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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vasishtha - Vassy
reizte das Handwerk zur Nachahmung. Um ähnliche !
Kompositionen wiederzugeben,war der schmaleRaum, !
den die Schale bot, nicht geeignet, man hatte hohe !
Flächen nötig, wie sie die großen Gesäße, die Am- ^
phora und der Krater, boten und diese beiden Gefäß-
formen kamen nun mehr als srühcr in Aufnahme. Es
ist charakteristisch, daß in dieser auf die Blüte der !
Schalenmalerei folgenden Periode die Künstler- !
inschriften auf den V. fast ganz verschwinden. Eine
größere Gleichmäßigkeit des Stils macht sich geltend.
Auch iu der Auswahl und in der Auffassung der dar-
gestellten Gegenstände tritt ein Wechsel ein. Wäb-
rend die Schalenmaler darauf bedacht gewesen waren,
in ihren Darstellungen möglichst viel Handlung zu
qeben, fing man ietzt an, Stimmungsbilder, Ab- !
ichiedsscenen, Schildenmgen trauten Beisammcu- ^
seinsu.dgl.zu malen; auch bei den mythischen Stössen i
ging man mehr darauf aus Situationen zu schildcru,
als die Geschehnisse, wie früher, in anschaulicher Aus- l
führlickkeit zu erzählen. Die Periode dieser Entwick- l
lung fällt in die zweite Hälfte des 5. Jahrb. v. Cbr. !
(Vgl. Winter, Die jüngern attischen V., Verl. und '
Stuttg. 1885.) Die Gefäße diefer Zeit sind leickter
und schlanker gebant, die Ornamentstreifen feiner
und reicker gestaltet; alles drängte mehr auf eine
äußerliche dekorative Wirkung hin. Dabei begann
die Gewohnheit sich herauszubilden, die eiue Seite
des Gefäßes durch die bildliche Darstellung als
Haufttseite zu betonen. Man begnügte sich, die Rück-
fcite mit ein paar flüchtig hingeworfenen bedeutuugs-
lofen Figuren zu bemalen. Was den Inhalt der Dar-
stellungen anlangt, fo wurden die epischen Scbilde-
rungen von dem Genrebilde nun fast völlig verdrängt.
Mädchen beim Spiel, bei der Toilette, in häuslicher
Vesckaftiguug, Blumen und Früchte pflückend, zieren
in anmutigem Wechsel deu Raum der Gefäße, immer
ist Eros unter ihnen und alles, was auf Schönheit
und Liebe Bezug hat, wird jetzt der Gegeustand des
Interesses: es ist die gleiche Richtung, die in der
großen Kunst sener Zeit die Werke des Praxiteles be-
zeichnen. Das Streben nach Zierlichkeit und Eleganz
gab nun auch Aulaß, durch Zusetzen farbiger Töne
den Reiz der Zeichnuug zu erhöheu. Mau liebte es,
namentlich auf zierlichen Toilettegefäßen Vergoldung
anzubriugen, und fuchte außerdem dureb weiße und
blaue Farbe an einzelnen Teilen der Figuren dem
Bilde eine Buutheit zu geben, die der rotfigurigen
Malerei im strengen Sinne fremd war. (Vgl. Otto
Iahn, Über bemalte V. mit Goldfchmuck, Lpz. 1805.)
Eine wirklich farbige Behandlung ist für die fast aus-
schließlich den: Gräberkult dienenden Lekythen bis
in das 4. Jahrh, hinein beibehalten worden. (Vgl.
Benndorf, Griech. und sieil. Vasenbilder, Berl. 1869
-77: Murray, "VVIiite ^tliLnian Va868 in tiis; Nri-
tisli Hw3nim, Lond. 1896.) In der zweiten Hälfte
des 1. Jahrh. v. Chr. bricht die attifche Vasenmalerei
ab. Noch kurz vor ihrem Aufhören entstanden iu ein-
zelnen der Absatzgebiete lokale Fabriken, so die in
Südrußland (in der Krim), wohin im 4. Jahrh,
v. Chr. ein starker Vasenexport von Athen aus statt-
gefunden und wo sich auch attische Vasenmaler selbst
angesiedelt hatten.
In größerm Umfang als dort ist die Fabrikation
in den griech. Kolonien von Unteritalien aufge-
nommen worden. Die Haufttfundftätten sind in
Campanien Capuaund (5umä, iuLucanien Anzi uud
Pästum, in Apulien Ruvo und Canofa. Gemein-
sam ist allen hier entstandenen V., die in der Technik
mit den rotfigurigen attischen übereinstimmen, im
Gegensatz zu deu letztern der gröbere Thon, die nach-
lässige Äusfübrung der Malerei und eine Über-
laduug der Gefäße mit bildlichem und ornamentalem
Schmuck. In letzterm kommen sie der Art der ältern
V. wieder näher, während die attische Ware durch
geschmackvolles Maßhalten in der Dekoration aus-
gezeichnet war. Kunstvoller als die übrigen sind die
apulischen V., unter denen namentlich eine Sorte
Prachtamphoren, sehr großer Gefäße mit Schwanen-
bälfen, bemerkenswert ist. Die Fabrikation dieser
Art von V. reicht nicht über das Ende des 3. Jahrl,.
v. Chr. hinab. In den folgenden Zeiten ist das Auf-
maleu der Dekoration auf die V. aus der Mode ge-
kommen. Es machte sich in der spätern Thonware
vielmebr ein engerer Anschluß an Mctallgefäße be-
mcrtlich, in den Formen und Ornamenten, in den
meist in Relief ausgeführteu figürlichen Darstellun-
gen wie auch in der Tönuug der Oberfläche, für die
durch die Ersinduug der Glafur ganz neue Wege ge-
wiefen wurden.
In der neuern Kuust spielt die Vase eiue minder
wichtige Rolle. Ihre Grundform und Dekorierungs-
art ist eine völlig willkürliche. Vorzügliches in der
Herstellung vonV. leistet das moderne europ. Kuust-
gewerbe, vornehmlich die berühmten Porzellanfabri-
teu Deutschlands und des Auslaudes (s. Tafel:
Vasen II); ferner auch der Orieut, insbesondere
Japan, China und Indien (f. Japanische Kunst,
Chinesische Kunst, Indische Kunst und die diesen Ar-
tikeln bcigegebcnen Tafeln).
Von Publikatiouen sind die ältern bei O. Iahn,
Beschreibung der Vasensammlung des Königs Lud-
wig I. (Münch.1851), aufgezählt. Von jüngern sind
außer den im Tert erwähnten zu nennen: Lau, Die
gricckischeu V.,ihr Formen- und Dekorationssystem
(11 Tafeln mit Text von Krell, Lpz. 1877); Tumont
und Chaplain, 1^68 cei-iiiniciueg d^ ^ (?i-ec" pio^i o
<Par. 1882 -W); Sammlung Sabouroff, hg. vou
Furtwängler (Berl. 1883^87); Pottier, Vll308 anti-
ciue" äu I^ouvi-6 iPar.1897). Zusammenfassende Dar-
stellungen geben Virch, Iiistoi-^ ol a,mü"nt ^ottoi-^
l2. Aufl., Lond. 1873); Genick, Griech. Keramik (Berl.
1883); RayetuudCollignon,IIi5t0ii-0 äe I^ceramisluo
Li-"cciii0 imit zahlreichen Abbildungen, Par. 1888);
vou Robden (in den "Denkmälern des klassischen
Altertums", hg. von Baumeister, Müuch. 1885-88);
Masuer, Die Sammlung antiker V. und Terrakotten
im k. k. österr. Museum für Kunst und Industrie (Wien
18!^). Um die Veröffentlichung der Vasenbilder hat
sicb besonders EduardGerbard (s. d.) verdient gemacht.
Vafifhtha, Name eines alten ind. Priesters,
Vaskuiös (lat.), gefäßreich. ^f. Vicvämitra.
Vasomotorische sierven, s. Gcfäßnerven.
Vafoneurofcn (lat.-grcb.), Erkrankungen der
Gefäßnervcn. ^stellers Cadalso ls. d.).
Vasquez, Jose, Pseudonym des span. Schrift-
Vasfall lspr. wässel), Henry Richard, s. Rolland
(Peerstitel).
Vaffy, offiziell Wassy. 1) Arroltdissemeut im
franz. Depart. Haute-Marne (Champagne), hat
auf 15)68,94 hwn (1890) 71027 E., 8 Kantone mit
145 Gemeinden. - 2) Hauptstadt des Arron-
dissements V. an den Linien Troyes-Pagny-sur-
Meuse und St. Dizier-Doulevaut-lc-Chäteau der
Ostbabn, hat (18l)0) 2822, als Gemeinde 30i>7 E.,
Gerichtshof erster Instanz, Ackerbaukammer, Forst-
inspektion und College und ist bekannt durch die
Niedermetzelung der Calvinisten (Blutbad zu V.)
1. März 1562 (s. Hugenotten).
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