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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Vejle; Vela; Vela de Coro; Velarium; Velarlaute; Velathri; Velazquez

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Vejle - Velazquez

als Vorposten der etrusk. Macht. Nach der Tradition war unter den Kämpfen gegen die Republik, deren erster der Wiedereinsetzung der Tarquinier gegolten haben soll, von hervorragender Bedeutung der Krieg 485-474 v. Chr., in dem 477 die 306 Fabier, die mit ihren Clienten aufzogen, um Rom von dem lästigen Gegner zu befreien, fielen und der mit einem 40-jährigen Waffenstillstände endigte. Weitere Kriege folgten 438-434, 426, 425, endlich der letzte 405-396, der nach 10jähriger Belagerung der Stadt mit der Eroberung durch Camillus endigte. Seitdem blieb der Ort öde bis auf Julius Cäsar, der dort Veteranen ansiedelte. Unter Tiberius erscheint V. als Municipium und es wird noch im 4. Jahrh. genannt, Jetzt sind, abgesehen von der Grotta Campana, einem in der Nekropole V.s erhaltenen Grabe, wo wichtige Funde gemacht sind, nur noch spärliche Überreste der Ummauerung des alten V. sowie auch der cäsarisch-augusteischen Ansiedelung bei Isola di Farnese vorhanden.

Vejle, dän. Stadt, s. Veile.

Vela, Vincenzo, ital. Bildhauer, geb. 1822 zu Ligornetto im Kanton Tessin, genoß bei Cacciatori in Mailand Unterricht in der Bildhauerkunst und gewann 1840 den großen Preis der Akademie mit dem Marmorrelief Erweckung der Tochter des Jairus. 1847 ging er nach Rom, wo er alsbald die Figur des Spartacus begann, die er 1850 für den Herzog Antonio Litta in Marmor ausführte. Das Werk, zuerst 1851 in Mailand aufgestellt, machte durch die Wucht der Darstellung einen nachhaltigen Eindruck; es stand bis 1874 auf der großen Treppe des Palastes Litta zu Mailand und befindet sich jetzt in Petersburg, 1851l schuf er die Marmorstatue der Betrübnis (trauernde Frau) für das Grabmal der Familie Ciani in Lugano (im Park der Villa). 1852 wandte sich der Künstler nach Turin. Zunächst lieferte er Grabmäler; so das Donizettis (mit der Figur der Harmonie, 1855) in Sta. Maria Maggiore zu Bergamo, des Philosophen Ant. Rosmini (kniend) in Stresa am Laggio Maggiore, ferner als Gruppe die knienden Marmorfiguren der beiden 1855 gestorbenen Königinnen von Sardinien, Marie Therese (Karl Alberto) und Marie Adelaide (Gemahlin Victor Emanuels II.), 1861 in der Kirche della Consolata zu Turin errichtet. Im Auftrage der Kaiserin Eugenie modellierte V. dann die kolossale Bronzegruppe des Columbus mit dem Indianermädchen (das junge Amerika allegorisch darstellend; errichtet in Veracruz). Den Höhepunkt und den Abschluß seiner künstlerischen Entwicklung bildet die 1867 in Paris ausgestellte sitzende Marmorfigur Napoleons I. ("Die letzten Tage Napoleons"); Napoleon III. kaufte das Werk und ließ es nach Versailles (Historisches Museum) bringen, eine Wiederholung befindet sich in der Corcoran-Art-Gallery zu Washington. Von seinen sonstigen Schöpfungen sind zu nennen: das Standbild Victor Emanuels II. in der Vorhalle des Stadthauses, das des Cesare Balbo, das Monument für Daniele Manin, das Monument für die Ruhmesthaten des sardin. Heers vor dem Palast Madama (1859), sämtlich in Turin; die sitzende Marmorfigur Cavours in der Vorhalle der Börse zu Genua, das Standbild Correggios für dessen Vaterstadt (1880), endlich die reizende allegorische Statue des Frühlings. V., der sich Ende der sechziger Jahre nach seinem Geburtsort Ligornetto zurückgezogen hatte, starb daselbst 3. Okt. 1891.

Vela de Coro, Hafen bei Coro (s. d.).

Velarium (lat., von velum, d. i. Segel), die horizontal ausgespannte Leinwanddecke, wie solche als Schutz gegen die Sonne oder zur Dämpfung des Lichts über der Arena des röm. Cirkus ausgespannt wurde; dann die teppichartige Decke, wie sie besonders im Zeitalter der Renaissance zum Schmuck der Altane und Hänserfaçaden bei festlichen Aufzügen zur Anwendung gelangten. Neuerdings schufen Heyden, Knille und A. von Werner prächtige V. zur Dekoration beim Einzug der Truppen in Berlin 1871.

Velarlaute, s. Laut.

Velathri, alter Name der Stadt Volterra (s. d.j.

Velazquez (spr. weláskez), Diego Rodriguez de Silva, span. Maler, geb. 6. Juni 1599 zu Sevilla, stammte von der aus Portugal eingewanderten Familie der Silva. Er lernte die Kunst erst bei dem ältern Herrera, dann bei dem Schriftsteller und Dichter Francisco Pacheco, dessen Tochter Juana er heiratete. Seinen eigentümlichen Stil schuf er sich jedoch autodidaktisch, in Studien nach der Natur, die er für das dort beliebte Fach der Bodegones (Küchenstücke) mit Erfolg verwenden konnte. Auch in seinen damaligen Kirchenbildern hielt er sich an das Modell, in der Art der ital. Naturalisten. 1622 begab er sich nach Madrid; bald erhielt er die Ernennung zum königl. Maler und die Gunst Philipps IV., die er sich bis an sein Ende erhielt. Leider nötigte ihn seine Stellung, eine Menge uninteressanter königl. Personen zu malen und oft zu wiederholen; es giebt von ihm nur wenige große Historienbilder und einige figurenreiche Jagdstücke. Sein erster Stil (bis 1629) ist voll plastischer Kraft mit schroffen Gegensätzen der Beleuchtung; das Hauptwerk ist die Zechende Bauerngesellschaft (genannt Los Borrachos; im Pradomuseum zu Madrid). Ferner sind hier zu nennen: Anbetung der Könige (ebenda), Anbetung der Hirten (Nationalgalerie in London). Der Besuch des Rubens (1628) brachte den Plan einer ital. Reise (1629-31) zur Ausführung. Er studierte die Venetianer und malte unter andern in Rom Die Schmiede des Vulkan (Museum in Madrid); dort machte er sich bereits von den dunklen Schatten los, von da an geht er aus auf Modellierung im allverbreiteten Tageslicht. Dies Bild eröffnet seinen zweiten Stil (1631-48), dem seine vier großen Reiterbilder (des Königspaares, des Prinzen Balthasar, des Ministern Grafen von Olivarez), die drei Jäger und sein großes histor. Meisterstück, Die Übergabe von Breda (genannt Las Lanzas; im Museum zu Madrid), angehören; ferner seine besten religiösen Darstellungen, Christus am Kreuz (ebenda). 1648 ging er wieder nach Italien, diesmal mit dem Auftrag, Gemälde und Abformungen von Antiken zur Ausstattung der neuen Gemächer im Palast anzuschaffen. Er malte das Bildnis des Papstes Innocenz X. (Palast Doria zu Rom; Wiederholung in Apsley-House zu London); seine Art, mit den geringsten Mitteln den vollen Lebenszauber hervorzubringen, setzt noch heute in Erstaunen. V.' Bildnisse zeichnen sich aus durch den Geist und die rücksichtslose Wahrheit der Charakteristik, die Modellierung im vollen Licht und den Ausdruck des nationalen Würdebegriffs. Kein Maler hat sich wie er vom Konventionellen freigehalten. In seinem dritten Stil (1651-60) hat er in einem fast skizzenhaften, unverschmolzenen Vortrag feine und schwierige räumlich-optische Phänomene ausgedrückt, wie sie erst die neueste Malerei sich wieder zur Aufgabe stellte. Dahin gehören: Die Spinnerin-^[folgende Seite]