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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Urinfistel - Urkundenfälschung
gegeben baben; die Pinguine sind in ibrer ganzen
Organisation so abweichend von allen andern Vö-
geln, daß sie sicber eine eigene, und zwar die nie-
drigste, den Reptilien am nächsten stehende Familie
bilden müssen.
Urmfistel, ein
widernatürlicher geschwüriger Gang zwischen der
Schleimhaut der Harnorgane und der äußern Haut
oder den Wandungen einer Körperhoble, durch den
Urin abtrüufelt. Die innere Öffnung der U. befindet
sich in den Nieren, den Harnleitern, der Harnblase
lBlasenfistel) oder der Harnröbre, während die
äußere am Damm, am Penis, im Mastdarm oder in
der scheide gelegen sein kann. Wird dnrck die Fistel
die Harnblase mit dem Mastdarm in abnorme Ver-
bindnng gebracht, so spricht man von einer Mast-
darmblasenfistel (s. d.); verlünft dagegen dc'r
fistulöse Kanal von der Harnblase nach der Scheide,
so entsteht die Blasenscheidensistel (^isww
v68ic0V3KwIiis), die fast immer die Folge schwerer
mrd langdauernder Geburten ist. Die II. ist ein
überaus lästigem libel, das sich nur auf operativein
Wege (Anlegen der blutigen Naht) beseitigen läßt.
Urmsäure, soviel wie Harnsänre (s. d.) und
Hippursäure (s. d.).
Uri-Nothstock, Gipfel der Danuuagruppe in
den Berner Alpen ls. Westalpen), erbebt sich als stei-
ler, firngekrönter Felsstock 81<in westsüdwestlich von
Altdon zu 2^>32 ni Höhe ü. o. M.
Nrisfa, Division in Bengalen, s. Orissa.
llrjadnik (russ., "Ordner"), Name des Unteroffi'
ziers bei den Kosaken in Rußland.
Urjupinskaja Staniza oder Urjupinö, Ne
zirksort im Choperschen Bezirk des russ. Gebietes der
Doniscken Kosaken, links am Choper und an der
Linie Alexikowo-U. der Eisenbahn Grjasi-Zaryzin,
bat (1893) 10116 (5.; Post, Telegraph, 2 Kirchen,
Filiale der Petersburger Kommerzbank, bedeutenden
Jahr-, namentlich Viehmarkt (Pferde und Rinder).
Nrk, Insel im Zuidersee, zur niederländ. Pro-
vinz Nordholland gehörig, 21 km östlich von
Enkbuizen, hat auf 80 I^ 2574 (5., Fischerei, Hafen
und Leuchtturm. Westlich von U. heißt das tiesc
Fahrwasser Val van U.
Urkalk, alte Bezeichnung der krystallinischen Kalk-
steine der Archäischen Formationsgruppe is. d.).
Urkunde (1n8ti'nm6utuili), im weitern Sinne
jeder körperliche, leblose Gegenstand, der Spnren
menschlicher, auf Überlieferung einer rechtlich erheb-
lichen Kunde berechneten Thätigkeit darbietet. Im
engern Sinne sind U. derartige Schriftstücke, mögen
sie durch Druck, Schreiben, Lithographie, Einritzen
oder sonstwie hergestellt sein. U. im letztern Sinne
nnd teils solche, welche nur zum Beweise dienlich
oder auch nur zum Zweck des Beweises hergestellt
oder zugleich der Ausdruck der Erklärungen sind,
durch welche ein Rechtsgeschäft zu stände gekommen
ist (sog. Diöpositionsurtunden), oder welche, wie
die Inhaberpapiere (s. d.), zugleich Verkörperung
eines Forderungsrechts sind. Die Deutsche Civil-
prozeßordnung uuterscbeidet für den Urkunden-
beweis (s. d.) öffentliche und Privatur-
tunoen. Als öffentliche U. bezeichnet sie
diejenigen, welche von einer öffentlichen Bebörde
innerbalb der Grenzen ihrer Amtsbefngnisse oder
von einer mit öffentlichem Glauben versehenen
Person sz. B. einem Gerichtsvollzieher, einem
Notar) mnerbald des ibr MN'wiesenen Geschäfte
kreises in der vorgeschriebenen Form aufgenom
men sind. Alle andern U. sind Privaturkun-
den. (S. auch Diplom.)
Urkundenbeweis. Beweiskraft kommt einer
Urkunde (s. d.) nur dann zu, wenn sie ccbt nnd
wenn sie unverfälscht ist. Eine nach Form und Iw
balt öffentliche Urtnnde hat die Vermutung der Echt-
heit für sich. über die Echtheit einer Privaturkunde
bat sich der Gegner zu erklären. (S. Unterschrift.)
Bestreitet er ihre Echtheit, so ist diese mit dc-n ge-
wöhnlichen Beweismitteln zu erweisen, wozu auch
Schriftvergleickung benutzt werden kann, während
der früher übliche fog. Disfessionseid (s.Diffession) ab-
geschafft ist. Inwieweit äußere Mängel (Durchstrei-
ebungen, Radierungen u. s. w.) die Beweiskraft einer
Urkunde beeinträchtigen, entscheidet das Gerickt
nach freier Überzeugung. Die echte unverfälschte Ur-
tnnde beweist formell in jedem Falle, daß die darin
enthaltene Erklärung von dem Aussteller abgegeben
ist. Öffentliche Urkunden begründen, wenn sie über
eine vor einer Behörde oder Urknndspcrson abgege-
bene Erklärung errichtet sind, vollen Beweis des
beurkundeten Vorgangs, jedoch unter Vorbehalt des
Gegenbeweises nnrichtiger Beurkundung. Die An-
tretnng des Beweises durch Urkunden erfolgt durch
Vorlegung derselben, wenn sie im Besitz des Beweis-
fübrers sieb befindet; andernfalls muß derselbe zu-
nächst ibrc Edition (s. d.) bewirken. Durch die Vor-
legung wird die Urkunde gemeinschaftlich: der Vc-
weisfübrer kann dann nur mit Zustimmung des
Gegners auf die Urkunde verzichten. (Vgl. Deutsche
Eivilprozeßordn. §8- W fg.; Österr. G. 2^2 fg.)
- Im Strafprozeß müssen nach der Teutschen Straf-
prozesiordnnng als Beweismittel dienende Schrift-
stücke in der Hanptverbandlung regelmäßig verlesen
werden. (S. anch Beweis, Wiederaufnahme.)
Nrkundenfälfchung, eine in rechtswidriger
Absicht erfolgende Fälschung einer Urtnnde (Reichs-
strafgesetzb. §8- ^7-280), kann besteben in einem
Verfälschen oder fälschlich Anfertigen fauch auf
den Namen einer gar nicht existierenden Person).
Unterschrift ist nicht immer erforderlich. U. liegt z. B.
anch vor, wenn fälschlich Oblaten kaufmännischer
Firmen auf Geldrollen geklebt, oder wenn statt der
Unterschrift Geschäftsstempel gebraucht werden; so
kann anck die falsche Stempeluug von Eisenbahn-
schienen U. sein. Dem Verfälschen u. s. w. muß
hinzutreten ein Gebrauchmachen zum Zwecke der
Täuschung; Herstellung der falschen Urkunde ohne
Gebrauch ist keine vollendete U., vielleicht Versuch.
Nicht notwendig zur Strafbarkeit der U. ist gewinn-
süchtige Absicht des Fälschers; sie bildet nur einen
straferhöhenden Umstand. Notwendig aber ist jeden-
falls eine rechtswidrige Absicht, d. b. es muß die
Absicht dahin geben, einen bestehenden Rechtszustand
zu verändern und insbesondere fremde Rechte zu be-
einträchtigen. Der U. gleichznachten ist der wissent-
liche Gebrauch einer von einem andern gefälschten
oder verfälschten Urkunde, die Vlankettfälschung nnd
die intellektuellen U. swenn jemand vorsätzlich
bewirkt, daß Erklärungen, Verhandlungen oder That-
sachen, welche für Rechte oder Rechtsverhältnisse von
Erheblichkeit sind, in öffentlichen Urkunden als abge-
geben oder geschehen beurkundet werden, während sie
überhaupt nicht, oder in anderer Weise, oder von einer
Person in einer ihr nicktzustehenden Eigenschaft, oder
! von einer andern Person abgegeben oder geschehen
! sind; hierher gehören falsche Angaben zu Grund- und
i Hypothekenbückern,Hande(ö-,StandcsanUöregistern
i und der Fall, wenn eine amtliche Urkundsperson