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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Veitsbohne - Veji
ligcn Georg (in derKircke zu Bensbeim), Die beiden
^tarien am Grabe Cbristi (London, Bridgewater-
>>ouse), mehrere Porträte und das große Fresko
im Stadelschen Institut: Das Christentum, welches
Bildung und Kunst nach Deutschland bringt, nebst
den beiden Nebenbildern Italia und Germania.
Außerdem besitzt das Institut nocb den Schild des
Achilles (nachvomer). 1843 verlegte er sein Atelier
nach Sachsenhansen und vollendete 1846 seine große
.yimmelfabrt Maria für den Frankfurter Dom, so-
dann im Auftrage des Königs von Preußen drei
Gemälde, Die Marien am Grabe Cbristi (National-
galerie zu Berlin), Die Parabel vom barmberzigen
Samariter und die Ägyptische Finsternis. 1847
lieferte er eine große Zeichnung zu einem für die
Chornische des beabsichtigten neuen Berliner Doms
bestimmten Freskobilde, die Verherrlichung der
chriftl. Kirche in Verbindung mit dem preuß. Herr-
scherhause enthaltend (jetzt in der Nationalgalerie).
Später beschäftigte ihn die mit seinen Freunden
Settcgast, Lasinskv und .herrmann 1868 vollendete
Ausschmückung des Meßchors im Dom zu Mainz
mit Freskobildern. V. starb 18. Dez. 1877 in Mainz.
Seine "Zehn Vortrüge über Kunst" (Köln 185)1)
gab Kaufmann heraus.
Veitsbohne, s. Gartenbohne.
Veitsburg, Burg bei Ravensburg (s. d.).
Veitstanz (l'lioi'ea 8ancti Viti, so genannt,
weil der beil. Vitus IVeit^ dagegen als.Helfer an-
gerufen wurde), eine Krampfform, die bei vollem
Bewußtsein und bei völliger Ungestörtheit der gei-
stigen Funktionen auftritt und entweder in selbstän-
digen unwillkürlichen Bewegungen besteht, oder in
unwillkürlichen, welche die gewollten begleiten und
diese stören. Die krampfhaften Bewegungen sind
außerdem derart, daß sie das Anseben des Beab-
sichtigten besitzen. Die Krankheit beginnt meist all-
mablick und macht sich dadurch bemerklick, daß
die Bewegungen anders ausfallen, als sie beabsich-
ngt waren' sie erscheinen oft anfangs wie Un-
arten und Ungeschicklichkeiten. Später treten die
Bewegungen häusiger ein und werden in ibrer Un-
natürlickkeit auffälliger. Die Kranken schneiden die
mannigfaltigsten Grimassen, dreben den Kopf und
den Rumpf, zucken mit den Schultern, werfen die
Arme, verschütten beim Essen und Trinken, und
auch die Beine fübren scheinbar zweckmäßige Be-
wegungen aus, wenn auch mit geringerer.Heftigkeit.
Feinere Beschäftigungen mit den .Händen sind ganz
unmöglich: auch die Sprache wird oft merklich ge-
stört. Sebr bäufig ist vorzugsweise nur die eine
Körperhälftc (namentlich oft die linke) von der son-
derbaren Muskelunrnbc befallen (.hemicborca).
Im Bett werden die Kranken umbergeworfen und
schlafen wegen der dauernden Unruhe nur schwer
ein, liegen aber im Schlafe meist ruhig. Meist ist
auck das psychische Verhalten alteriert; die Kranken
sind übel gelaunt, reizbar, lachen und weinen leicht
obne Veranlassung u. dgl. Jede psychische Erregung
steigert übrigens die choreatischen Bewegungen. Bei
langer Dauer und großer.Heftigkeit der Krämpfe
"immt die psychische Verstimmung zu; eigentliche
Geistesstörung tritt aber selten auf. Das Atmen,
das Schlucken und die Ausleerungen bleiben von
der Krankbeit unberührt. Die Krankbeit tritt in den
verschiedensten Graden auf, häufig in leichten For-
men <klcinerV.), selten in sehr schweren (großer
V.). Ihre Dauer betrügt in der Regel 3 bis 4 Mo-
nate und erstreckt sieb nur in ganz seltenen Fällen,
in schwächerer Weise, über das ganze ^eben. Ein
tödlicher Allsgang tritt nur ausnahmsweise ein, in
l den allermeisten Fällen erfolgt völlige Genesung.
! Rückfalle sind nicht selten, pflegen aber bei zweck-
! mäßigem Verhalten gleichfalls gut abzuheilen. Der
! V. ist vorzugsweise eine Krankheit des jugendlichen
Alters, am häufigsten tritt er bei Kindern zwischen
5 und 15 Jahren auf und befällt Mädchen etwas
^ häufiger als Knaben, .hinsichtlich der Behandlung
! ist eine absolute körperliche und geistige Schonung,
! insbesondere die Unterbrechung des Schulbesuchs,
! durchaus erforderlich; außerdem werden methodische
kalte Abreibungen, roborierende Diät und Bekäm-
pfung der Muskelunruhe durch Elektricität und
Viassage, in schweren Füllen der Gebrauch von
Arsen, Antipyrin und Vromkalium empfohlen.
Veit H Comp., Verlagsbuchhandlung in Leip-
zig , im Besitz von Hermann Credner, geb.
7. Nov. 1842 in Gießen. Sie wurde 1833 in Berlin
begründet von Dr. Moritz Veit (geb. 12. Sept.
1808 in Berlin, gest. 4. Febr. 1864 daselbst, von
1855 bis 1801 Vorsteher des Börsenvereins Deut-
scher Buchhändler) und Joseph Lehfeldt (geb.
18. Jan. 1804 in Großglogau, gest. 4. Juli 1858)
durch Ankauf des I. W. Boikefchen Verlags daselbst,
ging 1858 an Theodor Einhorn über, der das
Geschäft nach Leipzig verlegte, und 1876 an den
jetzigen Besitzer. Zu den aus älterer Zeit vorbande-
nen Werken von Leopold Schefer, Fichte, Boeckh,
Ranke, Drovsen, Dovc, Savigny u. a., dem "Archiv
sür Anatomie und Physiologie" (1795 fg.) kamen
verfchiedcne neue mediz. Zeitschriften, wie die "Zeit-
schrift für .Hygieine" (1886 fg.), die großen mcdiz.
Atlanten von W. Braune, die "Entscheidungen
des Reichsgerichts" (1880 fg.), Werke von.h. Breß-
lau, Du Bois-Rcymond, Eucken, Flechsig, Flügge,
Gomperz, V. Meyer, W. Ostwald, F. Paulsen, R.
Schröder u. a. Eine Specialität bildet die Schach-
litteratur mit der "Schachzeitung" (1846 fg.).
Vejdovskh, Franz, Zoolog,' geb. 24. Okt. 1849
zu Kaurim in Böhmen, studierte Naturwissenschaf-
ten zu Prag, wurde Afsistent am dortigen Museum,
habilitierte sich am böhm. Polytechnikum und 1879
an der Universität sür Zoologie und vergleichende
Anatomie. Nach Teiluug der Universität wurde
er an der böhm. (^i-olk-^LräinHiidea Professor.
Außer verschiedenen Abhandlungen, besonders über
niedere Tiere, in Fachzeitschriften sind von seinen
Werken hervorzuheben: "Monographie der Enchy-
träiden" (Prag 1879), "Die Süßwasserschwamme
Böbmens" (ebd. 1883), "Untersuchungen über Ana-
tomie, Physiologie und Entwicklungsgeschichte von
8tm'n^i>i8" (Wien 1882), "Tierische Organismen
der Brunnenwasser von Prag" (Prag 1883), "System
und Morphologie der Oligochanten" (ebd. 1884),
"/.i'lnii, opio/Lni r)'1wv^ni vaMka." (preisgekrönte
Schrift, ebd. 1887) und dasselbe deutsch u. d. T.
"Entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen 1" (ebd.
1888-92). '
Vejör de la Frontera (spr. wech-), Stadt im
Bezirk Cbiclana de la Frontera im S. der span.
Provinz Cadiz, rechts am Varbatc, an der im Bau
befindlichen Eisenbahn Cadiz-Tarifa, hat (1887)
11001 E.
Veji, eine der zwölf Vundesstädte des alten
Etrurien, tritt seit den Anfängen Roms als dessen
bedeutender Gegner auf. V. lag nur etwa 18 km
nördlich von Rom entfernt, sehr günstig auf einem
leicht zu befestigenden Tusffelfen an der Cremera