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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Veckerhagen - Vega (Garcilaso)
Veckerhagen, preuß. Flecken, s. Bd. 17.
Vector, Radius vector, s. Radius.
Vecturiōnen, Stamm der Picten (s. d.).
Vēda ("das Wissen"), Name der ältesten Litteraturdenkmäler der Inder, deren es vier giebt, den Rig-, Sāma-, Yajur- und Atharvavēda (s. diese Artikel). Die drei ersten (kanonischen) Veden samt den Brāhmaṇa (s. d.) werden zusammengefaßt unter dem Namen çruti, "das Hören", d. h. "der durch Offenbarung überlieferte Text", im Gegensatz zu der smṛti, "Erinnerung", d. h. "der durch Tradition überlieferte Text", Werke, die als Autorität gelten, ohne auf göttlichen Ursprung Anspruch zu haben, und die sich meist auf das altüberlieferte Herkommen, Sitte, Gesetz, überhaupt auf das tägliche Leben beziehen. In engerm Sinne versteht man unter V. oft den Rigvēda allein. (S. Indische Litteratur und Vedische Religion.)
Vedāntasystem (Vedānta soviel wie Ende oder Endziel des Veda), eines der sechs orthodoxen brahmanischen Systeme (s. Indische Philosophie), eine konsequente Ausbildung der in den Upanishaden vorliegenden philos. Gedanken und der bedeutendste Faktor im geistigen Leben des Brahmanentums. Das Hauptwerk dieses Systems, die Brahma Sūtras (oder Çârîraka-mîmâṁsâ-sûtra), ist in Indien oft kommentiert worden und zwar in zwei verschiedenen Richtungen, von denen die ältere als streng monistisch, die jüngere als theïstisch bezeichnet werden muß. Der Hauptvertreter der ersten Richtung ist Çaṁkara. - Vgl. Deussen, Das System des Vedanta (Lpz. 1883); ders., Die Sûtras des Vedanta. Aus dem Sanskrit übersetzt (ebd. 1887); F. M. Müller, Three lectures on Vedanta philosophy (Lond. 1891).
Vedda, Volk auf Ceylon, s. Wedda.
Vedette (frz.), der vorgeschobene Posten einer Kavalleriefeldwache, bestehend aus zwei oder drei Reitern.
Vedische Religion, die älteste Phase in der Entwicklungsgeschichte der ind. Religion, speciell die im Rigvēda (s. d.) entgegentretende. Im Rigvcda lassen
sich deutlich vier Klassen von Göttern unterscheiden: 1) die aus der indogerman. Vorzeit herübergenommenen Götter, Personifikationen von Naturkräften; 2) die Ādityās; 3) die Dēvās; 4) die Priestergötter. Der ersten Klasse gehören an Dyāus (s. d.), der alte Himmelsgott, Pṛthivī, die Erde, Ushas, die Morgenröte, Sūrya, die Sonne, Parjanya, der Gott des befruchtenden Gewitterregens, Vāyu oder Vāta, der Gott des Windes. Diese Götter treten im Rigvēda bereits ganz zurück und haben entweder gar keinen Sagenkreis mehr oder derselbe ist, wie bei Ushas, bereits echt indisch ausgebildet worden. An der Spitze der Ādityās steht Varuṇa, der ebenso wie Dyāus den Namen Asura erhält; nächst ihm sind als Ādityās zu nennen Mitra, Aryaman, Bhaga, Savitar. Weder die Zahl noch die Namen d er Ādityās sind ganz feststehend; es werden bis acht genannt und Götter als Ādityās wie als Asuras bezeichnet, denen diese Namen ursprünglich nicht zukommen. Auch die Ādityās sind ein im Rigveda bereits verblassendes Göttergeschlecht. Das eigentlich herrschende Göttergeschlecht, die nationalen Götter, sind die dēvās, mit Indra (s. d.) an der Spitze. Zu ihnen geboren die Açvins, die Maruts und ihr Vater Rudra, Vishnu, Pūshan, die Ribhus, Yama. Neben ihnen stehen die Priestergötter Agni, Sōma (s. d.), Brhaspati oder Brahmaṇaspati, Savitar und Sarasvatī. Die V. R. hat keinen absolut höchsten Gott; der jedesmal angerufene Gott wird in dem Liede als der höchste gepriesen. Dieser eigentümliche Zug, den man jetzt gewöhnlich mit Mar Müller Henotheïsmus oder Kathenotheïsmus nennt, erschwert das tiefere Eindringen in die V. R. ganz besonders. Er hängt zusammen mit der Anschauung, daß man den Gott überlisten, durch Schmeichelei und Lobrednerei bethören und andern abspenstig machen könne. Dem Veda ist aber auch der Begriff des Glaubens (çraddhā = lat. crēdo) nicht fremd. Neben dem Glauben spielt eine Rolle das brahman (s. Brahma). Vor allem brauchte man die Hilfe der Götter gegen die zahllosen Dämonen, an die das ind. Volk von ältester Zeit an glaubte (vgl. Crooke, An introduction to the popular religion and folklore of Northern India, Allahabad 1894). Die höchste Macht gegen sie aber besaß der Priester, vor allem der Brahman, der eigentliche Volkspriester. Die priesterliche Spekulation personifizierte diese Macht schon früh in Brahmaṇaspati und nannte diesen den Schöpfer des Himmels und der Erde und als solchen Prajāpati ("Herr der Wesen") und Viçvakarman ("Allschöpfer"). Ihm wurden allmählich die andern Götter untergeordnet und die V. R. ging über in ihre zweite Pbase, den Brahmanismus (s. d.). - Vgl. Zimmer, Altind. Leben (Berl. 1879); Hillebrandt, Vedische Mythologie (Bd. 1, Bresl. 1891); Hardy, Die vedisch-brahmanische Periode der Religion des alten Indiens (Münster in W. 1893); Oldenberg, Die Religion des Veda (Berl. 1894); Pischel in den "Göttingischen Gelehrten Anzeigen", 1894, Nr. 6, und 1895, Nr. 6; Deussen, Allgemeine Geschichte der Philosophie I. (Lpz. 1894 fg.).
Vedretta, in den ital. Alpen soviel wie Gletscher.
Vedute (ital., "Ansicht"), ein landschaftliches Gemälde, welches eine bestimmte Örtlichkeit darzustellen bat. Im Anfang der modernen Kunstentwicklung, als die histor. Landschaft blühte, viel geschmäht und als eine untergeordnete Kunstart angesehen, ist sie jetzt durch den Realismus zum eigentlichen Gegenstand der Landschaftsmalerei (s. d.) geworden. Doch bezeichnet man noch heute mit V. vorzugsweise ein kleines, unbedeutendes Gemälde.
Veen, niederländ. für Fehn, s. Bruch (Sumpf).
Veen, Hochfläche, s. Hohes Venn.
Veen, Martin van, holländ. Maler, s. Heemskerk.
Veendam, Fehnkolonie, s. Fehn- und Moorkolonien (Bd. 6, S. 628 b).
Veendam, Dorf in der niederländ. Provinz Groningen, an einem Kanal, welcher in das Winschoter-Diep einmündet, mit lebhafter Schiffahrt, Schiffswerften und (als Gemeinde) 9824 E.
Veenkultur (Fehnkultur), Veentjer, s. Fehn- und Moorkolonien.
Vega (span.), fruchtbare Ebene.
Vega, La, Stadt auf Haïti, s. La Vega.
Vega, Garcilaso, eigentlich Garci Laso de la, span. Dichter, geb. 1503 zu Toledo. 1529 befand er sich unter den span. Kriegsvölkern, die zu dem kaiserl. Heer gegen die Türken stießen. Wiederholt ist er nach Italien gekommen. Auf dem Feldzug gegen Tunis, 1535, wurde er schwer verwundet, begleitete 1536 den Kaiser in die Provence als Reiteroberst und starb 20. Sept. 1536. Seine Leiche wurde 1538 nach Toledo gebracht. V.s erhaltene Gedichte umfassen eine Anzahl Sonette, 5 Canzonen, 1 Epistel, 2 Elegien und 3 Eklogen, letztere nach Umfang und Inhalt das Wichtigste. Trotzdem sich das genaueste