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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Uranpecherz - Urban (Päpste)

Uranpecherz, das verbreitetste der zur Darstellung des Urans dienenden Mineralien; es bildet meistens derbe und eingesprengte, auch nierenförmige Massen, ist fettglänzend und flachmuschelig brechend, von pechschwarzer, grün- und grauschwarzer Farbe und an einigen Orten finden sich auch Krystalle, Oktaeder mit den Flächen des Würfels und Rhombendodekaeders. Die Härte ist 5 bis 6, das spec. Gewicht 8 bis 9. Das Erz besteht der Hauptsache nach aus Sauerstoffverbindungen des Urans (s. d.). Indessen ist die Substanz namentlich der derben Massen mit Blei, Eisen, Arsen, Kalt, Magnesia, Kieselsäure, Wismut u. s. w. dermaßen verunreinigt, daß der Gehalt an den Sauerstoffverbindungen des Urans hier nur selten 80 Proz. zu erreichen scheint. Das U. findet sich bei Marienberg, Annaberg, Johanngeorgenstadt, Joachimsthal, Pribram, Redruth (in Cornwall), auch mehrorts in Norwegen (Valle in Sätersdalen, Halbinsel Anneröd, Huggenaeskiten bei Vandsjö); später wurde es gut krystallisiert zu Branchville in Connecticut und in Mitchell County in Nordcarolina angetroffen. Es findet in der Emailmalerei seine Anwendung und wird auch außerdem zur Darstellung des Urangelbs und anderer Farben, des Uranglases u. s. w. benutzt.

Uranus (^[img]), der siebente in der Reihe der großen Planeten, der 13. März 1781 von Wilhelm Herschel mit Hilfe seines neuen Spiegelteleskops entdeckt wurde. Zu Ehren Georgs III. von England nannte Herschel denselben ursprünglich Georgium sidus, dieser Name konnte sich indessen keinen allgemeinen Eingang verschaffen und wurde auf Bodes Vorschlag durch U. ersetzt. Anfangs hielt man ihn für einen Kometen, bis die Art seiner Bewegung seine wahre Natur erkennen ließ. Die Excentricität beträgt 0,0464, die Neigung seiner Bahn gegen die Ekliptik 0° 46'. Seine mittlere Entfernung von der Sonne ist 2850 Mill. km, die kleinste 2714, die größte 2976 Mill. km. Seine Entfernung von der Erde schwankt zwischen 2560 und 3130 Mill. km. Sein Durchmesser beträgt 50 000 km; von der Erde aus gesehen erscheint U. als Scheibchen von 3'',6 Durchmesser. Die Untersuchungen über seine physische Beschaffenheit haben infolge der Kleinheit seines Durchmessers bisher nicht viel Sicheres ergeben, doch wollen verschiedene Astronomen eine erhebliche Abplattung und Flecke auf der Oberfläche wahrgenommen haben. Seine Masse ist zu 1/22 000 der Sonnenmnasse berechnet, woraus eine Dichtigkeit von 0,22 der Erddichte folgt. U. vollendet seinen Umlauf um die Sonne in 83 Jahren 271 Tagen und wird von vier Monden umgeben, deren Bahnen im Gegensatz zu den Bahnen aller sonst bekannten Nebenplaneten auf der Uranusbahn fast senkrecht stehen. Hieraus folgert man, da die Bahnebenen der Monde im allgemeinen mit der Ebene des Äquators des Hauptplaneten nahe zusammenfallen, daß die Rotationsachse des U. eine sehr geringe Neigung gegen seine Bahnebene hat. Eine Folge hiervon wäre ein äußerst schroffer Wechsel der Jahreszeiten, wie ihn kein anderer bekannter Planet aufweist. Die Namen der Uranusmonde sind: Ariel, Umbriel, Titania, Oberon, ihre Umlaufszeiten betragen 2 Tage 12 Stunden, 4 Tage 3 Stunden, 8 Tage 17 Stunden, 13 Tage 11 Stunden, ihre Entfernungen vom U. 200 000, 280 000, 470 000, 630 000 km. Die beiden erstgenannten Monde erscheinen wie Sternchen 15. Größe und sind nur mit den größten Fernrohren wahrzunehmen. Durch die Unregelmäßigkeiten seiner Bewegung gab U. am Anfang des 19. Jahrh. Veranlassung zu der Entdeckung des Neptun (s. d.). Als Stern 6. Größe ist er dem freien Auge gerade noch sichtbar.

Uranvitriol oder Johannit, ein aus dem Uranpecherz hervorgegangenes sekundäres Mineralprodukt von Joachimsthal und Johanngeorgenstadt im Erzgebirge. Es bildet lebhaft grasgrüne nierenförmige und krustenähnliche Aggregate, die aus sehr kleinen monoklinen Kryställchen bestehen; chemisch ist die in Wasser schwer lösliche Substanz wasserhaltiges schwefelsaures Uranoxydul, bisweilen mit einem geringen Gehalt an Kupferoxyd.

Uranylsalze, s. Uran.

Urao, aus dem Wasser der südamerik. Natronseen beim Verdunsten auskrystallisierendes anderthalbkohlensaures Natrium, Na4H2C3O9 + 3 H2O, dasselbe also wie Trona (s. d.).

Urapteryx sambucaria, s. Holunderspanner.

Urari, Pfeilgift, s. Curare.

Uraricoera, Oberlauf des Rio Branco (s. d.) in Brasilien.

Urarthritis (grch.), soviel wie Gicht.

Urat, soviel wie harnsaures Salz; auch ein aus Urin und Gips hergestelltes Düngemittel.

Ura-tjube, Festung und Stadt im Kreis Chodschent des russ.-centralasiat. Gebietes Samarkand, an der Straße von Kokan nach Dschisak und an der im Bau begriffenen Eisenbahn Samarkand-Chodschent-Andidschan, hat (1893) 14 586 E., meist Tadschik und Usbeken; zahlreiche Moscheen, 4 Medressen; Metallbearbeitung, Gerberei, Baumwollweberei und Mühlen.

Uratsediment, s. Harnsediment.

Uratsteine, s. Harnsteine.

Uraturie, die abnorme Ausscheidung harnsaurer Salze (Urate) durch den Harn.

Uräusschlange, s. Brillenschlange. - U. heißt auch die Giftschlange, die die ägypt. Könige als Symbol ihrer Würde an der Krone trugen. Die U. galt als eine Göttin, die den Sonnengott gegen seine Feinde verteidigt hatte; zuweilen werden auch zwei U. als Beschützerinnen von Ober- und Unterägypten angenommen.

Urban (lat.), städtisch, besonders dem feinen Ton der Hauptstadt, Großstadt (urbs) gemäß, fein gebildet; Urbanität, feine Bildung, Lebensart.

Urban, Port d', s. Durban.

Urban, Name von acht Päpsten:

U. I. (223-230), ein Römer von Geburt, soll unter Alexander Severus als Märtyrer gestorben sein. Sein Gedächtnistag ist der 25. Mai.

U. II. (1088-99), vorher Odo, geb. 1042 zu Châtillon-sur-Marne, früher Mönch zu Cluny, dann durch Gregor VII. zum Bischof von Ostia ernannt, bekämpfte die Laieninvestitur, erneuerte den Bann über Kaiser Heinrich IV. und förderte wenigstens die Empörung seines Sohnes Konrad; auch Philipp I. von Frankreich bannte er 1094 wegen dessen ehebrecherischer Vermählung mit der Gräfin Bertrada und erzwang deren Entlassung. Die Freundschaft der Normannen erkaufte er durch Ernennung des Grafen Roger und seiner Nachfolger zu immerwährenden päpstl. Legaten über Sicilien. Überraschenden Erfolg hatte seine begeisterte Aufforderung auf den Synoden zu Piacenza (1095) und Clermont (1095) zur Befreiung Palästinas, wodurch er die große Bewegung der Kreuzzüge (s. d.) hervorrief, die er mit Klugheit zur Hebung der päpstl. Macht zu benutzen