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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Urbino (Fiori da) - Urfa

(gest. 1482) und dessen Sohn Guidobaldo (gest. 1508) zu größtem Glanz, wodurch viele Künstler angezogen wurden. 1508 kam das Herzogtum an das Haus della Rovere und 1626 an den Kirchenstaat. In der Renaissancezeit war U. ein Hauptort der Majolikafabrikation (s. Tafel: Majolika, Fig. 6). - Vgl. Baldi, Memorie concernenti la città d'U. (Rom 1724): Arnold, Der herzogl. Palast von U. (1857): O. E. Schmidt, Federigo von U. (in der "Zeitschrift für Geschichte und Politik", 1888); L. Celli, Storia del sullevamento di U. (Tur. 1892); Calzini, U. e i suoi monumenti (Bologna 1897).

Urbino, Fiori da, ital. Maler, s. Baroccio.

Urceoli (lat.), Meßkännchen, s. Ampulla.

Urchân, türk. Sultan, s. Orchân.

Urda, der 167. Planetoid.

Ürdingen, Stadt im Landkreis Krefeld des preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, links am Rhein, an den Linien Hamm-Duisburg-M.-Gladbach der Preuß. Staatsbahnen, mit Dampfstraßenbahn nach Krefeld, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Düsseldorf) und eines Hauptsteueramtes, ist Dampferstation und hat (1895) 5238 E., darunter 843 Evangelische und 76 Israeliten, kath. und evang. Kirche, Rektoratschule, höhere Mädchenschule, Krankenhaus; Zuckerraffinerien, Dampfkesselfabrik, Emaillierwerk, Ölsiederei, Gerbereien, Töpfereien, Eisen- und Gelbgießereien, bedeutende Fabriken für Anilinfarben und Chemikalien, Bleiplomben, Cementwaren und Malzkaffee (Kathreiner), Ziegeleien, Kalkbrennereien, Knochenmühle, bedeutende Getreidespeicher mit Elevatoren, sehr lebhafte Schiffahrt und Werftanlagen.

Urdu, Sprache, s. Hindustani.

Urea (grch.), der Harnstoff (s. d.).

Uredineen (Aecidiomycetes), Rostpilze, Familie parasitischer Pilze von zweifelhafter systematischer Stellung. Teils werden sie als eigene Gruppe, teils als Unterabteilung der Basidiomyceten (s. d.) betrachtet. Sie leben sämtlich auf höhern Pflanzen. Ihre Mycelien vegetieren im Innern der Gewebe der Wirtspflanzen, während die Sporen auf deren Oberfläche gebildet werden. Bei vielen Arten ist ein mehrgliederiger Generationswechsel vorhanden; man unterscheidet: die Sommersporen- oder Uredogeneration, die Wintersporen- oder Teleutogeneration, die Promycelien mit den Sporidien und die Äcidiengeneration, die früher als eigene Gattung Aecidium angesehen wurde, mit den Spermogonien. Bei einigen Arten wird der ganze Generationswechsel durchlaufen, bei andern werden ein oder auch mehrere Glieder übersprungen. Je nachdem sich der Generationswechsel auf derselben Wirtspflanze oder auf verschiedenen Pflanzen abspielt, unterscheidet man autöcische und heteröcische Formen. Zu den U., die in sehr zahlreichen Arten über die ganze Erde verbreitet sind, gehören unter andern die Erreger mehrerer wichtiger Pflanzenkrankheiten, so besonders derer, die den Rost oder das sog. Befallen des Getreides hervorrufen. (S. Puccinia und Tafel: Pflanzenkrankheiten.)

Uredosporen, s. Puccinia und Uredineen.

Uregga, weit ausgedehnter Landstrich östlich vom Kongo zwischen Njangwe und den Stanleyfällen. Er soll ganz von Urwald bedeckt sein und unter diesem Namen bis zum Albert-Njansa und an den Albert-Eduard-Njansa und Tanganika reichen. Mit Bestimmtheit weiß man nur, daß U. von Flüssen durchzogen wird, welche unter den Namen Lira, Ulindi, Lowwa und Leopoldfluß zum Kongo gehen. Der nördl. Teil wurde 1892 von Emin Pascha und 1894 von Graf Götzen durchschritten.

Ureide, gewisse Verbindungen des Harnstoffs (s. d.) mit organischen Säuren, die in ihrer Konstitution den Säureamiden entsprechen. Ein einfaches Ureïd der Essigsäure ist z. B. der Acetylharnstoff, CH3·CO·NH·CO·NH2. Besondere Bedeutung besitzen die U. mit zweibasischen Säuren wegen ihrer Beziehungen zur Harnsäure und ähnlichen Verbindungen, aus denen sie meist durch Spaltung und Oxydation entstehen. Über die wichtigsten hierher gehörigen Substanzen s. die Einzelartikel: Parabansaure (Oxalylharnstoff), Barbitursäure (Malonylharnstoff), Dialursäure (Tartronylharnstoff), Alloxan (Mesoxalylharnstoff) und Hydantoin (Glykolylharnstoff). Die U. besitzen säureähnliche Eigenschaften, können meist auch synthetisch dargestellt werden und sind durch Alkali leicht in Harnstoff und die betreffende Säure spaltbar. Als Zwischenprodukte bilden sich dabei wirkliche Carbonsäuren, die Ursäuren, so aus Parabansäure, C3H2N2O3, die Oxalursäure, C3H4N2O4 = NH2·CO·NH.CO·COOH. Über die Diureïde s. d.

Urengaische Berge, s. Ural.

Ureter (grch.), der Harnleiter, s. Nieren; Ureterītis, die Entzündung des Harnleiters; Ureterotŏmie, die operative Eröffnung des Harnleiters behufs Steinextraktion.

Urethan, der Äthylester der Carbaminsäure, NH2·COOC2H5, entsteht durch die Einwirkung von Ammoniak auf Kohlensäureester oder Chlorkohlensäureester oder beim Erhitzen von salpetersaurem Harnstoff mit Alkohol in Autoklaven auf 130°. Es bildet farblose Krystalle, die bei etwa 50° schmelzen, ist flüchtig und löst sich in Wasser, Alkohol und Äther. Das U. wird als Schlafmittel empfohlen und in Gaben von 2 bis 4 g gut ertragen, ohne üble Nebenwirkungen hervorzurufen. Im allgemeinen bezeichnet man als Urethane sämtliche Ester der Carbaminsäure.

Urethra (grch.), die Harnröhre; Urethrālstriktur, Harnröhrenverengerung; Urethrītis, Harnröhrenentzündung, Tripper; Urethrolithiăsis (grch.), Steinbildung in der Harnröhre; Urethroplástik, der künstliche Ersatz der Harnröhre; Urethroskŏpie, die Untersuchung der Harnröhre vermittelst des Endoskops (s. d.).

Urethrotomie (grch.), die chirurg. Operation des Harnröhrenschnittes. Man unterscheidet einen äußern und einen innern Harnröhrenschnitt; ersterer dringt von der äußern Haut aus in die Harnröhre ein, letzterer durchtrennt die Wand der Harnröhre von dem Kanal derselben aus. Für den innern Harnröhrenschnitt braucht man ein besonderes, in die Harnröhre einzuführendes Instrument, das Urethrotōm. Die U. wird ausgeführt zur Beseitigung der Harnröhrenverengerungen; den äußern Schnitt wählt man besonders in den schweren Fällen, in denen sich kein Instrument mehr in die Blase führen läßt.

Uretika (grch.), harntreibende Mittel.

Urfa (Orfa), syr. Urhoi, Hauptstadt eines Sandschaks im türk. Wilajet Haleb in Mesopotamien, liegt östlich vom mittlern Euphrat und zählt gegen 55 000 E. Von Altertümern sieht man nur noch die Trümmer der alten Burg, von der Sage für den Palast Nimrods gehalten, und die Katakomben. Merkwürdig ist die dem Abraham geheiligte Moschee mit Teich. Man treibt Weberei und Handel. Zwei Missionsanstalten haben hier ihren Sitz. (S. Edessa.)