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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vacha - Vadianus
Beeren selbst ein wohlschmeckender und gesunder
Wein hergestellt <s. Veerwcine). Die getrockneten
Beeren waren als VHccli6 N^rtiiioi-nm offizinell
und wirken als ausgezeichnetes Mittel gegen Durch-
falle und Ruhr.
Die Preiselbeere, Stein- oder Kronsbeere
(Fig. 5) hat immergrüne glänzende Blätter, weifte
oder rötliche Blüten und rote Beeren, kommt beson-
ders in Gebirgsgegenden vor und überzieht hier
ebenfalls auf weite Strecken den Boden. Die Beeren
baben einen angenehm sauern Geschmack, da sie Ci-
tronensäure reichlich enthalten; sie werden weniger
roh gegessen, bilden aber eingemacht ein sehr belieb-
tes Kompott; auch bereitet man aus ihnen einen
wohlschmeckenden Branntwein, den Steinbeer-
wein. Die Blätter dieser Art wie der vorigen
werden im Aufguß gegen Blasenleiden benutzt.
Die Moosbeere findet sich auf Mooren in ähn-
licher Weise wie die beiden vorigen, hat immergrüne
Blätter, rote Blüten und rote Beeren. Die letztern
werden ebenfalls eingemacht und gegessen, doch sind
sie wegen ihres seltenern Vorkommens weniger be-
kannt. Neuerdings hat man die nordamerik. Art
(V. macrocai-puin ^1/5., s. Tafel: Beeren ob st,
Fig. 4), die aber gröftere Früchte trägt, für die aus-
gedehnten Moorgegenden Deutschlands zum Anbau
empfohlen; die Beeren sind noch wohlschmeckender
als die der europ. Moosbeere.
Die vierte Art in Deutschland, die R au sck b e e r e,
V. nli^iii08niii /^., kommt ebenfalls auf Mooren vor,
ist viel weniger häufig als die vorigen, bedeutend
boher (bis über 1 m), hat abfallende Blätter, weiße
oder rötliche Blüten und schwarze Beeren ungefähr
von der Größe wie die Heidelbeeren. Man glaubte
früher, die Beeren dieser Art wirkten berauschend;
doch ist dies nicht richtig; sie sind eßbar, baben aber
einen unangenehmen süßlichen Geschmack; in grö-
ßern Mengen genossen erzeugeu sie Kopfschmerzen.
Einige nordamerik. Arten, darnnter V. miier^
eai-pum, werden nicht selten als Eierpflanzen in
Gürten kultiviert und zur Ausschmückung von Fels-
partien u. dgl. benutzt; sie halten im Freien sehr gut
aus, müssen aber in Heideboden gezogen werden.
Vacha, Stadt im Verwaltungsbezirk Dermbach
des Großherzogtums Yachsen-Weimar, links an
der Werra, in 232 m Höhe, am Nordsuß des aus
Basalt bestehenden Öchsenberges (639 m), an der
Nebenlinie Dorndorf-V. (5 Icm) der Feldabahn, Sitz
eines Amtsgerichts (Landgericht Eisenach), hat
(1895) 1470 E., darunter etwa 40 Katholiken, Post.
Telegraph, Wasserleitung; betrieben wird besonders
Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen, Ci-
garren und Pappen, Holzschleiferei, Lohgerberei,
Dampfsägewerk und Sandstcinbrüche.
Va.Vkv (frz., spr. wasch), Kuh; in Neisewagen
das zur Aufnahme von Gepäck dienende Behältnis;
Vacherie (spr. wasch'rih), Schweizcrci.
Vacherin (spr.wasch'rüng), Käseart, s.Vaschrein.
Vacherot (spr. wasch'roh), Etienne, franz. Philo-
soph, geb. 29. Juli 1809 zu Langres, besuchte die
Normalschule in Paris, war Lehrer in Chälons-sur-
Marne, wurde außerord. Professor der Philosophie
und 1837 von Vietor Cousiu zum Studieudirektor
an die Normalschule berufen. Anßerdem war er
seit 1838 noch Repetent der Philosophie und ersetzte
1839 Cousin als Professor der Philosophie an der
Sorbonne. Seine in der "IIi"toil6 6i-iti<ivi6 äo
1'6col6 ä'^xaiiäi-ie" (3 Bde., Par. 1846-51) dar-
gelegten philos. Doktrinen zogen ihm die heftigsten
Angriffe des Klerus zu, infolgedessen V. später zur
Disposition gestellt und 1852 wegen Verweigerung
des Eides auf die Verfassung aus dem Staatsdienste
entlassen wurde. Unter seinen spätern Schriften zog
ihm "I^i d^moci'lUiL" (Par. 1859) eine Verurteilung
zu einein Jahre Gefängnis zu, eine Strafe, die
später auf drei Monate gemildert wurde. Am
8. Febr. 1871 wurde er vom Seinedepartement zum
Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt.
Er hielt sich hier aufangs zur Linken und schloß sich
nachher an das linke Centrum an. Nach der Auf-
lösung der Nationalversammlung zog er sich aus
dem polit. Leben zurück. Er starb 29/Iuli 1897 in
Paris. Von V.s Schriften sind noch zu nennen:
"1^ im'!tai)Ii^8iliu6 et 1a "oisiicL" (2 Bde., 1858;
2. Aufl., 3 Bde., 1803), sein Hauptwerk mit der Ent-
wicklung seines philos. Systems; "^88lÜ8 äs pUilo-
80^1116 6iiti(^u6" (1864), "1^5 i'6iiAion" (1868), "I^cl
8ci"nc" 6t III con8ci6nc6" (1870), "I^l. i)0litilin6
6Xt61'16N16 (16 1a 1l6Pud1ic^U6" (1881), "1^6 N0NV6iNI
8i)ii'ituHli5M6" (1884).
Vacquerie (spr. wack'rih), Auguste, franz.Schrift-
steller, geb. 1819 zu Villequier (Seine-Inferieure),
wurde durch seinen Bruder Charles, den Schwieger-
sohn Vietor Hugos, mit dem großen Dichter bekannt
und dessen enthusiastischer Verehrer und Lebens-
geführte auch während der Verbannung. Nachdem
er zwei Bände Gedichte veröffentlicht hatte, erregte
fein abenteuerlich-romantisches Lustspiel "'IiiiFal-
ckiUia8" (1848; zuerst gedruckt 1874; illustrierte Aus-
gabe 1886) auf der Bühne Porte St. Martin un-
gewöhnlichen Widerfpruch, während es 1878 gro-
ßen Beifall erntete. Seine spätern Stücke "souv6lil
ii()I111116 Viii'16" (1859), "1^68 t'ui161'in1l68 ti6 1'liON'
ii6nr" (1861, in 7 Akten), "<l6^ii I^näi'x" (1863),
^1^6 n'i8" (1866) hatten zum Teil Erfolg, sein letztes
Drama in Versen ".Ilüoii8i6 " (1889) fiel gänzlicb
durch. Er begründete 1869 mit P. Meurice den
radikalen "ItaM6i", für den er die Leitartikel u. s. w.
schrieb. Eine Reihe Artikel hat er u. d. T. "i^-oüw
6t Zi'imÄC68" (1856) veröffentlicht. Ferner sind zu
erwähnen: "1^68 ini6tt68 ä6 1'1ii8toii-6" (1863), "N68
1)1611116168 H1111668 (16 I^ai'18 " (1872), "^u^ouräliui
6t ä6iiikiii" (1875) und die Gedichtsammlung "1)6-
Mi8" (1894). V. starb 19. Febr. 1895 in Paris. -
Vgl. Ulbach, ^u^i8t6 V. (Par. 1883).
Vacuua, sabinische Nationalgottheit, die später
mit Victoria gleichgesetzt wurde.
Va.oüuin'(lat.), Leere (s. d.).
Vacz (spr. wahz), ungar. Name von Waitzen.
Vadem, niederländ. Seeschiffahrtsmaß, s. Faden.
Vademekum (lat., d. i. geb mit mir), Titel für
Bücher von kleinem, handlichem Format, die alü>
Ratgeber oder Leitfaden, gleichsam als Begleiter
in allen möglichen Lagen des Lebens dienen sollen.
Vadiänus, eigentlich Joachim von Natt,
schweiz. Humanist, geb. 30. Dez. 1484 in St. Gallen,
stndiertc in Wien und wurde daselbst 1514 Professor,
1518 Arzt in St. Gallen. Mit Zwingli innig be-
freundet, mit Luther und Erasmus im Briefwechsel,
war V. ein Hauptbcförderer der Reformation und
nahm an verschiedenen Religionsgesprächen teil,
namentlich seit er 1526 Bürgermeister geworden
war. Er starb 6. April 1551. V.' Hauptwerk ist die
von ihm bandschriftlich hinterlassene "Chronik der
Äbte von Et. Gallen", die von Götzinger in "Ioack.
von Watts deutschen histor. Schriften" (3 Bde., St.
Gallen 1875-79) herausgegeben wurde; außerdem
sind hervorzuheben: " ^omponii Hl6la6 I1i8i>. lidri