordenklichkeit oder unvordenkliche
Vergab r u u g (lat. pi ao^ci iptio imm^mol-mli^).
Rechtszustünde, die seit Menschengedenken bestan-
den baden, baben für das mensckliche Bewußtsein
cine gewisse Autorität. Das Gemeine Reckt und ua-
mentlick das kanonische Recht lassen eine derartige
Rcchtsausübung als Erwerb eines Reckts oder als
den Beweis, daß ein Recht bestehe, gelten. Daß U.
vorliegt, wird angenommen, wenn Personen, die
wenigstens 54 I. alt sind, bezeugen, daß der be-
treffende Zustand in den letzten 40 Jahren so bestan-
den bat und daß sie auch von ihren Vorfahren etwas
Entgegengesetztes nicht gehört haben. Ein solcker
Beweis kann auch durch Urkuuden erbrackt werden.
Der Gegenbeweis ist erbracht, wenn bewiesen ist,
daß der betreffende Zustand innerhalb der letzten
NO Jahre nicht bestanden hat. oder daß er in einer
darüber hinaus liegenden Zeit eine unrechtmäßige
Entstehung gehabt und eiu ununterbrochener Zu-
sammenhang dieser mit dem spätern Zustande nach-
gewiesen wird. Dic neuern Gesetzgebungen kennen
diese U. nicht. Mit 1. Jan. 1900 tritt sie allgemein
außer Geltung (Einführungsgesetz zum Bürgerl.
Gesetzb. Art. 55).
Unz, der Mittellauf des Karstflusses Lckbach (s. o.).
Unza, Fluß, s. Unsha.
Unze (lat. uncik), der Name eines sehr verbrei-
teten Gewichts von verschiedener Schwere, das früher
fast in allen europ. und amerik. Staaten üblich war,
jetzt aber in den meisten dnrch die Annahme des
franz. metrischen Systems verdrängt ist. In Deutsch-
land und anderwärts war die U^ ^/ig des frühern
(größern) Kandelspfundes (V" der Mark, s. Pfund),
beim Medizinalgcwicht aber (durch das Zeichen Z
bezeichnet) ',12 des (kleinern)Medizinalpfundes', beim
Umrechnen auf Rezepten in das neue Gewicht wurde
sie rund zu 30 ^ angenommen. Im Königreich Sach-
sen trat dies schon 1. Juli 1868 in den Apothe-
ken (in allen deutschen Vuudcsstaaten 1. Jan. 1872
als allgemeines Gewickt) in Kraft. (S. Apotheker-
gewicht und Drachme.) In Italien war sie (die Oncia)
^12 des Pfundes, in Spanien (On^) ^<. der castil.
Libra (des Pfundes), in Portngal (Oi^a) ^5 her
Libra oder der Arratel. In England und den Ver-
einigten Staaten voll Amerika giebt es je zweierlei
II. ((inn(x^, abgekürzt: 0/.), s. ^voii'änpoi8 und Trov-
gewicht. Bei den alten Römern war dic Uncia '/12 des
As oder des Pfundes, dann überhaupt ^2 jedes Gan-
zen, daher auch "12 Fuß (ein Zoll), ebenso wie in den
spätern ital. Staaten bis zur Einführung des franz.
metrischen Systems der Fuß (I'i^cl^) in 12 U. (Oncic,
Ouce) geteilt wurde. Auf der Insel Sicilien war
die U. (0nxg) bis 1865 (gesetzlich bis 1818) die ge-
wöhnlicke Geldeinheit. Sie war ^" 2^ Scudi oder
:i Dueati (Silberdukatcn, s. Dnkaten) -^ 12"/., Lire
jetziges ital. Silbercourant (s. Lira) und wurde in
A) Tan zu 20 Grana geteilt. Die U. ist ferner eine
große altere span. und span.-amerik. Goldmünze,
als Dublone (s. d.) bekannt. II. beißt auch bei den
Europäern eine Gewicktsgrößc in Nordafrika, welcke
die Eingeborenen Uckia nennen. Diese U. ist in
Algier <)4,i30 ss, in Tunis ' 31,680 ss, in Tripolis
^ 30,5.^0 ss und iu Ägvpten -^ 37,0l;8 ss. Ferner ver-
stebt man unter U. auch einige Geldeinheiten außer-
balb Europas, nämlick die marokk. Nckia (s. d.) und
den chines. Liang oder Tael (s. d.).
Unze, Raubtier, s. Jaguar. Auch der central
asiat. Irbis (s. Leopard) wird U. genannt.
Unzelmann, Friedr. Ludw., Holzschneider, Sohn
des folgenden, geb. 1797 in Braunschwcig, machte
seine Studien an der Akademie zu Berlin und bildete
sick dann unter Gubitz weiter aus. Er wurde 1843
Mitglied der Akademie in Berlin, 1845 Professor
und starb auf einer Reise 29. Aug. 1854 zu Wien.
Seine Scknitte besteben in Bildnissen (z.B. Sbake-
speare nach Menzcl), Genrebildern, Architettur-
stücken, Landschaften, Titelblättern, Arabesken u.s.w.
Er fertigte Holzschnitte zu Raczynskis "Geschickte
der neuern deutschen Kunst", Kuglers "Geschichte
Friedrichs d. Gr.", zu Sporschils "Geschichte des
Dreißigjübrigen Krieges", zum "Nibelungenlied"
(Lpz. 1840; nach Zeichnuugen von Bendemann uud
Hülmer) sowie für die Prachtausgabe vou Musäus'
"Volksmärchen" (ebd. 1844). Auch fübrte er nack
Zeichnungen von Vtenzel die Illustrationen zu Fried-
richs d. Gr. Werken aus. Einzelne größere Blätter